Bettina Quäschning: „Ich bin fasziniert, wenn unsere Besucher begeistert von Sachsen-Anhalt erzählen“


Ihre berufliche Laufbahn führte sie nach dem Abitur mit anschließendem Studium zum Dipl.-Ing. Apparate- und Anlagenbau in Magdeburg schnurstracks dem Tourismusmarketing zu. Zunächst als Marketingleiterin der Buga Magdeburg (1995-1999) übernahm sie diese Funktion in der Landesmarketing Sachsen-Anhalt GmbH (2000-2002). Von 2002 bis 2003 war Bettina Quäschning Abteilungsleiterin im Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt. Von dort kehrte sie als Geschäftsführerin (2003 bis 2006) in die Landesmarketing Sachsen-Anhalt GmbH zurück. Seit 2007 trägt sie Verantwortung in der IMG, zunächst als Interimsgeschäftsführerin und ab 15. Mai 2007 als Prokuristin.

brikada befragte die Vielbeschäftige zu aktuellen Angeboten anlässlich des 20. Jubiläums der Straße der Romanik, das in diesem Jahr zu den kulturellen Höhepunkten in Sachsen-Anhalt zählt. Dabei verriet die 49-Jährige aber auch ihre Lieblingsorte ihrer Heimat.

Zudem wollten wir gerne wissen, welche Tourismusangebote Sachsen-Anhalt für spezielle Besuchergruppen wie kulturinteressierte Damengruppen, Familien mit Kindern, Alleinreisende oder ältere Menschen zu bieten hat.

Frau Quäschning, Sie sind mit der Tourismusvermarktung von Sachsen-Anhalt betraut. Was bedeutet das für Ihren Arbeitsalltag konkret?
Jeden Tag lerne ich neue Angebote des Landes kennen, entwickle Strategien für die Vermarktung und setze in Kooperationen Marketingmaßnahmen um.

Das Tourismusmarketing der IMG konzentriert sich auf starke Themen wie die Straße der Romanik, Gartenträume, Blaues Band, Himmelswege und LUTHER|BAUHAUS|GARTENREICH. Bitte erläutern Sie kurz das touristische Konzept der Straße der Romanik.
Potenzielle Gäste mit thematischen Angeboten für einen Urlaub in Sachsen-Anhalt zu motivieren, hat sich in den letzten Jahren zu einem Erfolgsrezept entwickelt. Zu den Zugpferden zählt zweifellos die Straße der Romanik. Seit 1993 lädt die landesweite Route zur Zeitreise ins Mittelalter ein. Rund 1000 Kilometer lang ist die Straße der Romanik. Sie verbindet 65 Orte in Sachsen-Anhalt und führt zu 80 romanischen Klöstern, Burgen, Dorfkirchen, Domen und Pfalzen. 2013 wird an der Straße der Romanik das 20. Jubiläum gefeiert – mit tollen Veranstaltungen, auf die sich unsere Besucher freuen können. Das touristische Vermarktungskonzept basiert darauf, Geschichten von Menschen zu erzählen, die an den „Romanik-Orten“ gelebt haben. Unsere Gäste sollen diese Geschichten nachempfinden können.

Wie machen Sie die Straße der Romanik für möglichst viele Altersgruppen attraktiv?
Die konsequente Orientierung an den Wünschen unserer Gäste zählt zu den Herausforderungen der täglichen Marketingarbeit. Ausgelotet werden diese zum Beispiel im Rahmen von systematischen Gästebefragungen. Für die wichtigsten Altersgruppen werden dann die Werbemaßnahmen bedarfsgerecht optimiert. So werden jüngere Gäste eher im Internet informiert und ältere Interessenten müssen bei ihrer Tourenplanung nicht auf die gewohnten Broschüren verzichten. Spezielle Offerten für aktive Radler gehören ebenso zum Portfolio der Veranstalter und Hoteliers wie Busreisen für Kunstinteressierte Senioren.

Sind Sie persönlich mehr am Schreibtisch oder direkt vor Ort an touristischen „Brennpunkten“ zu finden?
Beides hält sich etwa die Waage. Allerdings wäre ich gern öfter an den „Orten des Geschehens“. Erfolgreiches Marketing braucht unbedingt die Akteure vor Ort. Außerdem gewinnt die Qualität von Angebot und Service immer mehr an Bedeutung. Deshalb bin ich gern an den „Brennpunkten“, versetze mich in die Lage der Gäste und tausche mich mit den Kollegen aus. Dabei entstehen oft ganz neue Produktideen und nicht selten sind wir dafür die Ideengeber.

Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit, Ihren Aufgabengebieten?
Die Faszination liegt u.a. in der Vielfalt der Aufgaben sowie in der Herausforderung, Markt- und Zielgruppen stets im Blick zu behalten und auf neue Trends und Entwicklungen unmittelbar zu reagieren. Persönlich fasziniert bin ich, wenn unsere Strategie und die jahrelange Vorbereitung aufgehen und unsere Besucher begeistert von Sachsen-Anhalt erzählen.

Welches sind in Sachsen-Anhalt Ihre persönlichen Lieblingsorte?
Sachsen-Anhalt ist so reich gesegnet mit einzigartigen Orten, dass es mir schwerfällt, eine Auswahl zu treffen. Vielerorts gibt es bei mir auch nach mehr als 10 Jahren Tätigkeit im Tourismusmarketing ein Gänsehautgefühl. Das passiert u.a. am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra und in der Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale). Zu meinen Lieblingsstationen der Straße der Romanik zählen Osterwieck sowie die Dorfkirchen Wust und Böllberg.

Zum Schluss möchten wir unseren Leserinnen und Lesern eine kleine Auswahl attraktiver Reisevorschläge im Rahmen der Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt vorstellen. Für die Zielgruppen: kulturinteressierte Damenreisegruppen, Familien mit Kindern, Alleinreisende sowie ältere und behinderte Menschen. Bitte unterbreiten Sie einige Vorschläge mit besonderen touristischen Attraktionen.
Kulturinteressierte Damenreisegruppen könnten eine Domschatztour mit Station in Naumburg, Merseburg, Halberstadt und Quedlinburg unternehmen und unterwegs in Hotels Quartier beziehen, die mit ihren Wellnesseinrichtungen am Abend Gelegenheit für Entspannung bieten.

Familien mit Kindern empfehle ich die Saale-Unstrut-Region. Dort lässt sich das Erlebnis Straße der Romanik mit familienfreundlichen Freizeitangeboten, Wanderungen sowie Rad- und Kanutouren verbinden. Zudem können Familien in der Kinderkemenate der Neuenburg in Freyburg (Unstrut) das Mittelalter kindgerecht erleben.

Je nach Zeitbudget und Interesse können sich Alleinreisende individuelle Routen zusammenstellen. Wer Entschleunigung sucht, findet in den Klöstern Huysburg und Helfta sowie in Drübeck das passende Angebot. Für Gäste mit Einschränkungen in der Mobilität ist die Besichtigung der rund 1000 Jahre alten Bauwerke der Straße der Romanik mitunter mit Problemen verbunden. Hinweise dazu, welche der Reisestationen barrierefrei sind, bietet das aktuelle Faltblatt zur Straße der Romanik.
(Die Fragen stellte Brigitte Karch)

Weitere Informationen:
www.sachsen-anhalt-tourismus.de
www.naturfreude-erleben.de
(Die Links wurden am 21.02.2013 getestet.)

Bildtext: Bettina Quäschning: „Ich bin fasziniert, wenn unsere Besucher begeistert von Sachsen-Anhalt erzählen.“