Gegen den Trend – Anne Buch: mit EchtPost mehr echte Post im Briefkasten der Empfänger

 

 

Die gebürtige Kölnerin (Jahrgang 1980) studierte nach dem Abitur Publizistik und Filmwissenschaft. Anschließend arbeitete sie im Bereich PR zunächst in einer Agentur, danach mehrere Jahre in einem großen Technologieunternehmen. Anne Buch ist verheiratet und Mutter zweier Kinder, einem dreieinhalb jährigen Sohn und einer fünf Monate alten Tochter. Während ihrer Elternzeit entwickelte sie die Idee zu EchtPost und gründete das Unternehmen 2013. Seither sind zwei Jahre vergangen, Grund genug die Unternehmensgründerin nach dem Ist-Zustand von EchtPost zu befragen.

Fangen wir mal von hier und heute an: Würden Sie rückblickend, nochmals EchtPost gründen oder eine andere Geschäftsidee verfolgen?

Ich würde EchtPost auf jeden Fall wieder gründen! Die letzten beiden Jahre haben mir auf persönlicher und professioneller Ebene sehr viel gebracht, ich habe viel gelernt und meine Arbeit erfüllt mich in einem hohen Maße. Der Impuls zur Gründung ging ganz klar von der Idee zu EchtPost aus. Hätte ich die Idee nicht gehabt, hätte ich mich sicherlich nicht selbständig gemacht. Ich war früher sogar davon überzeugt, dass eine selbständige Tätigkeit nicht das Richtige für mich wäre.

 

 

Bildunterschrift (r.): Anne Buch gründete 2013 ihr eigenes Unternehmen EchtPost. Foto: Stephanie Kunde

Welches waren die Gründe, EchtPost ins Leben zu rufen, wo es so scheint, als sei das Zeitalter der „Gänsekiel-Schreiberei“ längst vorbei?

Natürlich ist es heute eigentlich überflüssig, Postkarten zu schreiben, kommen E-Mails und Whats App-Nachrichten doch viel schneller beim Empfänger an. Fakt ist aber, dass sich eigentlich jeder freut, wenn zwischen Werbung und Rechnungen im Briefkasten eine Postkarte liegt – heute noch viel mehr als früher, weil es so selten geworden ist. Aufgrund der vielfältigen digitalen Kommunikationswege sind wir jedoch bequem geworden: Eine Postkarte zu verschicken, erscheint vielen als zu umständlich. EchtPost sorgt dafür, dass man Postkarten so einfach wie E-Mails verschicken kann, der Empfänger sich aber trotzdem über echte Post im Briefkasten freut.

Wer sind Ihre Kunden?

Meine Kunden sind vor allem Frauen und zwar solche, die noch mit Brieffreundin und Wählscheibe am Telefon groß geworden sind, heute aber vor allem digitale Kommunikationswege nutzen. In den letzten Monaten kommen aber auch immer mehr Männer zu meinem Kundenstamm hinzu.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Sujets der Postkarten aus?

Ich arbeite nur mit Einzelkünstlern zusammen, denn mir ist es wichtig, dass die Motive bei EchtPost einzigartig und originell sind. Die Postkartenständer vor Buchhandlungen und Schreibwarenläden sehen heute fast alle gleich aus, davon will ich mich unbedingt absetzen. Bei der Auswahl einzelner Motive entscheiden dann deren Qualität, meine Erfahrung, was die EchtPost-Nutzer gerne verschicken und natürlich mein persönlicher Geschmack darüber, ob sie ins Sortiment aufgenommen werden.

Postkarten sind thematisch anlassbezogen. Welches sind die Nachfragefavoriten?

Nach wie vor sind Geburtstagskarten der Verkaufsschlager. Es folgen Weihnachten und weitere saisonale Anlässe wie Nikolaus oder Ostern. Ziel von EchtPost ist es aber, dass nicht nur rein anlassbezogene Karten verschickt werden, denn die Empfänger freuen sich am meisten über Postkarten, die ganz unerwartet im Briefkasten liegen. Daher hat EchtPost auch sehr viele Motive im Sortiment, die keinem bestimmten Anlass zuzuordnen sind.

