Shibasaki Tomoka: Frühlingsgarten

Berlin. – Es passiert – im Sinne von „Action“ – nicht sehr viel. Und doch fasziniert der Roman von der ersten Zeile an.

Hauptpersonen sind Taro, der verträumte, etwas träge Mitarbeiter einer PR-Agentur und die kleine vom Baseballtraining mit kräftigen Oberarmen ausgestattete Mangazeichnerin Nishi.

Eigentlich stehen aber die dynamische Großstadt Tokyo, „eine Stadt, die wie ein riesiger Organismus im ständigen Wandlungsprozess sich stets aufs Neue verschlingt und erschafft“, wie Daniela Tan in ihrem Vorwort schreibt, und das hellblaue Haus, über das ehemalige Bewohner einen Bildband veröffentlicht haben, im Mittelpunkt.

Im Apartmenthaus, in dem Taro und Nishi wohnen, sind die einzelnen Wohnungen nach den chinesischen Tierkreiszeichen wie Schlange, Wildschwein, Hahn, Hund etc. benannt. Das Gebäude ist abbruchreif. Denn Tokyo ist eben in beständigem Wandel begriffen, finden doch hier 2020 die Olympischen Sommerspiele statt.

Shibasaki Tomoka macht die Leserinnen – besonders die westlichen – nicht nur mit höchst individuellen Menschen bekannt – sondern auch mit Merkwürdigkeiten aus Flora und Fauna wie einer Lagerströmie (Baum), der Sakekrug-Wespe, den Styrax-Katzenpfoten …

Brikada-Empfehlung: Elegante Unterhaltung mit Niveau.

Über die Autorin: Shibasaki Tomoka – wie in Japan üblich, steht der Nachname vor dem Vornamen – schrieb schon als Schulzeit erste literarische Texte. 2000 veröffentlichte sie ihr erstes Buch, „A Day on the Planet“ wurde als Film zum Kinohit. 2014 wurde sie mit dem renommierten Akutagawa-Preis für den Roman „Frühlingsgarten“ (Haru no niwa) ausgezeichnet.
Autorin: Doris Losch

Shibasaki Tomoka: Frühlingsgarten, gebunden mit Schutzumschlag, 208 Seiten, aus dem Japanischen übersetzt von Daniela Tan, Euro 22.00, ISBN 978 3 8612 4921 4, erschienen im be.bra-Verlag, Berlin.

Weitere Informationen:
www.bebraverlag.de