Elisabeth Florin: „Der Umgang mit Sprache ist eine tolle Sache und bietet unglaublich viele kreative Möglichkeiten“

Inzwischen verkürzen wir die Wartezeit mit einem Interview mit der Autorin. Darin plaudert die temperament- und humorvolle Elisabeth Florin über ihre schriftstellerische Arbeit und wie sie die Figur „Commissario Pavarotti“ erfand. Anders als in zahlreichen anderen Krimis lässt die Autorin die handelnden Personen vor dem Hintergrund spannender politischer Gegebenheiten agieren.

Die gebürtige Augsburgerin Elisabeth Florin (Jahrgang 1958) besuchte das Maria Ward Gymnasium (Englische Fräulein) in der Fuggerstadt mit anschließendem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Bonn, gefolgt von einem Volontariat als Fernsehjournalistin beim Norddeutschen Rundfunk. Neben ihrer Schriftstellerei ist Elisabeth Florin als Wirtschafts- und Finanzjournalistin tätig. Sie lebt mit Ehemann und Kater im Taunus

Frage: Von der Wirtschafts- und Finanzjournalistin und Filmemacherin zur erfolgreichen Krimi-Autorin. Ist das ein positiv ehrgeiziges Austesten der eigenen beruflichen Bandbreite oder wie kam es zu diesem beruflichen Karrierelauf?

Diese Karriere war eine Mischung aus Zufall und Neigung. Der Wirtschaftsjournalismus in TV und Print war seit Mitte der 1980er Jahre mein Broterwerb, dem der Wechsel in die Finanz-PR folgte. Mit dem Krimi schreiben habe ich eigentlich zur Entspannung auf Dienstreisen in Hotels und an Flughäfen angefangen. Dass da etwas Ernsthaftes draus wird, war am Anfang gar nicht geplant. Ist es dann aber doch und das macht mir mächtig Freude. Derzeit fahre ich zweigleisig als PR-Frau mit eigener Agentur und als Autorin.

 

Bildtext (r.): …die Erzählerin 

 

Frage: „Commissario Pavarotti“ ist ja nicht nur ein unterhaltsamer Kriminalroman, sondern stets auch eingebettet in sozialkritische, politische Hintergründe. Was reizt Sie daran, solch „schwere Kost“ literarisch zu verarbeiten?

 

Ich schreibe schlicht gerne Bücher, die ich selbst auch gerne lesen würde. Eine reine Mord- und Totschlag-Geschichte ohne Hintergrund finde ich persönlich nicht sehr spannend. Schließlich sind es ja auch im „echten Leben“ politische und soziale Entwicklungen, die unser Leben und unsere Taten beeinflussen. Südtirol bietet hierbei reichlich Stoff, denn die jüngere Vergangenheit war bewegt und hat die Menschen geprägt.

Frage: Wie und wo sind Sie der Figur Commissario Pavarotti erstmals „begegnet“?

Auf einmal war er da. Das ist Jahre her. Mir schwebte ein Commissario als Figur vor, der nicht glatt und ohne Ecken und Kanten ist, sondern der auch – wie wir alle – sein persönliches Päckchen zu tragen hat. Da sind das schwierige Verhältnis zu Vater und Schwester, die manchmal fehlende Sozialkompetenz und nicht zuletzt der Name. Aus dieser Gemengelage hat sich Pavarotti geformt, und er ist mir richtig ans Herz gewachsen.

Frage: Warum haben Sie ihm Lissie zur Seite gestellt? Verweben Sie mit der Figur Lissies – teilweise – Ihre persönlichen Eigenschaften?

Bildtext (l.): …die Analytikerin 

 

Diese Frage höre ich oft, zumal der Name Lissie natürlich eine gewisse Nähe zu meinem Pseudonym Elisabeth hat. Trotzdem ist Lissie eine reine Kunstfigur. Sie hat Vieles, was Pavarotti nicht hat, kann gut mit Menschen, ist spontan und offen und besitzt trotzdem ihre dunklen Seiten. Ich fand, dass diese Kombination zwischen den beiden Hauptpersonen eine gut funktionierende Mischung ist, die Raum für scharfzüngige Dialoge bietet – und natürlich vielleicht sogar für mehr, denn ganz unsympathisch sind sich die beiden ja nicht.

Frage: Wenn Sie an politischen Schalthebeln sitzen würden, was würden Sie in der Politik ändern?

Ich würde verhindern wollen, dass Politik weiterhin von wenigen Akteuren über das Bedienen von Schalthebeln gemacht wird. Mehr Demokratie halte ich für wünschenswert und das wäre vielleicht auch ein Rezept, um die Politikmüdigkeit vieler Menschen zu kurieren. Ansonsten halte ich mich von Allmachtsphantasien lieber fern (schmunzel).

Frage: Wie viel Zeit haben Sie für Commissario Pavarotti trifft keinen Ton – von der Idee bis zur Drucklegung des Buches benötigt?

Der erste Roman hat lange gedauert. Von der ersten Seite – die dann erst einmal für geraume Zeit in der Schublade verschwand – bis zum fertigen Buch waren es fast zehn Jahre. Wie bereits erwähnt war das Buch als privater Ausgleich zum Job gedacht, und entsprechend lang waren manchmal die Pausen, bis es weiter ging.

Frage: Ging Ihnen Commissario Pavarotti küsst im Schlaf sozusagen schneller von der Hand?
 

