

DAS COMEBACK: Rückerwerb von zwei 1937 als „entartet“
beschlagnahmten Werken
Halle/Saale. - Es gleicht einer Sensation; denn der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt ist es gelungen, für das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) zwei 1937 durch die nationalsozialistische Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmte Werke zurückzuerwerben.
Es handelt sich um die Kohlezeichnung Marienkirche Halle I (1929) von Lyonel Feininger (1871–1956) und um das Aquarell Studie nach einem Baumstamm (um 1911) von Christian Rohlfs (1849–1938).
Lyonel Feininger: Marienkirche Halle I (1929)
Der mehrfach talentierte deutsch-amerikanische Musiker, Maler, Karikaturist Lyonel Feininger (1871-1956) wurde wegen seiner kubistisch, prismatisch angelegten Bildstruktur berühmt. Er gehörte der Gruppe „Blaue Vier“ und dem Bauhaus an.
Feiningers Kohlezeichnung gehört zur sogenannten Halle-Serie, bestehend aus 11 Gemälden und 29 Handzeichnungen, die der Künstler im Auftrag der Stadt zwischen 1929 und 1931 anfertigte und von der Stadt im Jahr 1931 für das Museum angekauft wurden. Im Sommer 1937 wurden alle 11 Gemälde sowie 22 der 29 Zeichnungen beschlagnahmt.
Ein Gemälde wurde während des Zweiten Weltkrieges zerstört, drei Gemälde sind heute wieder Teil der Museumssammlung; die übrigen 7 Gemälde befinden sich in deutschem Museumsbesitz. 4 Gemälde sind derzeit als Leihgaben in der aktuellen Sonderausstellung „Bauhaus Meister Moderne. Das Comeback“ im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) zu sehen.
Von den 22 beschlagnahmten Zeichnungen konnten bislang 3 Blätter zurückerworben werden, zuletzt im Januar 2019 aus amerikanischem Privatbesitz das Motiv Stadtkirche, Halle II (1929).
Nun konnte im Rahmen einer Auktion des Auktionshauses Lempertz, Köln, ein weiteres Blatt ersteigert werden. Der Erwerb von Lyonel Feiningers „Marienkirche Halle I (1929)“ wurde möglich dank der Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt/Staatskanzlei und Ministerium für Kultur und des Auktionshauses Lempertz. Das Werk befand sich über Jahrzehnte in deutschem Privatbesitz.
Christian Rohlfs: Studie nach einem Baumstamm (um 1911)
Der Maler und Grafiker Christian Rohlfs (1849-1938), auch als „Magier der Farbe“ genannt, war ein außergewöhnlich wandlungsfähiger Künstler, der vom Realismus über impressionistische und neoimpressionistische Tendenzen zum Expressionismus fand.
Sämtliche Rohlfs-Werke aus der ersten Moderne-Sammlung des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) wurden 1937 als „entartet“ beschlagnahmt. Während die Gemälde sich heute in deutschem Museums- und Privatbesitz befinden, galten alle 4 Aquarelle bis vor kurzem als verschollen. Ein Aquarell, der Hahn, nach rechts pickend (1908), konnte in Vorbereitung der Ausstellung „Bauhaus Meister Moderne. Das Comeback“ wiedergefunden werden. Zusammen mit dem Gemälde Weiden im Frühjahr (1907, heute Clemens Sels Museum, Neuss) ist es Teil der Ausstellung.
Das nun zurückerworbene Aquarell Christian Rohlfs: Studie nach einem Baumstamm (um 1911) wurde im Dezember 1940 von dem Kunsthändler Hildebrand Gurlitt aus dem als „entartet“ beschlagnahmten Kunstgut erworben. Es befand sich seither in deutschem Privatbesitz und wurde im Sommer 2019 dem Auktionshaus Ketterer, München, angeboten, das sich daraufhin im Oktober an das Museum wandte.
Die Kunstausstellung „Bauhaus Meister Moderne. Das Comeback" kann noch bis 12.01.2020 im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) besichtigt werden.
(Quelle: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt)
Bildunterschrift: Lyonel Feininger: Marktkirche Halle I, 1929, Kohlezeichnung über leicht
getöntem Fond auf Bütten, 36,7 x 29 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum
Moritzburg Halle (Saale), Foto: Kunsthaus Lempertz KG © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Christian Rohlfs: Studie nach einem Baumstamm, 1914, Aquarell auf Papier, 49 x 63 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Kulturstiftung
Sachsen-Anhalt
Weitere Informationen:
www.kulturstiftung-st.de
www.kunstmuseum-moritzburg.de
Zuerst auf Facebook veröffentlicht. Zum Originalbeitrag ↗


