Fingerfood Augusta: Erfolgsrezept auf dem flachen Land

Die gelernte Einzelhandelskauffrau für Kfz, Ersatzteile und Zubehör Ines Klampfl (52), Mutter von drei erwachsenen Kindern, war 2010 zu einer Geburtstagsfeier eingeladen und sofort von dem aufgebauten Fingerfood-Büffet begeistert: „Ich fand die Sachen einfach toll und habe mich gleich mit der Materie beschäftigt und über das Thema informiert. Klar, dass ich bei der nächsten Familienfeier, einer Konfirmation, meine Lieben mit selbstgemachtem Fingerfood verwöhnt habe.“ Die kleinen Köstlichkeiten kamen so gut an, dass immer mehr Freunde und deren Freunde etc. ebenfalls in den Genuss von Ines Klampfls Kreationen kommen wollten.

Foto: Fingerfood Augusta/Picture Deli Circus 

In so einem kleinen Ort wie Salzderhelden (rund 2000 Einwohner) wird natürlich schnell von „Schwarzgastronomie“ geraunt. „Das kam für mich nicht in Frage. Ich habe gleich nach Räumlichkeiten für meine neue Leidenschaft gesucht.“ Die dafür durchaus geeignete leerstehende Wohnung im Haus ihrer Eltern fand das O.K. des Gesundheitsamts. Das Gewerbe war offiziell angemeldet. Allerdings hatte die Sache einen Haken: Der geforderte Einbau von Brandschutztüren und anderen Brandschutzmaßnahmen hätte eine Investition von gut 10.000 Euro erfordert.
 

Bildtext (r.): Einer der beliebtesten Salate im Glas ist die Nacho-Variante: Eisbergsalat mit Chili con Carne, Paprika, Texarkana Salsa, und Nachos. Foto: Fingerfood Augusta/Picture Deli Circus
 

Dann kam ihr das berühmte Quäntchen Glück zu Hilfe: die frühere Bahnhofsgaststätte stand leer. Der Bürgermeister war mit einem Nutzungsvertrag einverstanden und Ines Klampfl legte in der 25 qm großen Küche der Bahnhofswirtschaft munter los. Werbung brauchte sie nicht, Mundpropaganda genügte völlig.

Sie hat Privatkunden und Firmenkunden. Der bisher größte Auftrag waren 2500 Canapés für ein Möbelhaus. „Da hat mir mein Mann geholfen. Wir haben gemeinsam so an die sechs Stunden gearbeitet.“ Ihr Ehemann ist Malermeister, wollte aber als Kind Koch werden, was seine Eltern nicht so gerne sahen. Daher freut er sich jetzt umso mehr, wenn er seiner Frau in Fingerfood-Dingen helfen darf. „Neue Ideen hat er übrigens auch!“

 Foto: Fingerfood Augusta/Picture Deli Circus

Das Einzugsgebiet von „Fingerfood Augusta“ beträgt zwischen 20 und 25 km, manchmal liefert sie auch bis ins 40 km entfernte Göttingen. Woher kommt der Name „Augusta“? „Augusta hieß meine Oma mütterlicherseits, ich habe sie sehr geliebt.“ Und quasi vom Fach war sie auch – als Chefin einer heute noch bestehenden Bäckerei und berühmt für ihren Hannover’schen Zuckerkuchen.

Wo liegt das Erfolgsgeheimnis des Klampfl’schen Caterings? „Die tolle Optik, das selbstgemachte, der gute Geschmack, dass alles liebevoll präsentiert wird.“ Es gibt durchweg nur positive Rückmeldungen. Das Geschäft blüht. Obwohl sie zwei Nachmittage in der Woche noch für eine Versicherung arbeitet, bewältigt sie alle Aufträge mit Schwung. „An manchen Wochenenden z.B. in der Konfirmationszeit beliefere ich 10 bis 12 Feiern.“

Ins Massengeschäft will sie aber keineswegs. „Bei mir entscheidet die Qualität. Ich mache alles mit Herzblut. Weil ich alles selbst mache, kann ich alles steuern. Mit Personal könnte ich meine Preise nicht halten.“ Und die sind sehr vernünftig – „viele Kunden sagen immer: Sie sind viel zu billig“.

Ihre Lebensmittel kauft sie im örtlichen Einzelhandel ein, Brot bei einer inhabergeführten Bäckerei, Fleisch und Wurst bei einer inhabergeführten Fleischerei. „Meine Bio-Eier bekomme ich direkt vom Bauernhof.“ 

Ihr Angebot ist gourmet- und spezialitätenorientiert und dennoch bodenständig. „Gerne koche ich mal österreichisch, mein Mann ist ja ein Steirer.“ Von ihren Reisen in die Steiermark bringt sie z.B. so genannte steirische Hauswürste mit, „die sind wieder ganz anders gewürzt als unsere Wurst.“ Ein Liebling der von Haus aus deftiger Kost zugeneigten Niedersachsen ist „Verhackert“, ein würziger Kärtner Brotaufstrich aus Speck und Schweinefleisch.
 

Foto: Fingerfood Augusta/Picture Deli Circus

 

En vogue sind veganes und vegetarisches Fingerfood. Veganer essen gerne z.B. eingelegte Gemüsespießchen und Blätterteiggemüsetörtchen.

Der persönliche Kontakt mit den Kunden sei das A und O, findet Ines Klampfl.“ Ich bemühe mich, auch individuelle Wünsche zu erfüllen.“ Sie richtet sich u.a. auch nach Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien. Neuerdings beobachtet sie verstärkte Nachfrage nach gluten- und laktosefreien Schmankerln. Mit Fachliteratur macht sie sich kundig. „Ich muss mich natürlich erst einlesen, aber die Mühe mache ich mir gerne.“ „Ich mache alles selber, alle Dipps, alle Frikadellen, Schnitzel, eben alles.“ Natürlich liefert ihr Fingerfood auch selbst aus und holt die Platten selbst wieder ab.

Seit kurzem arbeitet Ines Klampfl mit der Einbecker Senfmühle zusammen. Zum 40. Einbecker Eulenfest (10-12. Oktober 2014) stellt sie eine pikante Senfsuppe im Brotlaib vor. „Ich soll künftig für die Senfmühle verschiedene Gerichte vorstellen, das freut mich sehr!“

„Fingerfood Augusta“ ist eine Ein-Frau-Erfolgsgeschichte und beweist, dass die Gastro-Szene immer noch lohnende Nischen bietet. Man bzw. frau muss sie nur aufspüren und mit Leidenschaft füllen.
Doris Losch

Weitere Informationen:
www.fingerfood-augusta.de

Titelbild: Ines Klampfl ist mit ihrem Unternehmen „Fingerfood Augusta“ erfolgreich am Markt. Fotos: Fingerfood Augusta/Picture Deli Circus