Michaela Cheema: “Strahlende Kindergesichter sind für mich sehr beglückend!”


"Für die 30 Kinder, die wir hier zur Zeit im Internationalen Montessori-Kinderhaus e.V. am Münchner Hasenbergl betreuen, benötigen wir eigentlich alles, von Geldspenden bis hin zu Nahrungsmitteln, Bekleidung und Sachspenden – einfach alles", so begann das Interview mit Michaela Cheema, seit 1999 als Kindertagesstättenleiterin des Internationalen Montessori-Kinderhaus am Münchner Hasenbergl tätig. Dabei sollte sich das Gespräch eigentlich ausschließlich um die Person "Michaela Cheema" drehen. Aber bereits mit diesen einleitenden Worten, "verriet" die verheiratete Frau und Mutter einer Tochter und eines Sohnes eines ihrer charakteristischen Merkmale: ihre Liebe zu Kindern und ihr kämpferisches Engagement, um den Jüngsten in unserer Gesellschaft, mit bereits im Kindergarten überzeugenden Bildungsangeboten Chancen für eine aussichtsreiche Zukunft zu verschaffen.
Im Jahr 1997 in München als Tochter deutscher Eltern geboren, ging Michaela Cheema bereits in jungen Jahren nach Indien. Dort entdeckte sie ihre Berufung für den sozial-pädagogischen Bereich – ein Terrain, das sie für sich zu ihrem Traumberuf machte.

Sie sind ja "multimedial" talentiert: sie arbeiten als Verlegerin, Buchautorin, Fotografin, Grafikerin und Web-Designerin, Sie betreiben Marketing und Vertrieb – wie schaffen Sie dieses immense Pensum?
Das ist natürlich eine Frage der Organisation. Normalerweise komme ich gegen 8.30 Uhr hier in die Kindertagesstätte und arbeite bis etwa 12.00 mittags. In dieser Zeit führe ich zum Beispiel Elterngespräche, tausche mich mit meinen Mitarbeiterinnen aus, entwerfe und realisiere Werbe- und Prospektmaterial und führe viele Geschäftstelefonate. Nachmittags bin ich meistens unterwegs zu potentiellen Sponsoren, pflege Kontakte zu wichtigen Schaltstellen oder versuche, Spenden für die Kindertagesstätte zu ergattern. Hinzu kommen Pressearbeit und Präsentationen, ich halte Vorträge, auch abends, und nutze jede erdenkliche Möglichkeit, um unser Anliegen öffentlich zu machen. Da kommt leicht eine 50-Stunden-Arbeitswoche für mich zusammen.

Worin besteht denn die Einzigartigkeit der Montessori Kindertagesstätte?
Wir gehen davon aus – so wie es Maria Montessori auch immer wollte – dass alle Kinder individuelle Wesen sind. Wir holen sie dort ab, wo sie wesens- und bildungsmäßig stehen. Wir stellen jedes Kind in den Mittelpunkt unserer Arbeit und betreuen es in liebevoller Umgebung. Wir gehen auf spielerische Art und Weise auf die individuellen Anforderungen eines jeden Kindes ein und sorgen mit ausgewähltem Schulbedarf, Büchern, Spiel- und Bastelsachen für eine ihnen gemäße Entwicklung. Tägliche Spaziergänge und gemeinsam mit Eltern zubereitetes Essen gehören natürlich auch dazu.

An welchem Projekt arbeiten Sie derzeit bzw. gibt es neue Projekte?
Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck an einem Erweiterungsbau unserer Kindertagesstätte. Die Landeshauptstadt München wird im kommenden Jahr in der Dülferstraße – unweit von hier – eine neue städtische Einrichtung eröffnen. Dort wird dann auch das Internationale Montessori-Kinderhaus eine neue Wirkungsstätte für 105 Kinder erhalten! Also eine Verdreifachung unserer bisherigen Kapazitäten. Das klingt nach vielen Plätzen, aber erfahrungsgemäß sind sie so rasch ausgebucht, dass sich bereits jetzt eine Anmeldung empfiehlt. Wir werden zwar dankenswerter Weise mit Mitteln der Stadt unterstützt. Aber angesichts knapper Kassen, fehlt es bei uns an allen Ecken und Kanten! Noch immer sind wir auf der Suche beispielsweise nach einem großzügigen Kücheneinrichter, der uns eine entsprechend große Gastronomieküche sponsert!

Was beglückt Sie bei Ihrer Arbeit?
Der Erfolg! Immerhin haben wir hier eine nicht ganz einfache Ausgangssituation. Wir erziehen im Internationalen Montessori-Kinderhaus am Münchner Hasenbergl Kinder auch aus sozial schwachen Familien im Alter von zwei bis sechs Jahren individuell und ihren persönlichen Fähigkeiten entsprechend gemäß der Montessoripädagogik. Sie werden neben Deutsch ebenso in Englisch geschult. Der Ausländeranteil beträgt rund 80 Prozent. Die Arbeit hat großen Anklang gefunden und sehr gute Erfolge in der Kindesförderung erzielt. Neben der Frühförderung von kleineren Kindern im Alter ab zwei bis vier Jahren ist dem Kinderhaus am Hasenbergl auch eine optimale Schulvorbereitung von 4-jährigen bis schulpflichtigen Kindern gelungen. Wir begleiten die Kinder bis zur Schule. Einige der Kinder sind sogar "Hochbegabten verdächtig." Wenn man dann die strahlenden und glücklichen Gesichter der Kinder sieht, Kinder, die vor allem lernen wollen und die keine Langeweile kennen, dann ist das doch für mich alles sehr beglückend.

Welche berufliche Zielen streben Sie an?
Ich bin zufrieden und erfüllt von meiner jetzigen Tätigkeit, die ich als Berufung verstehe.

Wer oder was inspiriert Sie?
Der harmonische Zusammenhalt meiner Familie und die gegenseitige Unterstützung.

Nach welcher Philosophie gestalten Sie Ihr Leben?
Ich bin ein positiv denkender Mensch und glaube fest an meine Familie. Ich erkenne auch in kleinen Dingen Schönes und Positives und erfreue mich auch an geringen Fortschritten.

Haben Sie Vorbilder?
Ja, meinen Mann. Er war in Indien in einer Tagore-Schule tätig, das ist ein Pendant zur Maria Montessori Institution. Seine Arbeit hat mich von Anfang an fasziniert, denn die Kinder werden dort nach ganzheitlichem Denken erzogen. Ich finde es schön, wenn man Kinder in ihrer Ganzheitlichkeit betrachtet und ich beschäftige mich viel mit dieser Philosophie.

Was denken Sie über das Altern?
Jeder von uns wird einmal alt. Altern gehört zum Leben, auch ist man innerlich nur so alt, wie man sich fühlt. Es ist wichtig, sich innerlich jung und aktiv zu halten! Wenn man sich im Kopf fit und hell erhält, dann ist es mit dem Älterwerden gar nicht so schlimm. Daher freue ich mich schon, wenn unsere Tagesstätte im nächsten Jahr umzieht. Unter dem Dach der neuen städtischen Einrichtung wird es dann auch eine Generationen übergreifende Kommunikation mit Senioren geben – das wird für alle eine wichtige Erfahrung sein!

Nach welchem Leitsatz arbeiten Sie mit den Ihnen anvertrauten Tagesstätten-Kindern?
"Hilf mir, es selbst zu tun!" – nach dieser Devise nehme ich nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern an die Hand. Wichtig ist es, Wege aufzuzeigen, sich selbst zu helfen – das gilt für Jung und Alt gleichermaßen!

Das Interview führte Brigitte Karch