Andrea Knopik, Leiterin des Museums Kloster und Kaiserpfalz Memleben: „Mich reizt die Vielseitigkeit für einen historisch so bedeutenden Ort tätig sein zu dürfen“

Kaiserpfalz/OT Memleben. – Andrea Knopik ist Leiterin des Museums Kloster und Kaiserpfalz Memleben und Zweiter Vorstand der gleichnamigen Stiftung in Sachsen-Anhalt. Sie verdankt ihre berufliche Position eher dem Zufall. Eine nahezu schicksalshafte Fügung, die ihr die Erfüllung ihres Traumberufs bescherte.

Im Brikada-Gespräch gewährt die 40-Jährige, Mutter dreier Kinder, Einblicke in ihren beruflichen Alltag. Die abwechslungsreichen Aufgaben, die eine Museumsleitung naturgemäß mit sich bringen, stellen für die Macherin Andrea Knopik reizvolle Herausforderungen dar. Ihr beruflicher Werdegang ist zielgerichtet und durch hohen persönlichen Einsatz sowie planerische Umsicht geprägt. Ihre mitreißende Herzlichkeit macht sie zur idealen Museumsleiterin und Teamchefin.

Wie kamen Sie zu Ihrer heutigen beruflichen Position als Leiterin des Museums Kloster und Kaiserpfalz Memleben?

Andrea Knopik: „Jeder Tag bringt neue Herausforderungen mit sich“. Foto: ©Privat

Im Jahr 2006 kehrte ich aus privaten Gründen von Leipzig nach Eckartsberga in meine Heimat zurück. Der Arbeitsplatz „Museumsleitung in Memleben“ wurde ausgeschrieben und ich habe mich beworben, aber ohne tatsächlich an einen Erfolg zu glauben. Vielleicht war es Zufall oder Bestimmung, dass ich den Posten erhielt?

Welches sind Ihre wichtigsten Aufgabengebiete?

Als zweiter Stiftungsvorstand sind es administrative Aufgaben, Repräsentation, Spenden einwerben, Erhaltung der Anlage durch Denkmalpflege (Gelder einwerben, Baustellen betreuen), Entwicklung eines langfristigen Stiftungskonzeptes, Betreuung des Weinberges und der Ferienzimmer bzw. der Mönchszellen.

Im Hinblick auf meine Arbeit als Museumsleiterin sind dies Personalplanung und -betreuung, Ausstellungskonzeption, Akquise von Fördergeldern, Entwicklung und Umsetzung des Marketingkonzeptes, Öffentlichkeitsarbeit, Netzwerkarbeit, Tourismus. Hinzu kommen ebenso Besucherbetreuung und Veranstaltungsplanung sowie deren Durchführung.

Was reizt Sie an der Aufgabenstellung?

Die Vielseitigkeit und große Herausforderung, für einen historisch so bedeutenden Ort tätig sein zu dürfen und diesen Ort durch sein eigenes Tun mit zu prägen. Allerdings, auf den hohen Bürokratieaufwand könnte ich verzichten, ich bin eher eine Macherin.

Wie sieht bei Ihnen ein „ganz normaler Arbeitstag“ aus?

Es gibt Wintertage, die liegen außerhalb der Saison und sehen etwas ruhiger aus. Sie sind gekennzeichnet von inhaltlicher Arbeit. Leider bauen wir allerdings auch meistens im Winter, was nicht an uns sondern an den Förderzusagen liegt, so dass der Winter leider nicht die gewünschte Erholung gegenüber der Hauptsaison bringt.

Innerhalb der Saison gleicht jeder Tag einem neuen Spagat und bringt neue Herausforderungen mit sich. Neben dem gesamten Ablauf und der Koordinierung und Betreuung von Besuchergruppen (Erwachsene und Schulklassen) gilt es langfristige Pläne zu schmieden, die Pressearbeit abzusichern, sich in Netzwerken zu engagieren, aber auch den normalen Büroalltag zu bewerkstelligen.

Alles klappt nur, weil wir ein sehr gutes Team haben und gemeinsam sehr euphorisch und visionär für Memleben tätig sind. Andrea Knopik

Die Sonderausstellung „WISSEN+MACHT. Der heilige Benedikt und die Ottonen“, die vom 7. Mai bis 15. Oktober 2018 im Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben gezeigt wird, gehört vermutlich zu Ihren derzeit besonders großen Aufgabengebieten. Eine der Hauptpersonen ist Theophanu, Gattin von Kaiser Otto II. Sie spielte im Mittelalter eine bedeutende Rolle. Was bewirkte Theophanu in der damaligen Zeit. Was können wir in der heutigen Zeit von ihr lernen?

Die Sonderausstellung ist ein Projekt, welches aus vielen Ideen hervorgegangen ist und viele Ziele verfolgt. Ja, es beschäftigt mich derzeit fast rund um die Uhr. Unser Ziel ist es, Memleben und die gesamte Klosterlandschaft an Saale und Unstrut drumherum bekannter zu machen. Für viele ist Saale-Unstrut noch ein weißer Fleck auf der Karte, obwohl wir so viel zu bieten haben.

