Ulrike Völkl-Fischer: “Die Form ist die Kunst”


Im Fokus ihrer künstlerischen Aussage steht die Frau an sich, die sie in ihrem buchstäblichen Da-Sein einfängt und der sie zu einem eigenständigen Auftritt verhilft.

Im 1954 in Aschaffenburg geboren, studierte Ulrike Völkl-Fischer Kunsterziehung und Kunstgeschichte an der Universität München. Danach war sie als Kunsterzieherin tätig, bis sie sich 1987 in Gilching bei München mit einer eigenen Werkstatt und Atelier selbständig machte. Sie ist Mitglied im Bayerischen Kunstgewerbeverein und im Bundesverband Kunsthandwerk.

Neben ihren Plastiken zeigt sie mit ihren Bildern einen zweiten Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens: Nicht minder originell, ebenso emotional angelegt wie ihre Steingussfiguren und mit gleicher Sensibilität für strahlende Farbigkeit, die nie aufdringlich wirkt.

Ulrike Völkl-Fischer, deren Steingussplastiken und Bilder aus einem inneren, kreativ gesteuerten Prozess heraus entstehen, stellt erfolgreich in Eigenausstellungen, Galerien, Kunstausstellungen sowie Messen im In- und Ausland aus.

Im Gespräch mit brikada berichtet sie über ihr künstlerisches Schaffen und beantwortet etwa auch die Frage, wie es mit der so genannten "Freiheit einer Künstlerin" bestellt ist.

Seit wann malen Sie?
Meine Eltern waren beide Germanisten. Mein Vater malte und bildhauerte in seiner Freizeit und viele Künstler verkehrten bei uns zu Hause. Das mag für mich vielleicht prägend gewesen sein. Aber eigentlich habe ich mich von Kindheit an mit Basteln, Werken und Malen beschäftigt. Ich musste immer etwas mit den Händen machen, ich nähte und strikte Puppenkleider, entwarf später auch Mode für mich und meine Freundinnen. Fast hätte ich sogar Mode studiert.

Wie würden Sie Ihren Malstil beschreiben?
In erster Linie kommt es mir nicht so sehr auf den Inhalt meiner Bilder an. Auch ist es mir nicht unbedingt wichtig, ob ich die Sujets gegenständlich oder abstrakt darstelle. Vielmehr steht bei mir die Farbe im Vordergrund. Während ich in früheren Jahren eher düstere Farben bevorzugte, wähle ich heutzutage am liebsten sonnige Kolorits. Im Wesentlichen male ich mit selbst hergestellten Farben aus Pigmenten und Acrylbinder, aber auch mit Stiften und Kreide. Als Malgrund verwende ich Holztafeln, auf die ich Gipsgrund, Sand, Kartonstücke oder Papier selbst auftrage, bevor ich mit dem eigentlichen Malen beginne.

Nach welchen Überlegungen entstehen Ihre Steingussfiguren?
Bei den Entwürfen meiner Steingussfiguren spielt die Form die bedeutendste Rolle; denn die Form der Figuren muss stimmen. Daher lautet mein Grundsatz: "Die Form ist die Kunst". Erst danach, in einem zweiten Schritt, lege ich die Farbe fest.
Für mich ist Malen oder das Fertigen von Plastiken ein kreativer Akt, dabei gehe ich eher emotional gesteuert als mit verstandsmäßigem Kalkül an die Realisation heran. Das heißt, meine Bilder kann ich im Laufe der kreativen
Entstehungsphase immer wieder ändern. Anders hingegen bei dem handwerklich sehr aufwändigen Erstellen der Plastiken; für die Prototypen sind genaue Vorüberlegungen und mehrere Skizzen notwendig, bevor ich ein Modell anfertige. Von diesem Modell wird eine Negativform hergestellt und danach jede einzelne Figur gegossen, geschliffen, geraspelt und in einem mehrschichtigen Verfahren von mir bemalt. Das ist oftmals ein sehr schwieriger Prozess; denn gravierende Änderungen sind nach dem Steinguss dann nicht mehr möglich. Bei meinen Plastiken handelt es sich zumeist um Einzel- oder Gruppenfiguren, aber auch um Pflanzen oder Tiere mit menschlichen Zügen. Die Steingussfiguren stelle ich in einer limitierten und nummerierten Auflage zwischen 50 bis 200 Exemplaren her.

Wer oder was inspiriert Sie?
Alles optisch Interessante, seien es abgeschlagene Pflastersteine, Mauern mit Putz, Erde, Natur, Plakatfetzen oder Graffiti. Viele Anregungen holte ich mir beispielsweise auf meinen Reisen nach Mexiko, Kreta, Ägypten oder den Kykladen.

Welches sind Ihre künstlerischen Vorbilder?
Da wäre zunächst Picasso zu nennen, aber auch Matisse, Max Ernst, Max Beckmann, die mich immer wieder inspirieren. Aber ebenso Willem De Kooning, Dubuffet, Pollok oder Giacometti. Wie alle diese Künstler bin auch ich fasziniert von Kunstwerken der Urzeit und Naturvölker.

Welche Ausstellungen haben Sie derzeit schon für das Jahr 2006 geplant?
Ich werde auf der IHM Internationalen Handwerksmesse vom 16. bis 22. März 2006 in München ausstellen. Hinzu kommen Ausstellungen im "Das Schauhaus" vom 10. Februar bis 2. März (Marktplatz 5, 90762 Fürth) sowie im "Hollerhaus" vom 25. März bis 9. April (Neufahrner Weg 3, 82057 Irschenhausen). Ende November, Anfang Dezember (Daten stehen noch nicht fest) werde ich wie jedes Jahr mein Haus und mein Atelier in Gilching öffnen, um meine gesamte Jahresproduktion zu zeigen.

Man hat ja als Laie manchmal die Vorstellung, eine "freie Künstlerin" hat es gut: sie kann arbeiten wann sie will und gibt sich ganz ihrer kreativer Eingebung hin….
Dieses Bild möchte ich schon etwas korrigieren: ich gehe täglich gegen 8.00 Uhr in mein Atelier und arbeite dort mit
wenigen Pausen bis abends durch. Ich habe eine 70-Stunden-Woche! Meine "Freiheit" besteht darin, zu entscheiden wann und ob ich male oder Steingussfiguren konzipiere. Wenn ich also Null-Bock aufs Malen habe, wende ich mich dem Figuren-Herstellen zu oder umgekehrt. Wichtig ist bei meiner Arbeit auch, die Verkaufsbarkeit der Bilder und Steingussfiguren im Auge zu behalten. Grundsätzlich gibt es ja zwei Arten von Künstlerinnen: die eine Gruppe ist auf Grund von Erbe, Heirat oder Nebenjobs finanziell unabhängig. Die andere Gruppe, zu der ich leider gehöre (lacht), muss vom Verkaufserlös der eigenen Werke leben. Aber bei mir ist es so, ich bin voll ungebremster Lust, etwas zu schaffen und zugleich davon leben zu wollen. Dazu gehören sehr viel Fleiß, Sitzfleisch und Selbstdiszplin – aber es klappt!

Das Gespräch führte Brigitte Karch