Sabine Gunzner: “Ich wünsche mir mehr Zeit für meinen Mann und meine Kinder”


Sabine Gunzner, Tochter einer Drogistin und eines Wachsziehers, wird 1966 in Neuburg an der Donau geboren. Sie wechselt nach Abschluss der Maria Ward Mädchenrealschule in Neuburg a.d. Donau" zur Steigenberger Hotelfachschule in Bad Reichenhall (1983 bis 1984) und absolviert das "Einjährige". Von 1984 bis 1987 schließt sich die Ausbildung zur Hotelfachfrau im Hotel Residenz Bavaria, Bad Reichenhall, an. Danach ist sie bis 1993 als Bankettsekretärin Käferschenke bei Feinkost Käfer in München tätig. Nach der Ausbildereignungsprüfung heiratet sie den Küchenmeister Johann Gunzner. Seit 1994 bestimmt die Hoteliersfrau die Geschicke des Hotel und Restaurants Kirchbaur-Hof in Neuburg-Bittenbrunn mit. Das Ehepaar hat eine Tochter und einen Sohn.

Sabine Gunzner ist seit 1994 Mitglied im Prüfungsausschuss der IHK München/Oberbayern und Schriftführerin im Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband e.V. (BHG) Kreisstelle Neuburg-Schrobenhausen. 2003 Mitgründerin der Initiative "Förderung der Serviceberufe Ingolstadt" und Mitglied im Prüfungsausschuß der Hotelklassifizierung des BHG. Seit 2005 fungiert sie als 1. Vorsitzende des Verbandes der Serviermeister, Restaurant- und Hotelfachkräfte e.V. Sektion Region Ingolstadt und ist stellvertretende Landesvorsitzende des VSR Landesverbandes Bayerns.

Wie sieht es in der Branche für die Frau – als Unternehmerin und Arbeitnehmerin – mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?
Schwierig – man möchte beides hundertprozentig machen, wobei auch hier wieder zu unterscheiden ist: ein "kleines" Unternehmen verfügt über wenig Personal – früher waren es die Eltern, Tanten und Verwandten, die alle zusammengeholfen haben, also ein richtiges Familien-Unternehmen. Diese Struktur findet man heutzutage immer weniger, denn bei den meisten Betrieben handelt es sich um gepachtete.
Die "großen" Unternehmen hingegen sind personell gut aufgestellt. Da kommt es seltener vor, dass die Früh- und Spätschicht von einer Person übernommen werden muß.
Um für die Familie richtig da zu sein, bedarf es aber auch noch einer räumlichen Trennung von Privatleben und unternehmerischer Arbeit.

Ist die bayerischen Gastronomie eine Männerdomäne oder besteht dort (ziemliche) Gleichberechtigung in den Chefetagen bzw. in der Führungsebene?
Ich denke, dass in mittelständischen Unternehmen, speziell in Familienunternehmen doch eher die Frauen das Regiment führen – in Chefetagen großer Hotelketten herrschen eindeutig die Männer.

Bieten Sie in Ihrem Haus besondere Angebote für weibliche Gäste – so etwa leichte Küche oder persönliche Betreuung?
Bei Bedarf ja, jedoch ist der Anteil an männlichen Geschäftsreisenden bei uns im Hause deutlich höher. Es kommt oft vor, dass sich nur Männerrunden im Restaurant befinden. Sofern leichte Gerichte nicht auf der Karte stehen, bieten wir sie aber den Damen mündlich an und gehen entsprechend auf die Wünsche ein. Diese individuelle Betreuung wird in unserem Hause sehr groß geschrieben – vor allem das persönliche Gespräch!

Was tun Sie für Ihre eigene Weiterbildung?
Sich mit Kollegen austauschen, wenn es zeitlich möglich ist, viele Kurzreisen unternehmen, Fachjournale studieren, Seminare besuchen.

Haben Sie Zeit für Freizeit?
Jain, ich muss sie mir stehlen….

Was raten Sie jungen Frauen, die vor der Berufswahl stehen?
Durch Praktika prüfen, ob der Beruf wirklich das Richtige ist, ob man sich wohl fühlt, Unklarheiten erfragen, viele sind sich gar nicht bewusst, dass während einer Ausbildung Ehrgeiz und Engagement erwartet werden. Junge Frauen sollten sich vor allem auch die Pflichten eines Berufes erklären lassen.

Gibt es Aufgaben, die Sie nicht so gerne machen?
Ja, wenn ich den Zeitpunkt der Ausübung nicht selbst bestimmen kann und wenn ein gewisser Termindruck von außen auferlegt wird. Was ich absolut nicht mag, das sind Statistiken!

Was essen und trinken Sie am liebsten?
Fisch und Meerestiere – dazu einen spritziger Wein.

Welche beruflichen und persönlichen Zielen streben Sie an?
Beruflich – unseren neuen Gewölbestadl gut zu vermarkten. Persönlich – mehr Zeit für meinen Mann sowie die Kinder zu haben.

Wollten Sie schon mal den Beruf wechseln?
Nein – allerdings wollte ich immer in der großen weiten Welt unterwegs sein, heute ist die "Welt" bei mir zu Gast, ich genieße es, internationales Gästeklientel zu begrüßen.

Nach welcher Philosophie gestalten Sie Ihr Leben?
Gutes aus der Heimat erhalten und Nachahmenswertes aus der Fremde holen.

Haben Sie ein Lebensmotto – wie lautet es?
Leben und Leben lassen.

Schlussfrage: Welche Perspektiven sehen Sie für sich im Alter? Bzw. wie wollen Sie ihr Alter gestalten?
Ich hätte bestimmt gute Perspektiven, mich auch im Alter beispielsweise in Arbeitskreisen oder Gremien einzubringen. Doch ich stelle mir die Frage, ob ich das überhaupt will. Momentan möchte ich einfach nur Zeit haben zum Leben!

Die Fragen stellte Brigitte Karch

Weitere Informationen:
www.hotel-kirchbaur.de
www.dagusta.de

(Die Links wurden am 02.04.2009 getestet.)