Handwerk: Frauen machen Karriere


Diese aktuellen Zahlen einer Studie der Prognos AG, Berlin, wurden auf einer Pressekonferenz zur Internationalen Handwerksmesse in München (6. – 12. März 2013) bekanntgegeben.

Ein wahres Loblied auf die Frauen wurde angestimmt – bemerkenswert, da noch vor wenigen Jahrzehnten Mädchen in technischen Handwerksberufen nicht willkommen waren, weil angeblich ihr Daumen zu kurz war (kein Witz!). Im 21. Jahrhundert ist das anders. Man höre und staune: „Die Erhöhung des Bildungsniveaus in Deutschland ist insbesondere auch auf die Bildungserfolge von Frauen zurückzuführen“, heißt es in der Prognos-Studie. Noch vor 20 Jahren war die Relation 10:1 bei den Meisterprüfungen. 2011 haben 4.418 Frauen die Meisterprüfung bestanden.

In den Berufen Augenoptikerin, Hörgeräteakustikerin und Zahntechnikerin hat sich der Frauenanteil an den erfolgreich abgelegten Meisterprüfungen in den vergangenen zehn Jahren um mehr als die Hälfte erhöht. Und auch bei den Unternehmensgründungen zeigen die Frauen Flagge. 2009 erfolgte jede vierte Unternehmensgründung im Handwerk durch eine Frau.

Dass das Handwerk nicht mehr wie einst eine reine Männerdomäne ist, zeigt die Zunahme von Netzwerken und Vereinen, die von Unternehmerinnen getragen werden.

Auch im so genannten MINT-Bereich wirbt die Wirtschaft, weil es an Fachkräftenachwuchs mangelt, nun um weibliche Auszubildende. MINT steht für Mathematik, Informationstechnik, Naturwissenschaft.

2011 fielen rund 35 Prozent aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in diese Sparten (u.a. Energie- und Gebäudetechnik Informations- und Telekommunikationstechnik). Prognos: „Um das Potenzial für MINT-Bereiche noch besser zu erschließen, gilt es vor allem auch junge Mädchen und Frauen für eine Tätigkeit in diesem Bereich zu gewinnen“. Dazu sollen u.a. auch Veranstaltungen und Aktionen zum bundesweiten Girls Day, dem vom Handwerk unterstützten Mädchen-Zukunftstag, beitragen.

Das bayerische Handwerk wirbt mit der Imagekampagne „Macher gesucht“ um junge Mädchen, Frauen und natürlich auch um junge Buben und Männer. Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren können sich im Internet für den Macher-Cup anmelden.
Noch aber bleibe viel zu tun, besagt die Studie. Denn an der Spitze der Hierarchien dominieren nach wie vor Männer. Frauen kämen eher in kleinen und mittleren Unternehmen an die Spitze wie etwa in kleinen und mittleren Handwerksbetrieben.

Was bei der Pressekonferenz durchaus deutlich wurde: Alle vier Repräsentanten des Handwerks waren Herren im Einheitslook (graublaue Anzüge aus feinem Zwirn, Krawatte). Da hätte die Kanzlerin, die am 8. März (übrigens Tag dem Internationalen Tag der Frau) zum Spitzengespräch der Deutschen Wirtschaft in München erwartet wird, die Szene mit den lustigen Knöpfen ihrer Jacketts wirklich noch belebt.
Doris Losch

Weitere Informationen
www.ihm.de
www.weiberwirtschaft.de/chefin-werden-chefin-sein
www.girls-day.de
www.lehrlinge-fuer-bayern.de
(Die Links wurden am 26.02.2013 getestet.)

Bildtext: Das Handwerk ist ein wichtiger Innovations- und Technologiemotor für den Standort Deutschland. Highlight auf der IHM ist das Trainingscamp des Nationalteams des deutschen Bauhandwerks für die Worldskills 2013. Foto: GHM