Ingrid Hofmann: “Ich wünsche mir, dass Frauen und Männer gleichberechtigt miteinander arbeiten!”


Sie steht als Geschäftsfrau hinter einem Unternehmen mit derzeit 13.000 Beschäftigten in der Bundesrepublik. Als Frau nimmt sie eine Vorreiterrolle in der deutschen Geschäftswelt ein: So wurde Ingrid Hofmann als einzige Frau in das Präsidium der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) gewählt und ist außerdem Vizepräsidentin des Bundesverbandes Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen e.V. (BZA). Sie trägt das Bundesverdienstkreuz, erhielt 2002 den Vogue Business Award und wurde "Unternehmerin des Jahres 2002". Im November 2006 erhielt Ingrid Hofmann die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft.

Ingrid Hofmann engagiert sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen. Auch in ihrem Unternehmen, das sie mit 31 Jahren im Jahr 1985 in Nürnberg gründete, setzt sie entsprechende Initiativen für die Förderung von Frauen im Berufsleben um. Dazu zählen auch gelebte Chancengleichheit bei Einstellungen und Personalentscheidungen oder ein Gesundheitsprogramm mit vielfältigen präventiven Angeboten. Hofmanns Zeitarbeitsunternehmen, das zu den "Top Ten" der Branche zählt, hat mittlerweile 65 Niederlassungen in Deutschland und Tochterfirmen in Österreich, Tschechien, Atlanta und England.

Das Thema Zeitarbeit wird zur Zeit vor allem durch die Lohndebatte und die Bedingungen am Arbeitsplatz angeheizt. Zeitarbeit ist andererseits momentan der größte Jobmotor im Land, die Branche boomt und 600.000 Menschen in Deutschland sind bei Zeitarbeitfirmen unter Vertrag.

Welche kreativen Arbeitszeitmodelle bieten Sie den Verwaltung- und Vertriebsmitarbeitern in Ihrem Unternehmen an?
Eigentlich haben wir keine Standards nach denen wir vorgehen. Vielmehr ist es so, dass wir im Unternehmen gemeinsam mit Mitarbeitern und Kollegen versuchen, individuelle Lösungen für Mütter und Väter zu vereinbaren, damit sie Beruf und Familie besser in Einklang bringen können. Ob Home Office, zeitweilige Betreuung im Büro oder Arbeitszeiten, die auf ein oder zwei Tage begrenzt werden – Modelle gibt es viele. Sie müssen sich jedoch mit den Arbeitsanforderungen decken und dürfen nicht zu Lasten anderer gehen; denn das Team muss ja bereit sein, solche Entscheidungen mitzutragen. Das ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Darüber hinaus sind wir dabei, z.B. die Schulungen für Führungskräfte auszuweiten, damit sie kompetent und selbstständig individuelle Lösungen erarbeiten können. Ebenso streben wir den Ausbau des Verbesserungsvorschlagswesens an oder auch Sonderurlaubsregelungen für Beschäftigte, die sich sozial engagieren möchten.

Wie war das bei Ihnen persönlich?
Bereits vier Wochen nach der Geburt meiner mittlerweile volljährigen Tochter bin ich in meinen Betrieb zurückgekehrt und habe dann wieder in Vollzeit gearbeitet. Wir funktionierten das Büro zum Kinderzimmer um, stellten eine Kinderpflegerin ein und das hat geklappt. Auch mein Mann ist eingesprungen, das alles ist eine Frage der Organisation.

Sie haben eine firmeneigene Akademie gegründet. Warum?
Alle neu eingestellten Vertriebs- und Verwaltungsmitarbeiter durchlaufen unsere Akademie. Sie erfahren dort eine Grundschulung von insgesamt zwei Wochen. Dort werden sie im Wesentlichen durch unsere eigenen Mitarbeiter, die ihren Erfolg und ihr Wissen weitergeben, geschult. Wichtige Themen sind Arbeits- und Gesundheitsschutz, rechtliche und betriebswirtschaftliche Grundlagen aber auch unser Qualitätsmanagementsystem.

Welchen Führungsstil pflegen Sie in Ihrem Unternehmen?
Auf jeden Fall keinen autoritären Führungsstil. Jeder trifft eigene Entscheidungen in seinem Arbeitsbereich. Wichtig ist für mich, dass vorrangig gemeinsame Lösungen gefunden werden, sonst "geht keiner mit". Von oben angeordnete Vorgaben verhelfen zumeist zu keinen langfristigen Lösungen.

Wie sehen Sie die Bildungschancen von jungen ausländischen Mädchen?
Wir beteiligen uns ja jährlich am Girls´Day. Und ich stelle fest, dass viele Mädchen mit Migrationshintergrund hochqualifizierte Berufe anstreben, obwohl sie ´nur´ auf der Hauptschule sind und das meistens aufgrund von Sprachdefiziten. Sie sind ehrgeizig und wollen die Chancen nutzen. Die Eltern unterstützen sie in ihrem Wunsch, sind finanziell aber oft nicht in der Lage, angemessen zu helfen. Bedauerlicherweise hängt in unserer Gesellschaft die Bildung immer noch sehr stark von der sozialen Herkunft ab. Diese Mädchen müssen gefördert werden, die können garantiert mehr!

Was halten Sie von Ganztagsschulen?
Ich wünsche mir, dass Frauen und Männer gleichberechtigt miteinander arbeiten! Daher halte ich Ganztagsschulen für eine gute Sache. Allerdings dadurch, dass sie nicht flächendeckend angeboten werden, verlieren wir in Deutschland sehr viel Potenzial. Das können wir uns in Deutschland gar nicht leisten!

Ich möchte die Botschaft vermitteln: einen zukunftsfähigen Job kann man nur mit zielgerichteter Fortbildung aufbauen. Wichtig ist Weiterbildung, und zwar so viel wie möglich; denn die Technik entwickelt sich sehr schnell, und wer einigermaßen am Ball bleiben will, muss sich laufend fortbilden. Wer über 50 Jahre alt ist, und die ständige Fortbildung nie gemacht hat, hat immense Probleme. Auch wir finden für diese Menschen nur schwer einen Job, was allerdings nicht heißt, dass es nicht geht.

Welche beruflichen Trends zeichnen sich derzeit ab?
Ein Trend ist die Zunahme von qualifiziertem Personal wie Ingenieurinnen und IT-Personal. Bezogen auf unser Unternehmen werden wir den Bereich Zulieferfirmen der Autoindustrie ausbauen. Dort finden die Personalabteilungen keine passenden Leute, vor allem deshalb, weil die berufliche Qualifizierung immer spezifischer wird und die Anforderungen enorm hoch sind. Um hier die richtigen Mitarbeiter zu finden, bedarf es großer Anstrengungen, nicht zuletzt ist auch ein besonderes psychologisches Händchen notwendig.

Weitere Informationen: www.hofmann.info

(Der Link wurde am 07.02.2008 getestet.)

Foto: Ingrid Hofmann

Die Fragen stellte Brigitte Karch