Das schwimmende Klassenzimmer der Freien Schule Glonntal


Die Erlebnispädagogik der Freien Schule Glonntal ist das Resultat einer kühnen Lehrervision von lebensnahem Unterricht.

Auch in diesem Jahr war das schwimmende Klassenzimmer wieder im Mittelmehr unterwegs. Auf vier Segelyachten erlebten die Jugendlichen Schule als eine völlig neue Welt: „Vorleine los, Fahrt achteraus!“, „Klar zur Wende!“ – heute ist Unterricht in der Segelsprache.

Aufmerksam nehmen die Schüler der zehnten Klasse jeden Fachbegriff auf und folgen konzentriert den Manöverhinweisen, die ihr Lehrer und Skipper Hartmut Lüling erklärt. Seit rund einer Woche sind sie schon unterwegs. – Längst haben sie gelernt, wie wichtig es ist, mit aller Aufmerksamkeit bei der Sache zu sein. Es gibt kein Murren, auch wenn jeder seinen Job zu erledigen hat. „Ich kann jetzt besser Spaghetti Gorgonzola kochen als meine Mama“, freut sich ein Schüler. „Hier ist sogar der Abwasch unterhaltsam.“ Während er die Küchenarbeit erledigt, steht eine Schulkameradin konzentriert am Ruder. Diese „Klassenfahrt“ bedient keine alten Klischees, sie prägt die Schüler fürs Leben!

„Lernen aus Erfahrung“ – diese Devise hat Schuldirektor Hartmut Lüling auf die Fahnen der Freien Schule Glonntal (südöstlich von München) geschrieben. Schon lange trug sich der frühere Waldorfpädagoge mit der Idee, das anthroposophische Gedankengut und die geisteswissenschaftliche Methode Rudolf Steiners mit einem modernisierten Lernmodell zu verbinden. Ihm kommt es vor allem darauf an, die Bedürfnisse und Begabungen von Kindern rechtzeitig zu erkennen und besser zu entfalten. Für Lüling ist Schule ein „Gesamtkunstwerk“, in das sich Lehrer, Schüler und Eltern gemeinsam einbringen.

Doch wie kam es zum schwimmenden Klassenzimmer? „Schule und Segeln – das passt optimal zusammen“, erklärt Lüling begeistert. Schon im Vorfeld der Schulgründung hatte er die drei Segelschiffe zum Aufbau seiner Pädagogik erworben. „Für mich sind Segelschiffe eine Metapher für unser Lernprinzip: Sich an der Grenzfläche des Wassers, dem Element des Lebens, in einer Gemeinschaft bewegen lernen. Lernen zwischen Sturm und Flaute, zwischen Sonne, Wind und Regen. Wenn ich mich darauf einlasse lerne ich, meine Kameraden, den Elementen und damit generell dem Leben zu vertrauen.“

Sich einlassen, vertrauen, Neues wagen – das durften dieses Jahr wieder zahlreiche Glonntal-Schüler. Neben den mehrtägigen Zeltcamps der ersten Klasse, den Chiemseecamps der vierten, fünften und sechsten Klasse bildetet die große Mittelmeerkreuzfahrt der zehnten natürlich ein ganz besonderes Highlight. Vom 17. Juni bis 7. Juli kreuzten die Jugendlichen auf den Seglern „Opi-Imagon“, „Antina“ und „Vanessa“ vor den Küsten der Inseln Elba, Korsika und Sardinien.

Einige Tage zuvor waren die Mädchen der siebten Klasse bereits als reine „Frauenmannschaft“ vierzehn Tage um die Inseln Elba und Capraia gesegelt und hatten dabei Vertrauen zu Wasser, Wind und Wetter aufgebaut. Nicht nur die betriebsamen Tage an Bord und die erlebnisreichen Landgänge, auch die lauen Nächte an Deck werden den Jugendlichen für immer in Erinnerung bleiben. „Man muss angesichts der Reizüberflutung unserer Zeit den Kindern wieder die Erlebnisfähigkeit für die Natur eröffnen“, so Lüling. „Die Begegnung mit Naturgewalten und mit der Schönheit der Natur, schafft eine gesunde Ehrfurcht, die wir hinter der Schulbank nie vermitteln könnten. Zugleich lernen die Kinder zuzupacken und wie wichtig absolute Verlässlichkeit ist.“

Nach ihren Segeltörns blicken die Schüler nun auf ein geballtes Paket Lebenserfahrung zurück. Neben den üblichen Unterrichtseinheiten, wie zum Beispiel Sprachen, Physik, Geographie und auch Psychologie, durften sie Abenteuerlust ausleben, Verantwortung übernehmen, sich im Reflektieren und in Geduld üben und natürlich ihren Teamgeist erproben. Vor allem aber lernten sie eines: sich selbst und die Welt aus einem neuen und umfassenderen Blickwinkel wahrzunehmen.
Quelle: Freie Schule Glonntal

Über: Freie Schule Glonntal
2007 wurde die Freie Schule Glonntal mit großer Einsatzbereitschaft von Lehrern, Eltern und Schülern gegründet. Sie ist eine private offene Ganztagsschule mit integrativem Ansatz und einheitlichem Bildungsgang von der 1. bis zur 12. Klasse, wie Grundschule und Gymnasium mit anschließendem Abitur oder Mittlerer Reife Prüfung.

Zugrunde liegt der staatlich genehmigte Lehrplan der Waldorfschulen. Das pädagogische Konzept wurde allerdings erheblich erweitert, um eine vertiefte Erlebnispädagogik, sowie Kunst als zentrales Anliegen und einer ganzheitlichen, erlebten Naturwissenschaft. Die Schule steht unter Leitung von Hartmut Lüling, einem Erlebnispädagogen und Lehrer aus Leidenschaft.

Auf Grund ihrer vielfältigen gesundenden und integrativen Erlebnisbereiche bietet die Schule nachhaltige Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenssituationen zu integrieren.

Die Höhe des Schulgeldes wird im Gespräch mit den Eltern individuell ermittelt und nach finanziellen Möglichkeiten festgelegt.

Weitere Informationen:
www.freie-schule-glonntal.de

Bildtext: Die Mädchen der siebten Klasse segelten als reine „Frauenmannschaft“ vierzehn Tage um die Inseln Elba und Capraia herum und hatten dabei Vertrauen zu Wasser, Wind und Wetter aufgebaut. Foto: Freie Schule Glonntal