Dr. Gabriele Weishäupl: “Ich habe große Hochachtung vor der Leistung meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern!”


Wiesn-Auftakt. Rundgang mit Medienvertretern aus München, Deutschland, aus aller Welt. Ansprache, Vorstellung traditioneller und neuesten Oktoberfest-Gaudi-Unternehmen und immer dabei lächeln und gut gelaunt sein – auch bei September-untypischen kühlen Temperaturen. Nach zwei Stunden Wiesnspaziergang mit inzwischen klammen Händen, mitten im Fragenhagel wissbegieriger Journalisten, Kameramänner und Fotografen ist kurze mittägliche Verschnaufpause angesagt. Danach zur Pressestelle, schauen, was unbedingt noch rasch zu erledigen ist. Bevor es dann zu zwei weiteren wichtigen Terminen am Spätnachmittag und Abend geht, noch ein Interview dazwischen geschoben!

Ein ganz normaler Arbeitstag für die Oktoberfest-Leiterin Dr. Gabriele Weishäupl, kurz bevor das jährlich größte Volksfest der Welt die bayerische Landeshauptstadt München und das Umland gewissermaßen in andere Sphären versetzt und zum Schmelztiegel von Tradition, Nostalgie, Wiedererwachen verloren geglaubter Kindheitsträume und kalkulierter Bier-Haxn-Hendl-Wein- und Kaffee-Szenerie gerät.

Dann, auf einmal herrscht Ruhe, im unkonventionell eingerichteten Wiesn-Büro der Festleiterin. Fernab vom quirligen Getriebe gibt sich Frau Weishäupl gelassen-entspannt, einen Blick in den Spiegel und das Gespräch kann losgehen.

Eigentlich wollte Dr. Gabriele Weishäupl, Tourismusdirektorin der Landeshauptstadt München, Leiterin des Münchner Oktoberfestes und Vizepräsidentin des Deutschen Tourismusverbandes (DTV), eine akademische Laufbahn einschlagen. Doch es kam anders. Dass sie sich mit Passion der für Bayern so bedeutsamen, machtvollen Wirtschaftsbranche Tourismus verschrieben hat, mag eher als Zufall erscheinen, denn als fest geplant. Doch bei genauerem Hinsehen, lässt sich der Karriereverlauf von Dr. Gabriele Weishäupl als gradlinig und zielgerichtet interpretieren.

In Passau geboren und in Aicha vorm Wald/Niederbayern aufgewachsen, legte sie 1966 das Abitur bei den Englischen Fräulein Kloster Niedernburg, Passau, ab. Es schloss sich das Studium der Kommunikationswissenschaft (Zeitungswissenschaft), der Bayerischen Geschichte und der Politischen Wissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) an. Zwei Jahre lang war sie als Lokalreporterin in München unterwegs, danach wechselte sie zur Münchner Messe- und Ausstellungsgesellschaft (MMG) und verantwortete dort zuletzt als Leiterin die Stabsabteilung Öffentlichkeitsarbeit. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit schloss sie das Studium mit dem Magister Artium (M.A.) ab und promovierte anschließend zum Dr. phil. mit dem Thema "Die Messe als Kommunikationsmedium – Öffentlichkeitsarbeit und Werbung einer Messegesellschaft". Von 1981 bis 1985 war sie als Lehrbeauftragte an der LMU im Fach Kommunikationswissenschaft tätig. Seit 1. März 1985 fungiert Frau Weishäupl als Tourismusdirektorin der Landeshauptstadt München und nimmt damit als erste Frau diese Position in der Geschichte des Tourismusamts ein.

Frau Weishäupl ist in zahlreichen Tourismusverbänden und -institutionen, vielfach in leitender Funktion, tätig. Sie wurde mit dem Bayerischen Verdienstorden, dem Bundesverdienstkreuz am Bande der Goldenen Ehrennadel der Technischen Universität München sowie mit der Goldenen Ehrenmünze des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes geehrt.

Im Gespräch mit brikada blitzte auch die mehr ins Private, ohne "offizielle" Attitüde, Seite von Frau Weishäupl auf. Hinter ihrem "Berufslächeln" verbirgt sich eine nachdenklich gestimmte Frau, die so manch schwere Zeiten hat in ihrem Leben bewältigen müssen. Mit ihrem ausgesprochen herzlich wirkenden Führungsstil gelingt es ihr, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nachhaltig für beruflich Notwendiges zu motivieren. Ihre Durchsetzungsfähigkeit ist bemerkenswert, sie achtet dabei jedoch auf gegenseitige Fairness und zeigt eben dort Klugheit, wo Unabänderliches nicht zu ändern ist.

Auch ist Frau Weishäupl keineswegs die Chefin, die von anderen Leistung verlangt, ohne sich selbst in die Pflicht zu nehmen. Vielmehr legt sie mit ihrem persönlichen "Hundert-Prozent-Einsatz" eine sehr hohe Messlatte an sich selbst an. Aufgrund ihrer offenen und liebenswürdigen Art mit Menschen umgehen zu können, gelingt es ihr – freilich nicht ganz ohne Kalkül – Motivationen zu wecken, um so gemeinsam mit dem ihr anvertrauten Mitarbeiter-Team die selbst gesteckten und die von außen an sie herangetragenen Ziele zu erreichen.

