Frauen in den Ingenieurwissenschaften: Das Ende einer Erfolgsstory?


Anlässlich des diesjährigen “Tags der Technik” hat das Kompetenzzentrum unter dem Titel "Frauen in den Ingenieurwissenschaften" aktuelles Datenmaterial zusammengestellt.

Angesichts der bundesweit stark wachsenden Nachfrage nach qualifiziertem Nachwuchs ruft das Kompetenzzentrum dazu auf, eine neue Offensive für Frauen in Ingenieurwissenschaften zu starten. "Fast unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit droht eine klare Erfolgsstory zu Ende zu gehen," fasst Barbara Schwarze, Vorsitzende des Kompetenzzentrums Technik – Diversity – Chancengleichheit, das Ergebnis des diesjährigen Datenberichts zusammen. So habe sich beispielsweise die Zahl der Studienanfängerinnen im Maschinenbau und in Elektrotechnik in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Während im Maschinenbau noch im Jahr 2003 ein Prozentsatz von knapp 19 % Frauen zu Studienbeginn zu verzeichnen war, kletterte ihr Anteil in der Elektrotechnik zwar "nur" von 4,5% auf 9%, der lang anhaltende Aufwärtstrend sei aber unverkennbar gewesen, so Schwarze heute zum Auftakt des "Tags der Technik".

Der Erfolg des Hochschulwissenschaftsprogramms von Bund und Ländern und zahlreicher Projekte in Wirtschaft und Ingenieurverbänden macht sich derzeit auch noch bei den Studienabschlüssen bemerkbar: Im Jahr 2004 beendeten 2.700 Maschinenbauabsolventinnen(16,5 %) erfolgreich das Studium.

Nun droht angesichts deutlich rückläufiger Zahlen bei den Ingenieurstudentinnen ein baldiges Ende des positiven Langzeittrends. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Studienanfängerinnen im Maschinenbau um 6%, die Zahl ihrer Kommilitonen ging dagegen kaum spürbar zurück, um 0,6 %. In Elektrotechnik sank die Zahl der Anfängerinnen um 4 % gegenüber dem Vorjahr, in Bauingenieurwesen brach der Anteil der Frauen mit einem Minus von 11% ein.

"In den Studiengängen Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauingenieurwesen geht die Zahl der Studienanfängerinnen an den Universitäten noch stärker zurück als an den Fachhochschulen", stellt Burghilde Wieneke fest, Vizepräsidentin der Technischen Fachhochschule Berlin und Vorstandsmitglied des Kompetenzzentrums. Der negative Trend sei allerdings auch an den Fachhochschulen spürbar, ergänzt Wieneke, daher müsse das Engagement aller Hochschulen dringend durch bundesweite Aktionen der Wirtschaft, des Bundes und der Länder verstärkt werden.

Es gelte also, die guten Beispiele in der Zusammenarbeit von Schulen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen für mehr Studentinnen in den Ingenieurwissenschaften endlich in die Breite zu stellen und zu verstetigen, so das Fazit der beiden Vorstandsfrauen des Kompetenzzentrums, die dieses gleich durch konkrete Vorschläge ergänzen. Gendersensible Technologieprojekte in Schulen, wie das bundesweite Robotikprojekt ?Roberta? des Fraunhoferinstituts für Autonome Intelligente Systeme (Fraunhofer AIS) sollen zukünftig zum integralen Bestandteil des Unterrichts in allen Schulen werden. So kann schon früh das Interesse von Mädchen und Jungen für technische Fragestellungen geweckt werden. In enger Verbindung zwischen Kommunen, ihren Schulen, Hochschulen und Wirtschaft in der Region müssten solche Erfolgsprojekte von der Erprobungsphase in die Kontinuität überführt werden.

Ingenieurinnennetzwerke weisen darüber hinaus auf die Notwendigkeit flankierender Maßnahmen im Beruf hin. Es sei angesichts der zunehmenden Konkurrenz um das hohe Qualifikationspotenzial junger Ingenieurinnen und Ingenieure dringend erforderlich, für eine Arbeitsplatzqualität zu sorgen, die neben Angeboten zur Weiterqualifizierung auch eine größere Flexibilität von Arbeitszeit und -ort ermögliche. Burghilde Wieneke, Maschinenbauprofessorin und aktives Mitglied der Frauen im Ingenieurberuf (FiB) beim Verein Deutscher Ingenieure, ist überzeugt davon, dass nur so hoch qualifizierte junge Frauen, aber auch ihre jungen Ingenieurkollegen den Unternehmen als motivierte Leistungsträger erhalten bleiben werden.

Hintergrund: Das Kompetenzzentrum Technik – Diversity – Chancengleichheit e.V. fördert mit bundesweiten Projekten die verstärkte Nutzung der Potentiale von Frauen zur Gestaltung der Informationsgesellschaft und Technik sowie die Verwirklichung der Chancengleichheit von Frauen und Männern. Erfolgreiche Projekte sind beispielsweise der jährlich stattfindende "Girls?Day – Mädchen-Zukunftstag" und die "Genderaktivitäten in den Wissenschaftsjahren" – aktuell im Informatikjahr 2006.

Quelle: Kompetenzzentrum Technik – Diversity – Chancengleichheit e.V.