Christine Riedl-Valder: Caféhäuser in München – Geschichte(n) aus drei Jahrhunderten

Regensburg/München. – Wussten Sie eigentlich, dass München nicht nur als Bierstadt, sondern auch als Kaffeestadt einen weithin anerkannten Namen hat? Und das schon vor mehr als 300 Jahren? Ausgepichte Bierfreunde hören es freilich nicht so gern, aber dennoch ist es eine historisch belegte Tatsache.

Die Autorin Christine Riedl-Valder hat sich auf Spurensuche begeben und lässt in ihrem Buch Geschichte(n) aus drei Jahrhunderten lebendig werden. Die Kaffeereise der Autorin beginnt im Mittelalter, führt am bayerischen Herzogshof über französische und italienische („La moda italiana“) Caféhäuser. Später folgten die Wiener mit ihrer Kaffeehauskultur. Bei uns avancierte Kaffee erst im 18. Jahrhundert zum „In-Getränk“ der bürgerlichen Bevölkerung.

Münchens erstes Caféhaus führte der Hofzuckerbäcker Claudi Surat (ca. 1700), das erste italienische Caféhaus am Hofgarten betrieb Giovanni Pietro Sarti aus Venedig, das später vom „Schokolateur“ Luigi Tambosi und seiner Ehefrau Augustine geführt wurde. Nach deren Tod (1839), einer darauffolgenden wechselvollen Geschichte des Hauses, wurde die Lokalität erst ab 1920 mit Anna und Gustl Annast wieder zu einem typisch Münchner Caféhaus.

Im Mittelpunkt der Münchner Kaffeehauskultur um 1900 stehen freilich die Palastcafés der Prinzregentenzeit. In Anlehnung an prachtvoll ausgestattete Bierpaläste wie etwa Hofbräuhaus, „Grand Restaurant Platzl“ oder Café-Restaurant „Domhof“, lies auch der wachsende Fremdenverkehr es sinnvoll erscheinen, Hotels mit angeschlossenen Cafés wie etwa „Café Aquarium“, „Augsburger Hof“ oder das Edenhotel Wolff“ am Münchner Hauptbahnhof zu errichten.

Und natürlich widmet die Autorin dem „Café-Restaurant Luitpold“ (eröffnet 1888) besondere Aufmerksamkeit. Die Erlaubnis von Prinzregent Luitpold dessen Namen führen zu dürfen sowie die unglaubliche Ausstattung des Cafés mit 1.200 Sitzplätzen (nach Vorbildern der Donaumonarchie) sorgten dafür, dass das „Café Luitpold“ zu Weltruf brachte.

Doch Münchner Caféhäuser waren weitaus mehr als Kaffee- und Genussoasen. Vielmehr bildeten sie „Zentren des Gesellschaftslebens“. Sie waren Trefforte von Arbeitern und Angestellten, boten Literaten, Studenten, Schachspielern und (Lebens)-künstlern eine Heimat. Weitgehend unbekannt dürfte die Tatsache sein, dass Münchner Caféhäuser auch eine bedeutende Rolle bei der weiblichen Emanzipation spielten. Nachzulesen im Kapitel „Kaffeeköchinnen, Kellnerinnen und ‚Wassermadeln‘“.

Brikada-Empfehlung: Entstanden ist hier eine reizvolle Chronologie über den Werdegang der „nördlichsten Kaffeestadt Italiens“. Die Absicht, Geschichte(n) unterhaltsam zu erzählen, vor allem auch im Wechselspiel von Bierpalästen und Kaffeepalästen, ist voll geglückt. Die kluge Aufarbeitung der Münchner Caféhaus-Nachkriegsszene bis zum aktuellen Heute liest sich gleichermaßen spannend. Ein Sondertipp: Nehmen Sie sich Zeit, wählen Sie Ihr Lieblingscafé und lassen Sie bei der Lektüre „Caféhäuser in München“ die Umwelt an sich abgleiten. Natürlich bei einer Portion exzellenten Kaffees mit Gustostück Torte, Kuchen oder einer Gebäckspezialität des jeweiligen Caféhauses. Immerhin stehen derzeit in München über 350 Caféhäuser zur Auswahl bereit – laut Recherchen Christine Riedl-Valders.
Brigitte Karch

Dr. phil. Christine Riedl-Valder


Über die Autorin:
Dr. phil. Christine Riedl-Valder ist Kulturjounalistin und hat zahlreiche Beiträge über Kunst, Literatur und Geschichte veröffentlicht. Sie lebt und arbeitet in Regensburg.

Dr. phil. Christine Riedl-Valder: Caféhäuser in München – Geschichte(n) aus drei Jahrhunderten, 160 Seiten, kartoniertes Buch, mit zahlreichen schwarz-weiß Fotos, 12,95 Euro, ISBN/EAN: 9783791729923, erschienen 2018 im Friedrich Pustet Verlag, Regensburg.

Weitere Informationen:
www.verlag-pustet.de

Titelbild: Umschlag-/Reihengestaltung und Layout: Martin Veicht, Regensburg