Elisabeth Florin: Commissario Pavarotti kam nie nach Rom

Köln. – Da ist er wieder, der Südtiroler Commissario Pavarotti! Umgeben vom auswegfindigen Ispettore Emmendinger und der unbeugsamen Deutschen Lissie von Spiegel. Spannung, nein Hochspannung, ist erneut angesagt. Es geht um ein ermordetes Ehepaar in Meran und um rattenscharfe Polit-Brisanz.

Welchen Inhalt greift die Autorin im vierten Band um Commissario Pavarotti auf? Im Vordergrund steht das Politikum, dass nach dem Zweiten Weltkrieg die Nazis scharenweise über die sogenannte „Rattenlinie“ nach Südtirol und von dort nach Südamerika flohen. Und das gelang nicht ohne Hilfe höchster Kreise. Zum anderen versucht Elisabeth Florin die Frage zu klären, wie weit eine Autorin bereit ist zu gehen, um einen Bestseller zu verfassen.

Eine deutsche Schriftstellerin und ihr Mann werden in ihrem Haus in Meran am Swimmingpool tot aufgefunden. Erschossen, es sieht aus wie eine Hinrichtung. Die Ermittlungen führen Pavarotti in die Verlags- und Finanzmetropole Frankfurt. Dort trifft er auf Lissie von Spiegel, seine ihr gegenüber nie erklärte große Liebe. Beide ermitteln, nicht gerade gemeinsam, sondern aus verschiedenen Motiven heraus und mit unterschiedlichen Methoden: Pavarotti muss den Fall aus beruflichen Gründen aufklären, und Lissie von Spiegel, eine pfiffige Hobby-Ermittlerin, will die Hintergründe um den Tod ihrer Schriftsteller-Kollegin herausfinden. Vermutungen liegen nahe, dass die Bestseller-Autorin in gefährlichem Umfeld recherchierte. Doch wer will mit aller Macht die wahre Aufklärung der Morde verhindern?

Elisabeth Florin hat an der Figur Commissario Pavarotti feste gearbeitet. Er tritt körperlich verschlankt auf, ist – vielleicht altersbedingt – melancholisch geworden. Geblieben ist trotzdem seine Kriminalisten-Spürhund-Attitüde. Lissie von Spiegel hat ihre Solo-Ermittlungen, die stets wie „rein zufällig“ wirken, nahezu unverändert behalten. Und Pavarottis rechte Hand, Ispettore Emmendinger, versucht sich ausgleichend zwischen beiden zu bewegen. Nicht ohne dass die Autorin auch ihn in seiner seelischen Verletzbarkeit neu skizziert.

Wie nebenbei beschreibt Elisabeth Florin, die viel Zeit in Meran und Umgebung verbringt, wie das Frankfurter Verlags- und Finanzwesen funktioniert. Immerhin ist die Krimi-Autorin als Finanzjournalistin und Kommunikationsexpertin seit 25 Jahren unterwegs.

Der Spannungsbogen des Kriminalromans ist konzeptionell gespickt mit überraschenden Wendungen, retardierenden Momenten und fesselnden Wendungen. Das zum psychologischen Schmankerlstück avancierte Werk liegt derzeit auf Platz 2 der Taschenbuch-Bestsellerliste Südtirols!

Brikada-Empfehlung: Wer den Krimi „nicht mal eben schnell quer lesen“ will, sollte sich eine Portion Zeit reservieren. Die über 300 Taschenbuchseiten wollen mit Bedacht „verputzt“ werden.
Autorin: Brigitte Karch

Elisabeth Florin: Commissario Pavarotti kam nie nach Rom, Kriminalroman, Broschur, 13,5 x 20,5 cm, 320 Seiten, ISBN 978-3-7408-0316-2, Euro 12,90, erschienen Juni 2018 im Emons Verlag, Köln.

Weitere Informationen:
www.emons-verlag.de
www.elisabethflorin.de