Gisela Schustek: “Mode ist mein Lebenselixier!”


Beruflich durchlief die in Kemnaten (Schwabenland) geborene Gisela Schustek verschiedene Stationen. So absolvierte sie eine dreijährige Lehre als Damenschneiderin bei den Jona Textilwerken, Kreis Schwäbisch-Gmünd. Es folgten die Ausbildung und der Einsatz als Qualitäts- und Inspektionskontrolle bei Triumph-International. Anschließend besuchte sie die Modeschule Müller und Sohn in München, wo sie ihre Designer- und Modekreativität vervollkommnete. Ebenso erweiterte sie bei einer amerikanischen Firma ihr Fachwissen über moderne Technologien (Software) für computergesteuerte Gradiersysteme zur Erstellung von Kleidungsschnitten. Krankheitsbedingt unterbrach die heute 55-Jährige ihre berufliche Laufbahn, heiratete und widmete sich lange Jahre der Erziehung ihrer beiden Söhne. Es folgten mehrere Jahre Tätigkeit in einem Herren- später auch Damenmodegeschäft. 2000 absolvierte Frau Schustek einen Schnittkurs für Erstschnitte und arbeitete von 2002 bis zum Frühjahr 2005 in der apriori-Filiale im Münchner Pep, wo es ihr ausgezeichnet gelang, ein anspruchsvolles Kundenklientel optimal zu beraten. Heutzutage ist sie in gleicher Position in einem Damenmodegeschäft in Planegg bei München tätig. Dabei kommen ihre berufliche Erfahrung und sensible Menschenkenntnis in besonderem Maße zum Tragen.

Was brachte Sie dazu, sich bereits in frühen Jahren mit Mode zu beschäftigen?
Ausschlaggebend war eigentliche meine Tante, die sehr viel und sehr schöne Kleider nähte. Das habe ich mir wohl abgesehen und trug als junge Frau – wie ein Paradiesvogel – farbenfrohe Kleidung, die ich selber entworfen und genäht hatte. Dabei folgte ich ganz meinem Herzen und meiner Intuition. Der Umgang mit schönen Materialien und qualitativ hochwertigen Stoffen, meine Freude an gekonntem Styling und stimmigen Farbzusammenstellungen ” all das bietet mir bis auf den heutigen Tag sehr viel Freude. Ja, ich lebe mit der Mode, ich liebe sie von Herzen und es bereitet mir besonderen Spaß, aus jeder Frau modisch gewissermaßen das Letzte herauszuholen.

Sie konnten Ihren Beruf lange Jahre nicht ausüben, wie gelang Ihnen dann doch der Anschluss an die Modebranche?
Die Mode hat mich ganz einfach nie losgelassen. Ich habe sehr viel zu Hause genäht, und die Kreativität und das Aufspüren des passenden Stylings gaben und geben mir immer wieder Kraft und Energien. Ja, ich kann einfach nicht von der Mode loslassen. Wenn ich so meine “Winterdepressionen” bekomme, dann brauche ich mich nur mit schönen Stoffen zu beschäftigen und schon flutscht alles wieder. Nachdem meine Söhne erwachsen waren, arbeitete ich zunächst als Aushilfe bei einem Herrenmodegeschäft. Später war ich dann bei einem Damenmodegeschäft fast 10 Jahre als Modeberaterin tätig. Damals bot sich mir die Chance, in Bayern, Österreich und in der Schweiz als Promotiondame bzw. als Mannequin während zwei Saisonen Damenmode für die ältere Generation im Einzelhandel vorzustellen.

Inzwischen hat sich ja die wirtschaftliche Lage ” besonders auch im modischen Textilfachhandel ” sehr gewandelt. “Nur” verkaufen, geht nicht mehr?
Ja, das ist richtig! Rückblickend muss ich sagen, dass das Verkaufen von einst verhältnismäßig leichter von statten ging. Heutzutage muss man näher an die Kunden, ihnen Events bieten, um sie auf die neuesten Kollektionen aufmerksam zu machen.

Das klingt fast so, als müsse man heute im Verkauf mehr “Showbusiness” veranstalten?
Mode verkaufen bedeutet, sie müssen ihren Kunden stets mit freundlich-aufgeschlossener Miene entgegenkommen. Man darf nie nörgeln, sondern muss seine privaten Sorgen, Kümmernisse und Wünsche zu Hause lassen und den Kundinnen die Sicherheit bieten, völlig ausgeglichen und fachlich bestens informiert zu sein, um sich voll und ganz auf die individuellen Kundenbedürfnisse einzustellen. Gerade diese Herausforderung bereitet mir großen Spaß; denn das intuitive Erfassen der Kundin, das Erforschen ihrer Wünsche, um diese in Einklang zu bringen mit der Mode ” all das gehört heutzutage unbedingt zur Kundenbindung; vor allem die ältere Generation will das Gefühl haben, man geht auf sie ein und versteht etwas von tragbarer Mode!

Wie reagieren die Kunden auf soviel Einfühlsamkeit?
Die Kundinnen sind sehr dankbar und sind bereit, eine gute, fachliche Beratung auch entsprechend zu honorieren. Oftmals fehlt ihnen der entsprechende Geschmack oder auch der Mut, mal etwas anderes auszuprobieren. Wenn ich ihnen dann im Styling, Material und Farben Sets oder Kombinationen zeige, die ihrem Typ gerecht werden, dann fassen sie Vertrauen, fühlen sich in ihrer neuen Kleidung wohl und kommen immer wieder. Das gibt mir selber großes Selbstvertrauen in meine eigene Arbeit und meinem Auftritt den Kundinnen gegenüber.

Haben Sie eigentlich mal mit dem Gedanken gespielt, sich beruflich selbständig zu machen?
Angesichts der derzeitigen Wirtschaftslage, erscheint es mir ziemlich schwierig zu sein und ich ziehe das feste Angestelltendasein vor. Aber ich will es mal so formulieren: im Moment habe ich keine Ambitionen zum Selbständigmachen. Derzeit ist es für mich wichtig, vielfältig einsetzbar zu sein, rasch auf neue Anforderungen zu reagieren und ” was mir schon immer vorschwebte ” im Einkauf tätig zu sein, um dort aktiv meinen Geschmack und meine Vorstellungen zur Erfüllung von Kundenwünschen einzubringen!

Noch abschließend eine Frage: Wie denken Sie über das Altern?
Ich glaube, ich habe durch das Älterwerden viel an Erfahrungen gewonnen. Ich lebe heutzutage lieber und bewusster als in jungen Jahren, da plätscherte das Leben manchmal so vor sich hin. Auch bin ich im Laufe der Zeit selbstbewusster geworden und sage nicht mehr so unkritisch “ja” zu allen möglichen Dingen. Mein jetziges Alter stört mich nicht in meinem Beruf, vielmehr merke ich, dass ich mit meiner persönlichen Ausstrahlung viel erreichen kann.

Das Interview führte Brigitte Karch©