Wie viele KünstlerInnen haben Sie in Ihrem EchtPost-Portfolio?

Derzeit gibt es bei EchtPost Motive von knapp 30 unterschiedlichen Designern, Grafikern, Fotografen und Illustratoren. Drei viertel davon sind Frauen.

 

Bildunterschrift (o.): EchtPost Logo inmitten anderer Motive. Foto: Stephanie Kunde

 

Begeben Sie sich auf KünstlerInnnesuche oder kommen KünstlerInnen von sich aus auf Sie zu?

Sowohl als auch. Zu Beginn habe ich mich ausschließlich auf Künstlersuche begeben, inzwischen kommen immer mehr von sich aus auf mich zu. Außerdem gestalte ich die Postkartenmotive zum Teil auch selbst. Anfangs stammten noch die meisten Motive von mir, inzwischen komme ich aber kaum noch selbst zum Designen, weil so viele andere Dinge zu tun sind.

Startup? Wie anfangs finanziert? Trägt sich finanziell Ihr Unternehmen? 

Ich sehe EchtPost als Startup, auch wenn ich als Einzelunternehmerin nicht dem klassischen Startup mit Gründerteam und Investor im Rücken entspreche. Die Anfangsfinanzierung lief über einen KfW geförderten Gründerkredit. Den Break even habe ich noch nicht erreicht, werde dies aller Voraussicht nach aber im Laufe des kommenden Geschäftsjahres schaffen.

Sie sind mit EchtPost seit zwei Jahren am Markt. Haben sich Ihr Unternehmen, der Markt, Ihr Klientel seither gewandelt? In welche Richtung?

Ich habe mir vor der eigentlichen Unternehmensgründung viel Zeit für die Planung und Konzeption gelassen, den Markt und meine potenziellen Kunden analysiert. Ich denke das ist der Hauptgrund dafür, dass ich im Laufe der letzten zwei Jahre stark an meiner Ursprungsidee festgehalten habe. Trotzdem ist natürlich nicht alles so gekommen, wie ich das vorher geplant hatte. Als Einzelunternehmerin verantworte ich alle Unternehmensbereiche selbst, daher hatten die ersten beiden Geschäftsjahre auch den Charakter einer Findungsphase. Inzwischen bin ich als Unternehmerin „angekommen“ und auch bereit, EchtPost weiterzuentwickeln.

Sehen Sie noch Optimierungspotenzial? Falls ja, wo?

Optimierungspotenzial sehe ich immer! Ich will mit EchtPost natürlich noch sehr viel mehr Nutzer erreichen, daher liegt mein aktueller Fokus klar im Bereich Marketing und Neukundengewinnung. Im Laufe des nächsten Jahres möchte ich zudem den Bereich Business-Kunden angehen und aufbauen.

 

 

Bildunterschrift (r.): Stapel mit Postkarten. Foto: Stephanie Kunde

 

Welches ist Ihr persönliches Lieblingsmotiv? Warum?

Ein einziges Lieblingsmotiv habe ich nicht, das wäre bei über 500 Verschiedenen ganz schön schwierig. Es hängt von meiner Stimmung, dem Empfänger und der Jahreszeit ab, welche Postkarten ich selbst am Liebsten verschicke. Zuletzt habe ich eine Postkarte mit herbstlichem Motiv von der Designerin Lucy Muss an eine liebe Freundin geschickt.

Zukunftsvisionen?

Ich finde es unheimlich spannend zu beobachten, wie sich die Kommunikation in den letzten 15 Jahren verändert hat und auch aktuell ständig weiter verändert. In diesem Prozess will ich mit EchtPost eine Rolle spielen und dazu beitragen, dass wieder mehr Postkarten verschickt werden.
(Die Fragen stelle Brigitte Karch)

Weitere Informationen:
echtpost.de
echtpost.de/postkartenmotive/herbst-und-winter/postkarte-the-coco-bird-autumn

 

Titelbild: Anne Buch machte sich vor zwei Jahren mit EchtPost selbständig. Foto: Stephanie Kunde