Karin Schneider-Ferber: Isabeau de Bavière

Regensburg. – Nach Philippine Welser legt die Autorin mit Isabeau de Bavière und dem Untertitel Frankreichs Königin aus dem Hause Wittelsbach eine weitere, spannend aufbereitete Biografie einer bemerkenswerten Frau vor.

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Die Geschichte, ja man möchte fast sagen, die Story beginnt als die Wittelsbacherin Elisabeth von Bayern (1370-1435), Tochter Herzog Stephans III. von Bayern-Ingolstadt, aus damals üblichem politischen Kalkül heraus bereits mit 15 Jahren im Jahr 1385 mit dem französischen Thronfolger Karl in Paris verheiratet wurde. Nicht nur ihr Gemahl, sondern auch das französische Volk waren von Isabeau de Bavière wie man sie in Frankreich nannte, begeistert. Ein glänzender Lebensentwurf schien vorgezeichnet. Doch die plötzliche, schwere Erkrankung ihres Gemahls und dessen nur phasenweise Handlungsfähigkeit, ließen die Königin mitten in den Wirrren des Hundertjährigen Kriegs zwischen Frankreich und England zum Spielball mächtiger Gegner werden.

Überschüttet mit Vorwürfen unglaublicher Art (heute würde man Fake News formulieren): „Ehebruch mit ihrem Schwager, Vernachlässigung ihrer Kinder und ihres geisteskranken Gemahls, Verschwendungssucht und Vetternwirtschaft, Landesverrat durch Paktieren mit den Engländern, Verleumdung des eigenen Sohnes …“ konnte sich die politisch Unerfahrene und „Landfremde“ den Anschuldigungen der Hetzer und Verleumder auf Dauer nicht erwehren. Mit Hilfe ihres Bruder Ludwig des Bärtigen versucht die Königin vergeblich politischen Einfluss zunehmen. Nach dem Tod ihres Gemahls war sie jedoch politisch und sozial endgültig ins Abseits gestellt. Schlussendlich verliert sie den Kampf. Dabei blieb ihr nur die Hoffnung, dass ihr Enkel Heinrich VI. (wurde 1431 zum französischen König in Paris gekrönt) die englisch-französische Doppelmonarchie werde erhalten können. Isabeau de Bavière verstirbt 1435 im Hôtel Saint-Pol.

Das Nachzeichnen des Lebens der Königin von Frankreich dürfte die Autorin Karin Schneider-Ferber möglicherweise deshalb gereizt haben, weil die vorhandenen historischen Dokumente ein ambivalentes Bild von Isabeau de Bavière widerspiegeln. Sie trat unbestritten auch als Mäzenin und Almosengeberin auf und zeigte sich großzügig gegenüber ihrem höfischen  Personal. Durchgesetzt hatte sich im 18. und 19. Jahrhundert eine anhaltend negative Geschichtsbeurteilung der Königin von Frankreich, die oberflächlich und ungeprüft das Leben und Wirken der „royalen First Lady“ verzerrt darstellte. Im Lauf der Zeit gelang es der Geschichtswissenschaft, Legende und Wirklichkeit des Lebens der Königin von Frankreich auseinander zu dividieren und ins rechte Licht zu rücken.

Brikada-Empfehlung: Der Autorin gelingt es, History-Interessierte mit auf die Reise zur Erkundung einer vielschichtigen Frauenfigur mitzunehmen. Sie zieht Parallelen zur Gegenwart in Politik, sozialem Engagement und Gesellschaftt. Kunst (wie etwa das „Goldene Rössl“ – steht heute in der Schatzkammer der Heiligen Kapelle zu Altötting), aber auch die Beschreibung der höfischen Mode im 14. Jahrhundert bieten hier Lesegenuss vom Feinsten!
Autorin: Brigitte Karch

Karin Schneider-Ferber: Isabeau de Bavière Frankreichs Königin aus dem Hause Wittelsbach, 144 Seiten, ca. 20 Abbildungen, ISBN/EAN: 9783791728759, 12,95 Euro, erschienen März 2018, im Verlag Friedrich Pustet, Regensburg

Weitere Informationen:
www.verlag-pustet.de