Monika Hauer: “Mein Hotel ist mein Wohnzimmer!”


Die in Maxhütte-Haidhof geborene Monika Hauer (Jahrgang 1950) kommt aus einer Unternehmerfamilie. Sie absolviert ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau im Bundeshaus Bonn, besucht die Hotelfachschule Speiser, Tegernsee, und ist anschließend im Steigenberger Parkhotel, Düsseldorf, tätig. Danach geht sie nach Frankreich zu einer Sprachenschule, arbeitet im Hotel Intercontinental, Paris, fungiert als Reiseleiterin Sousse, Tunesien, und nimmt im Avia Hotel in Regensburg erneut die Arbeit in der Hotellerie auf. Danach arbeitet sie als Assistentin der Geschäftsleitung im Modehaus Laborn in Neutraubling. 1978 heiratet sie den Koch und Gastronomen Josef Hauer, seither betreiben sie gemeinsam den Familienbetrieb Die Wutzschleife in Rötz-Hillstedt.
Nach dem plötzlichen Tode ihres Mannes im Jahr 1997 trägt Monika Hauer für Strategie und Konzeption vom Hotel Wutzschleife die alleinige Verantwortung. Ab 2005 findet sie Unterstützung durch ihre beiden Söhne Jörg (30) und Gregor (26). Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Generationswechsel.

Die erfolgreiche Unternehmerin wird 1999 zum Hotelier des Jahres gewählt und erhält 2006 die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft. Ab 2005 ist das Hotel&Resort Die Wutzschleife unter der Hotelmarke Radisson SAS Hotel tätig, eine Verbindung, die zum Ende 2008 im gegenseitigen Einvernehmen gelöst wurde.

Das Hotel&Resort Die Wutzschleife entstand aus der Glasschleiferei des Alois Wutz und ist im wunderschönen Oberbayerischen Wald gelegen. Das top-moderne 150-Betten-Haus ist in eine sanfte Hügelrundung eingebettet. Überwältigend wirkt auf den Besucher die über mehrere Stockwerke hinauf reichende mit einem riesigen Glasdach überbrückte Hotelhalle, gehalten im Stil eines botanischen Gartens, üppig ausgestattet mit Pflanzen, Sträuchern und Bäumen. Kleine, lauschige Sitzecken wechseln mit großzügigen Freiflächen, Treppen und Stegen. Immer wieder finden sich versteckte Ruhepunkte mit Liegen zum Ausspannen, Lesen oder – wie von der mediterranen Terrasse aus – mit faszinierenden Blick auf Wald und Golfplatzanlage. Vom Lichthof führen verschiedene Etagen zu den Zimmern und Appartments sowie zu den Speiseräumen, Wellness- und Ayurveda-Anwendungsbereichen.

Individualität und so genannte KOMM-Gründe sind für Familie Hauer seit Jahren der Schlüssel zum Erfolg. Dabei gelingt es überzeugend, die Erinnerung an den Ursprung einer Glasschleiferei wachzuhalten; denn kunstvoll geschliffene Gläser, Vasen, farbige Glaswände und Kristalllüster setzen liebenswerte Akzente. Hier finden Individualreisende, Familien, Golfer, Wellness- und Ayurveda-Begeisterte sowie Gourmets alles, was das Herz begehrt.

Sie führten seit 1979 zusammen mit Ihrem Mann, Josef Hauer, das Hotel Wutzschleife. Konnten Sie nach dem plötzlichen Tod Ihres Mannes im Jahr 1997 das bislang verfolgte Konzept nahtlos fortsetzen oder mussten Sie neue Schwerpunkte setzen?
Es war anfangs für mich eine sehr schwierige Zeit. Mein Mann war von Beruf Koch, sein hauptsächlichstes Arbeitsfeld die Küche. Vor allem aber war er ein Visionär mit vielen Ideen, und er erkannte bereits frühzeitig neue Trends. Ich selber sorgte in jener Zeit für den Ablauf innerhalb und außerhalb des Hotels, also wie man im Fachjargon sagt, ich war für das operative Geschäft zuständig. 1997 standen wir vor der Eröffnung einer 18-Loch-Golfanlage, plötzlich war ich allein und musste das Ganze zum Laufen bringen. Das Hotel vergrößerte sich von 59 Betten auf heute 60 Zimmer mit 150 Betten – auch das bedeutete für mich eine riesige Herausforderung.

