Dr. Gabriele Weishäupl: “Es ist für mich schlichtweg nicht vorstellbar, nicht mehr Wiesn-Chefin zu sein”


Die 178. Wiesn war ihr letzter Auftritt als Wiesn-Chefin. Nun, wenige Tage danach: wie fühlen Sie sich, was empfinden Sie, wenn Sie zukünftig als Ehrengast auf „Ihrer“ Veranstaltung sein werden?
Offiziell bin ich ja noch bis zum 1. April 2012 Wiesn-Chefin. Aber, und das ist die Wahrheit: Es ist für mich schlichtweg nicht vorstellbar, dass ich nicht mehr Wiesn-Chefin sein werde.

Was hat sich seit Ihrem Antritt als Wiesn-Chefin im Jahr 1985 bis heute auf dem Oktoberfest verändert?
Enorm viel. Die Optik ist schöner geworden, die Trachten, die Architektur der Bierzelte. Die Küche hat sich verbessert. Anfangs gab es Hendl und Schweinsbraten und Würstl. Jetzt gibt es ein breites Angebot hervorragender Kulinarik. Die Getränkepalette ist durch alkoholfreie Getränke abwechslungsreicher geworden. Auf der Oidn Wiesn gibt es sogar Milch und Käse.

Was hat Sie in den vergangenen 25 Jahren am meisten beeindruckt?
Zum einen ist die Musik im Laufe der Jahre moderner geworden. So war in den 80er/90er Jahren Disco-Musik am Abend angesagt. Bei entsprechend reduzierter Dezibelzahl. Heutzutage wird traditionelle Musik gespielt. Auf der Oidn Wiesn ist nur Traditionsmusik zu hören. Hier kommen Brauchtum und Tracht wieder ins Spiel. Und in den Festzelten lautet die Auflage, bis 18 Uhr traditionelle Musik zu spielen.

Darüber hinaus hat sich die Wiesn hinsichtlich Optik, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Ökologie entscheidend gewandelt. Es fand eine große Entwicklung statt, eine ständige Verbesserung, die ohne Teamwork nicht denkbar wäre. Heutzutage haben wir eine perfekte Organisation, die über die Jahre gewachsen ist. Es ist ein großartiges Teamwork, eine Sicherheitspartnerschaft zwischen Beschickern, Behörden, Bayerischem Roten Kreuz und den Sicherheitskräften.

Welches waren heuer Ihre Favoriten auf der Oidn Wiesn und auf der Wiesn?
Persönlich sind mir auf der Oidn Wiesn die Tanzlokale in den Zelten sehr zu Herzen gegangen. So etwas Nettes! Dort war auch mein altes Pressewagerl aufgestellt, das hat mich regelrecht zu Tränen gerührt. Auf der Wiesn selbst liebe ich es, nachts im Riesenrad zu fahren und hinunter zuschauen auf die Wiesn, die wie unter eine Lichterglocke vor mir liegt. Dieser Anblick bei Nacht verursacht mir richtige Gänsehaut. Es geht mir gleichermaßen zu Herzen.

Der Trend zu Tracht war in diesem Jahr kaum zu übersehen. Das war früher nicht so. Woran liegt Ihrer Meinung nach dieser modische Umschwung?
Tracht zu tragen entspringt meiner Meinung nach dem Wunsch, am Fest teilzunehmen. Die Besucher wollen Teil ein großen Festes sein. Die Wiesn „eventisiert“ sich, sie wird zum Erlebnis für junge Leute. Zugleich bedeutet sie fürs ältere Publikum Tradition und Heimat, verbunden mit Erinnerungen an die Kindheit.

Zur Tracht im ursprünglichen Sinne gehört ja auch der Trachtenhut. Tragen Sie persönlich auch Hüte?
Aber ja (lacht), ich liebe Hüte! Heuer habe ich ein ganz kleines Hütchen, so wie sie jetzt „in“ sind, getragen. Übrigens, ich habe bereits zu Beginn meiner Tätigkeit als Wiesn-Chefin, im Jahr 1985, Hüte getragen. Ich erinnere mich an einen eleganten Hut mit Netz vor den Augen!

Bitte abschließend noch ein Statement über den engagierten Einsatz Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während der vergangenen 16 Wiesn-Tage.
(Bewegt) Auszeichnungen, die ich als Wiesn-Chefin erhalten habe, zuletzt im Rahmen meiner offiziellen Verabschiedung, habe ich meinem Team gewidmet. Ich habe große Hochachtung vor meinem Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ich erfuhr von ihnen Wärme und Stärke, so wie in einer glücklichen Familie. Dafür bin ich sehr dankbar!
Die Fragen stellte Brigitte Karch

Weitere Informationen:
www.muenchen-tourist.de

Bildunterschrift: Dr. Gabriele Weißhäupl mit Trachtenhütchen im Jahr 2010. Foto: TAM

(Der Link wurde am 11.10.2011 getestet.)