Neben dem historischen Inhalt haben wir aber auch einzelne Personen herausgepickt, die didaktisch für Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene eine Erzählfunktion übernehmen sollen. Theophanu ist eine davon. Sicher war sie die Ehefrau von Kaiser Otto II., aber als solche ist sie nur zweitrangig in die Geschichte eingegangen. Als mindestens fünffache Mutter hat sie rege am Reichsgeschehen teilgenommen und politischen Einfluss ausgeübt. Für die damalige Zeit ist das noch bedeutender zu werten, als wenn man das nur aus heutiger Sicht betrachtet. Die Rolle der Frau wurde damals lange noch nicht diskutiert, besonders deswegen ist Theophanu so beeindruckend. Sie hat als Ehefrau, Mitkaiserin und Regentin für ihren noch minderjährigen Sohn agiert und vor allem in seinem Namen, aber nicht weniger als ihre eigene Person regiert.

Auf ihre Anregung hin wurde das Kloster an der Unstrut gegründet, um dessen Erhalt wir uns heute bemühen. Sie ist eine beeindruckende historische Persönlichkeit, umgeben von viel Macht und Geheimnissen. Sie hat sich durchgesetzt und das als Frau zu einer Zeit, in der das eine Besonderheit darstellte. Das ist es, was mich an ihr fasziniert.

Blick in die Krypta des Museums Kloster und Kaiserpfalz Memleben. Foto: ©Cab Artis

 

Vor der Sonderausstellung ist nach der Sonderausstellung – anders gefragt: Gibt es bereits neue Projekte, die Sie jetzt schon ins Blickfeld nehmen?

Das Jahr 2018 wird für Memleben ein Meilenstein auf dem Weg in die Zukunft. Die museale Ausrichtung und wissenschaftliche Erforschung der gesamten Anlage unter historischen, archäologischen und kunsthistorischen Aspekten ist wichtig und wesentlich. Für den langfristigen Erhalt der Stiftung als Träger des Klosters ist eine zukunftsorientierte Ausrichtung unter Einbeziehung wirtschaftlicher Aspekte ebenso wichtig wie dringend erforderlich. Deswegen wird an der Gesamtkonzeption gearbeitet. Der klostereigene Weinberg birgt mehr Potential als derzeit ausgeschöpft, die Ferienzimmer könnten intensiver vermarktet werden. Der Klostergarten soll erweitert werden, die archäologische Erforschung neu hinzugewonnener Grundstücke steht an. Es gibt viel zu tun, so dass auch in den kommenden Jahren keine Langeweile aufkommen wird.
Zudem feiert Memleben 2018 das 25-jährige Bestehen „Straße der Romanik“ und die „Weinstraße“ – Themen, die wir hier im Museum ebenfalls aufgreifen.

Wie führen Sie neue Besuchergruppen an das Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben heran – vor allem junge Menschen?

Ob jung oder alt, ob Teenager, Familie, Bestager oder Rentner – grundsätzlich gilt es heute, Themen erlebnisorientiert zu vermitteln und nicht eine Objekt-Text-Ausstellung zu zeigen. Das ist unsere Erfahrung hier vor Ort. In unseren historischen Mauern möchte der Gast etwas erleben, das Thema muss sich ihm anbieten, so dass er mitmachen kann. Ein Erlebnis bleibt besser im Kopf und sorgt für Wiedererkennung, als erlesenes oder gehörtes Wissen.

 In der Fachwelt ist Andrea Knopik uneingeschränkt anerkannt als „eine Frau, mit viel Idealismus, Mut und Kreativität. Sie ist ein Vorbild für jede große Kulturinstitution in West und Ost.“

Außerdem bieten wir ein umfangreiches Angebot für Schulklassen an, wir arbeiten direkt mit Schulen zusammen, Schüler helfen uns bei der Entwicklung der Angebote für Schüler. Es gibt Aktivangebote in den Ferien. Im Rahmen unserer Familienangebote halten wir für Eltern und Kinder ein spezifisches Programm bereit, um alle Generationen zufrieden zu stellen. Die Ausstellungen regen zum Mitmachen an, ein Audioguide führt die Kinder durch das gesamte Kloster. In Bezug auf die Sonderausstellung gibt es gezielte Kooperationen mit Schulen. Die eine führt ein Theaterstück auf, die andere führt Kinderführungen für Kinder durch. Und damit jedes Kind den Weg zu uns findet, lässt es sich von seinen Eltern zu uns bringen.
(Die Fragen stellte Brigitte Karch)

Über Andrea Knopik: Seit 2007 leitet sie das Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben, seit 2008 ist sie zweiter Stiftungsvorstand. Sie studierte Kunstgeschichte, Mittlere und Neueren Geschichte an der Universität Leipzig. Im August 2003 Studienabschluss Magister Artium (M.A.). Ihre zielgerichtete Ausbildung umfasste Akademische und pädagogische Lehrtätigkeit u.a. an der Universität Leipzig. Sie kuratierte verschiedene Sonderausstellungen: „Wenn der Kaiser stirbt – Der Herrschertod im Mittelalter“ – Korrespondenzausstellung zur Landesausstellung im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg 2012 sowie aktuell „WISSEN+MACHT. Der heilige Benedikt und die Ottonen“. Die Museumsleiterin veröffentlichte zahlreiche Bücher, Beiträge in Anthologien, hält öffentliche Fachvorträge und ist Mitglied in verschiedenen Kulturvereinen.
Andrea Knopik lebt mit Mann und ihren 3 Kindern nahe der Thüringer Landesgrenze inmitten der kulturträchtigen Region an Saale und Unstrut.

Weitere Informationen:
www.kloster-memleben.de/de/

Titelbild: Andrea Knopik, Museumsleiterin Kloster und Kaiserpfalz Memleben (Foto: ©Privat), vor dem Klostergarten. Foto: © CAB Artis