Vor allem auch psychisch; denn ich war von heute auf morgen auf mich alleine gestellt und musste die Verantwortung für das Hotel und dessen Mitarbeiter übernehmen. Wissen Sie, es gibt einen oberpfälzischen Spruch den "Druid haben", das ist ein Fabelwesen, dass sich nachts auf die Brust legt und zu Beklemmungen führt. Den "Druid" hatte ich seinerzeit sehr, sehr oft verspürt … mittlerweile habe ich mich weitgehend an das Verantwortungtragen gewöhnt.

Hatten Sie Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren?
Nein, denn meine Mutter war schon immer mit im Hause tätig und kümmerte sich auch um meine beiden Söhne. Später beschäftigten wir ein Kindermädchen, das aber auch andere Aufgaben zu erledigen hatte.

Wann wurde die Wutzschleife im Oberpfälzer Raum zu d e m Golf- und Wellnesss-Hotel heutiger Prägung?
Nun, mit unserem Konzept Feel Free Golf wollen wir Golf populärer und für mehr Menschen interessant machen. Wir möchten, dass sich unsere Gäste vom Golfsport faszinieren lassen und zugleich die Bewegung in der Natur lieben lernen. Hierzu bieten wir individuell abgestimmte Golf-Pakete an. 2003 kam der Free Feel Wellnessbereich hinzu, ein Konzept, dass sich wie ein roter Faden durch das ganze Haus zieht. Dieser erstreckt sich auch auf Heat & Ice Gesundheitsschleife, ein ganzheitliches Wellnesskonzept mit wechselwarmen Badeverfahren. Darüber hinaus qualifizieren wir uns durch ein authentisches Ayurveda mit Spezialisten aus Sri Lanka auf einer eigenen Etage. Diese fernöstliche Lebenseinstellung findet der Gast nicht nur bei den Anwendungen, gleichwohl bieten wir eine authentische ayurvedische Küche.

Beherbergen Sie VIPs – haben die auch ausgefallene Wünsche?
Alle Gäste sind für mich "very important persons". Wir haben mit den meisten unserer Gäste fast freundschaftlichen Umgang. Wir kennen ihre Vorlieben und ihre persönlichen kleinen Befindlichkeiten, das reicht bis hin zu unserem "Kissen-Menü", einer gut sortierten Kissenauswahl.

Ihre Gäste wohnen in Ihrem Hotel – wo wohnen Sie?
Ich auch! (Monika Hauer lacht schallend). Mein Hotel ist mein Wohnzimmer, hier fühle ich mich ausgesprochen wohl.

Haben es Frauen in der Hotellerie/Gastronomie schwerer als in anderen Berufen?
Im Gegenteil! Eine Frau kann das weitaus besser, nämlich die Gastgeberrolle ausfüllen und die Mitarbeiterführung übernehmen.

Welches sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?
Meine Stärken sehe ich in meine Humor, ich lache sehr gerne. Zugleich bin ich eine Kämpfernatur, gelassen, wirke ausgleichend und verbindlich. Ich kann schnell verzeihen, ebenso haftet mir eine Art Mutter-Teresa-Haltung an, das heißt ich bin gerne fürsorglich und hilfsbereit.

Meine Schwächen sehe in in der Entscheidungsfindung. Zwar höre ich mir Meinungen anderer Menschen an, wende die Argumente, überlege und denke nach, um dann gewissermaßen in Einsamkeit und Plötzlichkeit eine definitive Entscheidung zu treffen. Für Außenstehende, die diesen
gedanklichen Prozess nicht mitgemacht haben, kommen daher viele Dinge völlig überraschend und unvorbereitet. Da arbeite ich noch dran, dass das besser wird.

Welche Perspektiven sehen Sie für sich im Alter bzw. wie wollen Sie ihr Alter gestalten?
Vielleicht kommen mir noch einige Ideen. Nach meiner Reise im vergangenen Jahr ins Himalaja-Gebiet, würde ich mir nun etwas mehr Freizeit zum Reisen wünschen. Das fiele mir auch schon deshalb leicht, weil ich zu meinen Söhnen und den Mitarbeitern totales Vertrauen habe.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Nein, aber ich bin ein Mensch, der vollkommen positiv denkt, auch wenn man sich in Krisenzeiten wie zur Zeit befindet. Man muss ständig viel lernen und sich persönlich weiterentwickeln. Natürlich soll man die Dinge kritisch betrachten und sich selbst infrage stellen.

Die Fragen stellte Brigitte Karch

Weitere Informationen:
www.wutzschleife.de
www.dagusta.de

(Die Links wurden am 07.04.2009 getestet.)