Dr. Ulrike Kaiser: “Auf der Leuchtenburg zu arbeiten, ist wie ein 6er im Lotto!”


Diese Sonderausstellung (Eröffnung am 17. Mai 2012) bildet den Auftakt zu den „Porzellanwelten Leuchtenburg“ – das Zentrum für Thüringer Porzellan. Es handelt sich dabei um versunkene Porzellanschätze und sagenhafte Kostbarkeiten aus den Tiefen des Ozeans.

Die multimedial inszenierte „Wanli Expedition“ versteht sich als „Special“ zu den weiteren „Porzellanwelten der Leuchtenburg“. Ab Mai 2013 soll es soweit sein. Dann kann das Publikum aus dem In- und Ausland die gesamte Schau asiatischer und europäischer Porzellankulturen erleben, fühlen und bewundern.

Der Aufgabenbereich von Dr. Ulrike Kaiser erstreckt sich schwerpunktmäßig auf Management und Marketing. „Nebenbei“ setzt sie stark auf persönliche Weiterbildung. So legt sie wöchentlich einmal einen Archivtag ein, um über die Leuchtenburg zu recherchieren. Zum anderen hat sie mit einem Zweitstudium „Immobilienwirtschaft“ an der Universität Dresden begonnen. „Um so in den Fächern Jura, Betriebswirtschaft sowie Bauthemen fundiertes Wissen zu erwerben“, sagt die Museumsdirektorin.

Frau Dr. Kaiser ist in Jena geboren. Beide Eltern sind Physiker, ihr Ehemann ist Handwerker von Beruf. Als Mutter eines siebenjährigen Sohnes sowie einer zweieinhalbjährigen Tochter, das Nesthäkchen, ebenfalls ein Mädchen, ist gerade mal 4 Monate alt.

Fundiertes Fachwissen, sensibles Geschick im Umgang mit Menschen, ein stets wacher Geist, Zielstrebigkeit sowie ungebremste Wissbegierde zählt mit zu den Stärken von Frau Dr. Kaiser.

Dem 13-köpfigen Mitarbeiterteam auf der Leuchtenburg ist sie eine umsichtige, fürsorgliche Chefin. Es sind zumeist Frauen, die in Verwaltung, Ausstellungswesen, Marketing, in der museumspädagogischen Abteilung sowie im Kassenbereich beschäftigt sind. Die so genannten Burgmeister arbeiten vorwiegend im Außenbereich der Leuchtenburg.

Wie bewältigen Sie Ihren Alltag – zwischen Familie und Beruf?
Ich habe das Glück in einer Großfamilie zu leben. Oma und Opa helfen aus und zusätzlich betreut eine Tagesmutter hin und wieder die Kinder.

Welches sind wichtige Stationen Ihrer Berufsausbildung?
Ich ging in Jena zur Schule. Danach folgte ein Studium an der Friedrich-Schiller-Universität in den Fächern Neue Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Kunstgeschichte. Ich erhielt ein Stipendium an der Universität in Siena. Nach meiner Promotion – die Leuchtenburg war das Thema meiner Doktorarbeit – wurde ich im Oktober 2006 direkt als Museumsdirektorin angestellt.

Wie kam es dazu?
Schon während meines Studiums habe ich als Praktikantin Führungen – im Naumburger Dom und auf der Leuchtenburg – mit bis zu 100 Teilnehmern gemacht. Das hat mir sehr geholfen, mein Wissen zu vertiefen, aber auch die Scheu vor vielen Menschen sprechen zu müssen, abzulegen. In jener Zeit habe ich bereits zwei Ausstellungen auf der Leuchtenburg gestaltet. Von daher kannte man mich und meine Arbeit.