Bildtext (l.): …die Recherchierende 

 

Das kann man so sagen. Das nächste Buch war in 15 Monaten fertig. Da gibt es immer noch AutorInnen, die deutlich schneller schreiben, aber ich brauche Zeit, nicht zuletzt wegen der komplexen Handlungen. Und die Kunden aus der Finanzbranche haben auch wenig Verständnis, wenn man sie vernachlässigen würde, um den eigenen Krimi schneller fertig zu stellen.

Frage: Worin liegt Ihrer Meinung nach der Erfolg Ihrer beiden Bücher begründet?

Geniale Plots und eine brillant schreibende Autorin – das wäre doch eine schöne Antwort (schmunzel). Im Ernst, ich glaube es gefällt den LeserInnen, dass die Protagonisten nicht glatt geschliffen sind, und dass sie Verbrechen in einer Szenerie aufklären, die als Urlaubsidyll gilt, aber dann langsam ihre Abgründigkeit offenbart. Dieser Gegensatz ist spannend. Die politisch-zeitgeschichtlichen Komponenten kommen ebenfalls gut an, auch in Südtirol selbst. Dort sind die Bücher sehr erfolgreich; sie standen beide auf Platz 1 der Bestsellerliste. Ein Ansporn natürlich für Band 3, an dem ich gerade arbeite.

Frage: Wie verläuft ein ganz normaler Arbeitstag für Sie ab? Und: Wie viele Stunden verbringen Sie am PC/Laptop oder verwenden Sie, welch Luxus, gar eine Schreibmaschine, um das Buchmanuskript fertigzustellen?

Ich arbeite immer noch auf einen geregelten, planbaren Tagesablauf hin – das klappt aber nie. Wenn alles glatt läuft, dann versuche ich gleich morgens einige Seiten zu schreiben, da ist meine Kreativität am größten und der Schreibfluss häufig am besten. Wenn aber ein wichtiges Kundenprojekt fertig werden muss, oder das Telefon plötzlich klingelt, dann sind die Planungen schwuppdiwupp über den Haufen geworfen, und ich schreibe erst am Abend oder auch gar nicht. Die Buchmanuskripte verfasse ich am Computer, Ideen notiere ich mir handschriftlich.

Frage: Gibt es im Zuge Ihres Schreibens auch Aufgaben, die Sie nicht so gerne machen?
 

Bildtext (l.): … die Lachende 

Korrigieren und die Anpassungen nach dem Lektorat gehören nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich mache das aber trotzdem sehr diszipliniert, weil ich weiß, wie wichtig dieser Teil für ein gutes Endprodukt ist. Neben dieser Pflicht ist das Schreiben für mich aber immer noch die Kür.

Frage: Wer oder was inspiriert Sie?

Ich kann das gar nicht so im Detail sagen – das ist peinlich für eine Autorin, oder? Die Ideen sind plötzlich dar. Es hilft natürlich, wenn die Belastung aus anderen Bereichen nicht zu groß ist, aber selbst das gilt nicht immer. Plötzlich geht meine Phantasie dann auf Reisen.

Frage: Welches sind Ihre literarischen Vorbilder?

Vorbilder heißt ja nicht, dass man sich damit unbescheiden vergleicht. Ich gebe zu, es sind die großen Crime Ladies: Dorothy L. Sayers, P.D. James und Elizabeth George. Val McDermind finde ich auch toll, und – vielfach unterschätzt – Peter Robinson. Man sieht, das geht schon in eine anglophile Richtung. Bei den deutschen AutorInnen lese ich zum Beispiel Elisabeth Herrmann sehr gerne und finde ihre Art, Geschichten zu erzählen, großartig.

Frage: Würden Sie jungen Frauen, die vor der Berufswahl stehen, zum Journalismus/Schriftstellerei raten?

Bildtext (r.): …die Wissbegierige

 

Na ja, es gibt sicher Berufe, die – neudeutsch ausgedrückt – zukunftssicherer sind. Aber ob die dann auch so viel Spaß machen? Der Umgang mit Sprache ist eine tolle Sache und bietet unglaublich viele kreative Möglichkeiten. Außerdem sollte man einen Beruf wählen, für den man brennt. Wenn das Journalismus oder Schriftstellerei ist, dann immer ran an den Speck. Die Antwort hat jetzt etwas länger gedauert, lässt sich aber verkürzen zu: Ja!

 

 

 

 

Frage: Wenn Sie drei Dinge auf eine Insel mitnehmen könnten, welche wären das?

Wir unterstellen die sprichwörtliche einsame Insel, mit Banalitäten wie „Dosenöffner“, „Zelt“ oder „Anorak“ wollen wir uns aber nicht aufhalten, richtig? Dann würde ich mitnehmen: eine sehr gute Flasche (Weiß-) Wein, ein sehr gutes Buch (ich müsste noch entscheiden, ob ein bekanntes oder neues), meinen Mann (da würde ich den bekannten nehmen) …
(Die Fragen stellte Brigitte Karch)

 

 

Bildtext (r.): …die Krimi-schreibende Autorin Elisabeth Florin 

 

Weitere Informationen:
www.elisabethflorin.de
www.emons-verlag.de

 

 

 

 

Titelbild: Elisabeth Florin, Autorin der beiden Kriminalromane „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“ und „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“. Alle Fotos: Privat; Collage: b.k.