Dörte Mäder: Keine Fachfrau für halbe Sachen


Aber es ist wohl gerade diese aufregende Mischung, die die gelernte Hotelfachfrau immer wieder aufs Neue reizt, eine Herausforderung, der sie sich temperamentvoll und ungebremst stellt.

Sie verströmen als "echte Power-Frau" eine geballte Ladung mitreißender Energien. Verfügen Sie über diese Eigenschaften von Haus oder haben Sie sie sich angeeignet?
Schön, wenn Sie das so empfinden! Power als Eigenschaft – betrachten wir es wie einen Motor. Dieser ist vorhanden und das dieser kontinuierlich rund läuft und sicherlich auch manches Mal Formel 1 Maßstäbe erreicht, liegt schlicht und ergreifend an meinem privaten und beruflichen Umfeld. "Benzin" in Form von Zuneigung oder Achtung und Reputation meiner Kunden wirken da wie Superkraftstoff.

Nennen Sie doch bitte einige wichtige Stationen Ihrer Berufsbiographie, die für Sie persönlich prägend waren.
Nach der Schule machte ich erst eine Ausbildung im elterlichen Hotelbetrieb, um danach die Hotelfachschule zu absolvieren. Und dann ging es ab in die Praxis. Während der nächsten 15 Jahre war ich im Marketing und Vertrieb in verschiedenen Hotelkonzernen tätig. Ich baute beispielsweise bei der Kirch Gruppe in München-Unterföhring eine hauseigene Reisestelle auf, war als Direktorin in einem Hotel in Bad Tölz tätig und war aktiv daran beteiligt, als Geschäftsführerin der BTG Bayern Tourist GmbH, München, die Sterne-Auszeichnung für die deutsche Hotellerie zu etablieren. Die "Deutsche Hotelklassifizierung", wie die kontrollierte Vergabe von Sternen an die Hotellerie fachlich bezeichnet wird, bietet Reisenden aus dem In- und Ausland eine wichtige Orientierungs- und Entscheidungshilfe bei der Wahl ihres Hotels. In jenen Jahren installierte ich aber auch zum Beispiel Marketingstrategien für mittelständisch geprägte Hotelbetriebe. Als die BTG dann auch noch als offizieller Bildungträger des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes wurde, begann ich mich aktiv mit der Trainingsmethodik auseinanderzusetzen.

Im Jahr 2000 wechselten Sie die Seiten ” sie verließen das Angestelltendasein und machten sich mit Ihrer Firma "Mäder Consulting" selbständig. War der Weg in die berufliche Selbständigkeit für Sie sehr schwierig? Wie beurteilen Sie rückblickend Ihre Entscheidung?
Die Entscheidung für die Selbstständigkeit fiel mir leicht bzw. wurde mir leicht gemacht, denn zum einen hatte ich mich durch diverse Ausbildungsmodule fachlich gut vorbereitet und zum anderen hatte ich gleich einen großen Kundenkreis, der mich in die aktive Unternehmerrolle führte. Die Tatsache, dass ich den Hauptkunden nach zwei Jahren aufgrund eines Verkaufs verlor und der 11. September eine Stagnation in der touristischen Weiterbildung brachte, haben mich angespornt neue Geschäftsfelder zu suchen, die auch gefunden wurden. Ermutigend und motivierend war hier die Tatsache, dass ich von zufriedenen Kunden weiterempfohlen wurde.

Welche Ratschläge geben Sie Managerinnen bzw. Managern, in Sachen Personalführung, insbesondere wenn es sich dabei um Frauen handelt?
Rechtzeitig über Veränderungen sprechen; gemeinsam die Karriere- oder allgemeine Zukunftsplanung – und hier meine ich ganz gezielt die Familiengründung – sachlich und fair ansprechen. Und eines – weg von der Stutenbissigkeit!