Was begeistert Sie an Ihrem Beruf?
Von meiner Arbeit bin ich total begeistert. Das Aufgabengebiet ist unglaublich abwechslungsreich. Ausstellungen, Archivarbeit, Marketing, Bauherrin und Personalführung. Die 400 Meter über der Saale gelegene Burganlage bietet einen herrlichen Panoramablick, das tut der Seele gut und macht gute Laune. Als die Leuchtenburg 2007 den Status einer Stiftung erhielt, war das für mich ein absoluter Glücksfall. Einen so herrlichen Arbeitsplatz, direkt vor der Haustür! Dass ich hier auf der Leuchtenburg arbeiten darf, ist wie ein 6er im Lotto – ich bin total dankbar dafür!

Gibt es auf der Leuchtenburg Themenbereiche, die für Frauen spannend sind?
Klischeehaft herrscht ja vielfach die Meinung vor, kriegerische Auseinandersetzungen und Burgfräulein seien nur etwas für Männer. Aber das stimmt so nicht. Vielmehr vermitteln wir hier auf der Leuchtenburg Genüsse und Wünsche. Wenn man auf dem Burgturm steht und das Naturpanorama erblickt, dann kann man die Seele baumeln lassen. Das ist gerade etwas für Frauen. Hier können sie sich vom Alltag, Kindern und Haushalt ausruhen, mal abschalten und für sich schöne Momente erleben.

Was „Wünsche“ anbelangt, so werden wir einen Skywalk, 20 Meter über dem Abgrund errichten. Von dort kann jeder, der mag, Porzellanscherben – von denen haben wir ja reichlich – in den Abgrund werfen, und sich etwas wünschen.

Wer mehr über die Geschichte der Leuchtenburg erfahren möchte, dem steht unsere historische Ausstellung zur Verfügung. Es gibt viele Zeugnisse von Frauenschicksalen in der Burggeschichte zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert.

Nochmals auf die „Wanli Expedition“ sprechen zu kommen. Wie spannen Sie den Bogen zwischen der Sonderausstellung mit den asiatischen Porzellanfunden und den Exponaten der „Porzellanwelten Leuchtenburg“?
Wenn ich zum Beispiel eine alte Schale in Händen halte, die vor rund 500 Jahren gesunken ist und heute noch völlig unversehrt aussieht, als sei sie frisch auf der Glasur gekommen, das fesselt mich. Unterwasserarchäologie ist ein sehr spannendes Thema und die „Wanli Expedition“ mit Exponaten der Mingzeit einzigartig.

Wir schlagen den Bogen zur Gegenwart, also in den weiteren „Porzellanwelten“ zu vielen Dingen, die man so nicht erwartet. Etwa zu den mystischen Ursprüngen des Weißen Goldes oder zu Porzellan in Kunst, Mode und Design. Auch erzählen wir die Geschichten, die hinter dem Porzellan stehen. Wir möchten, dass die Besucher „Porzellan erleben“. Wir wollen einen emotionalen Eindruck hinterlassen und nicht bei der Beschreibung der 10. Porzellantasse kleben bleiben (lacht).

Nach welchem Motto gestalten Sie Ihr Leben?
Es gibt einen Spruch, den mir meine Oma ins Poesiealbum schrieb, den ich heute noch oft zitiere:
Mit einem Lächeln musst du früh beginnen, mit einem Lächeln fang’ die Arbeit an, dann wird dir alles, was du tust, gelingen, und du hast deine helle Freude dran.

Was möchten Sie noch erreichen?
Mehr Zeiträume für mich selber und für meine Familie – glückliche Ruhemomente schaffen. Wir leben als Großfamilie auf einem Bauernhof. Die Familie hat ein herrliches Zuhause und ruhiges Umfeld. Thüringen ist schön, da muss ich nicht unbedingt irgendwo hin fliegen.

Und beruflich?
Ich habe das Ziel, dass die Burg baulich fertiggestellt und in allen Bereichen genutzt wird, auf eigenen Füßen stehen kann und schwarze Zahlen schreibt. Bis 2015, 2016 sollte es klappen.

Weitere Informationen:
www.leuchtenburg.de

(Der Link wurde am 05.04.2012 getestet.)

Bildtext: Dr. Ulrike Kaiser. Foto: Stiftung Leuchtenburg