Die Grundlagen ihrer humanistischen Grundeinstellung legte ihr Vater, ein bescheidener Landarzt in Niederbayern. "Ich habe ihm viel zu verdanken, die Liebe zur Tradition und Geschichte, die Achtung vor der Natur und die Freude an Sprachen, vor allem an der Sprache Latein, der Basis unserer Kultur," erinnert sich Frau Weishäupl dankbar an ihr Elternhaus.

Welches war die größte Herausforderung in Ihrem Leben?
Das war die Geburt meines Sohnes Emanuel. Damals war ich mit 42 Jahren nicht mehr jung und vor allem: allein erziehend.

Wie gelang Ihnen in der "aktiven Erziehungsphase" die Verbindung von Beruf und Familie?
Ich war auf mich allein gestellt, niemand stand mir zur Seite. Ich musste die Abläufe von Kindererziehung und Beruf diszipliniert organisieren, was mich sehr viel Kraft und Energie kostete. Allerdings hatte ich eine gute Kinderfrau gehabt, denn völlig alleine hätte ich es wohl nicht packen können. Mein Sohn ist jetzt 18 Jahre alt, und ich werde noch lange für ihn Verantwortung tragen, wenn er nach dem Abitur studiert, und ihm sicherlich auch später bei seiner weiteren Berufsausbildung zur Seite stehen.

Wie beurteilen Sie Ihren Führungsstil?
Ich habe ein Superteam, das gerne und begeistert mitarbeitet und auf das ich mich voll verlassen kann! Ich habe große Hochachtung und Respekt vor der Leistung meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die täglich hohen Belastungen ausgesetzt sind. Ich mag mein Team, ich mag diese Menschen, mit denen ich Tag für Tag zu tun habe! Ich möchte das mal so zusammenfassen: Strategie, Kreativität und vor allem Motivation – das ist meine Art der Menschenführung.

Räumen Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Tourismusamt bestimmte familienfreundliche Möglichkeiten ein, zum Beispiel Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten, Elternzeiten ein?
Als allein erziehende Mutter weiß ich genau, was von Nöten ist. Ich bin aufgeschlossen für solche Probleme und gewähre hier in meinem Arbeitsbereich im Rahmen des Machbaren große Freiheiten. Natürlich muss ich die Vorgaben der Landeshauptstadt München berücksichtigen. Aber hier ist man vernünftig und tolerant und versucht Müttern gegenüber familienfreundliche Lösungen zu ermöglichen.

Haben Sie es schwer, sich als Tourismuschefin auf nationalem und internationalem Parkett durchzusetzen?
Nein, überhaupt nicht. Ich war ja vorher als PR- und Protokollchefin der Messe tätig und war es von daher gewohnt, mit Menschen umzugehen, vor ihnen zu sprechen und mich ihnen gegenüber auch durchzusetzen. Ich hatte als Tourismusdirektorin eigentlich keinen Augenblick das Gefühl, dass diese Arbeit schwer für mich war. Immerhin handelt es sich um das Spitzenprodukt "München", mit dem ich mich mit positivem Selbstbewusstsein voll identifiziere. Ich vermarkte München national und international. Darüber hinaus organisiere ich in Personalunion auch die Volksfeste, wie zum Beispiel das Oktoberfest, und das ist das Besondere an meinem Amt.

Woher beziehen Sie Ihre Motivation?
Meine eigentliche Motivation beziehe ich aus den Ergebnissen meiner Arbeit, guter Medienresonanz, dem Feedback meines Teams und von Freunden. Ich ziehe Kraft aus der Arbeit und ich bin sehr stolz auf den Bayerischen Verdienstorden; es ist die schönste Auszeichnung meines Lebens!

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Ich lese gerne, höre gerne Opern und spiele, zwar mehr schlecht als recht, auch etwas Klavier. Und natürlich verbringe ich einen großen Teil meiner Freizeit mit meinem Sohn.

Welches waren Ihre Lieblingsfächer in der Schule?
Latein, Deutsch und Musik, oftmals durfte ich Solosingen, ja, und auch Geräteturnen hat mir Freude bereitet.

Gibt es Aufgaben, die Sie nicht gerne machen?
(lacht): Ja, bürokratische Verwaltungsaufgaben, das "turnt" mich nicht so an. Diese Arbeiten überlasse ich lieber meinem Team.

Verfolgen Sie ein Lebensmotto?
Als ich hier im Tourismusamt im März 1985 meine Arbeit aufnahm, lies ich mich von dem Motto leiten: Fürchte dich nicht! Gerne zitiere ich jedoch sinngemäß den Spruch des bengalischen Philosophen Rabindranath Tagore: "Ich träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte, und das Leben war Pflicht. Ich handelte, und die Pflicht wurde zur Freude." Diese Weisheit begleitet mich nach wie vor bei meinem Handeln und Tun.

Würden Sie Ihren Beruf heute nochmal ergreifen?
Ja, ich würde diese Entscheidung immer wieder treffen. Der Job erhält mich jung und munter!

Das Interview führte Brigitte Karch M.A.

Weitere Informationen:
www.muenchen-tourist.de
www.dagusta.de

Bildtext: Dr. Gabriele Weißhäupl bei der feierlichen Verleihung des Bayerischen Verdienstordens. Foto: Rainer Klebe

(Die Links wurden am 03.11.2008 getestet.)