Über welche Charaktereigenschaften muss man als Frau verfügen, wenn sie sich beruflich durchsetzen will?
Grundsätzlich über die gleichen positiven Eigenschaften, die man von einem Mann erwartet, allerdings wird die Messlatte für die Frauen ja gern ein wenig höher gelegt. Und diese Differenz lässt sich für Frauen viel leichter füllen, indem sie sich einfach mehr zum Zuhörer und Coach für ihre Mitarbeiter machen. Fachwissen, diplomatisches Geschick, gepaart mit einem freundlichen und ansprechenden Auftritt öffnen viele Türen. Dazu gehören natürlich Ausdauer und auch die Bereitschaft mit Kunden ehrlich umzugehend, um auch auf dem ersten Blick unpopuläre Maßnahmen umsetzen zu können.

Heutzutage wird unter berufstätigen Frauen viel über "Netzwerke bilden" gesprochen. Was halten Sie von solchen Verbindungen?
Netzwerke halte ich grundsätzlich – und es müssen nicht reine Frauen-Netzwerke sein – für gut und unverzichtbar. Allerdings sollten sie auf einer ehrlichen, unterstützenden und nicht ausschließlich finanziellen Basis funktionieren.

Was raten Sie jungen Frauen, die vor der Berufswahl stehen?
Möglichst vielschichtig! Also Lehre und Studium oder Fachschule und dann Praktika an möglichst unterschiedlichen Orten oder Unternehmen. Flexibilität und Offenheit gegenüber Neuem und mutig sein für ein Querdenken.

Meinen Sie Beruf, Haushalt und Kindererziehung sowie eine harmonische Ehe lassen sich unter einen Hut bringen?
Da sprechen Sie mit mir natürlich nicht unbedingt die Richtige an, aber ich bewundere die Frauen, die dieses scheinbar mit Leichtigkeit bewältigen. Der Blick in meinem Umfeld sagt mir aber auch, dass diese Ehen scheinbar besser funktionieren als die sogenannten klassischen Modelle, wo die Frau zu Hause bleibt.

Haben oder hatten Sie berufliche Vorbilder?
Mein Vater war mir ein extrem strenger, aber äußerst gerechter Lehrmeister, stets sehr fair und nicht nachtragend. Als Vorbild für mich agieren früher wie auch heute noch Unternehmertypen, die es zu etwas gebracht haben und danach nicht abgehoben sind, sondern immer noch den Draht zu ihren Mitarbeitern haben.

Haben Sie für sich selbst eine bestimmte Unternehmensphilosophie aufgestellt?
Bei meinen Projekten steht das Lösen der Aufgabe und damit der Mensch im Vordergrund. Dabei vernachlässige ich den unternehmerischen finanziellen Aspekt hin und wieder und brauche da den Schubs von meinem Partner.

Könnten Sie sich noch andere Aufgaben in Ihrem Leben vorstellen?
Diese sind bereits in der Planung. Zurück zu den Wurzeln der Hotellerie besteht bereits – ein bisschen außergewöhnliches Konzept, welches ich zusammen mit meinem Lebenspartner in den nächsten zwei bis drei Jahren umsetzen möchte. Das wird dann nochmals ein Power-Aufbruch mit Umzug ins Ausland und ganz von unten anfangen. Aber – wir freuen uns darauf!

Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?
Nun, die Antwort fällt mir nicht unbedingt leicht. Aber ich kann ganz gut mit Menschen jedweder Couleur umgehen, analytisches Denken ist mir nicht fremd, und ich habe auch den Mut, aus meinen Erfahrungen die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Sie sind Einzelkämpferin mit großer Disziplin und immensem Fleiß. Wie bewältigen Sie ihren beruflichen Alltag? Oder anders gefragt: Bleibt Ihnen bei ihrem täglichen Arbeitspensum noch Zeit für Privatleben und "echte" Hobbys?
Aber ja. Ich bin zwar vielbeschäftigt, stimme aber meist meinen Terminkalender mit meinem Partner – der als Consultant ebenfalls viel unterwegs ist ” ab, und wir genießen dann gerne ein Wochenende in den eigenen vier Wänden. Im Winter Skifahren, im Sommer mit dem Rad oder kleine, feine Kurzurlaube dienen der Batterieaufladung. Für Hobbies wie Konzerte oder meiner Leidenschaft, dem Aufstöbern und Lesen alter Fachbücher über Hotellerie und Tourismus bleibt nicht ganz so viel Zeit, aber dafür gibt es dann ja wohl das noch in Ferne liegende Rentnerdasein.

Das Gespräch führte Brigitte Karch