

Residenzschloss Ludwigsburg
Kostbarer Geschmack über Grenzen: Windsor Castle und Württemberg
Bei der Weihnachtsansprache der Queen entdeckt: In Windsor Castle steht eine kostbare Prunkuhr, die auch zur Ausstattung im Residenzschloss Ludwigsburg gehört.
Dr. Patricia Peschel, die die fulminante Restaurierung und Sanierung der Königswohnungen im Neuen Hauptbau von Schloss Ludwigsburg wissenschaftlich leitet, entdeckte im TV während der Weihnachtsansprache der Queen Elizabeth II. eine Uhr, die sie aus Schloss Ludwigsburg kannte.
Es handelt sich um eine Kaminuhr mit der Darstellung einer antiken römischen Geschichte: Zu sehen ist eine Episode aus dem Krieg zwischen den Römern und den Sabinern. Die luxuriöse Kaminuhr aus vergoldeter Bronze auf einem Marmorsockel entstand um 1810; ihr Schöpfer ist Philippe Thomire in Paris, seinerzeit der führende Händler bei dem der europäische Hochadel solche kostbaren Einrichtungsstücke kaufte. Das Exemplar, das in Ludwigsburg steht, stammt aus dem Neuen Schloss Stuttgart.
Unter den Königen Friedrich I. und seinem Nachfolger Wilhelm I. von Württemberg war sie im sogenannten „Gelben Assembleezimmer“ aufgestellt, einem repräsentativen Empfangsraum im Mitteltrakt des Stuttgarter Schlosses, gelegen links vom Marmorsaal. Im zeitgenössischen württembergischen Schlossinventar lautet die Beschreibung: „1. grosser ganz vergoldeter Pendule mit Figuren welche eine Scene aus dem Krieg der Römer mit den Sabinern vorstellt.“
Ein Geschenk an den König?
Dr. Patricia Peschel hat inzwischen auch die Details zur Geschichte der beiden Uhren nachgeprüft: „Die Uhr, die hinter der Queen zu sehen ist, wurde 1812 vom britischen König Georg IV. gekauft; die Uhr in unserem Besitz wurde wohl 1811 oder 1812 von König Friedrich I. gekauft oder ihm geschenkt: Wir finden den Nachweis ab 1812 in seinem Privatinventar.“ Und sie ergänzt: „Für solche Stücke für Schlossausstattungen war seinerzeit Philippe Thomire der führende Händler. Der europäische Hochadel kaufte bei diesem begehrten Händler in Paris.“
Imperiale Pracht in den Württembergischen Schlössern
Dass Exemplare der kostbaren Uhr sowohl zur Ausstattung in Windsor Castle als auch zu der der württembergischen Residenz gehörten – das ist kein Zufall. Friedrich, der erste König von Württemberg, war mit Charlotte Mathilde, einer britischen Königstochter, verheiratet. Um 1800 betrieb das württembergische Herrscherhaus die Modernisierung der Hauptresidenz in Stuttgart und der Sommerresidenz in Ludwigsburg. Dabei orientierte man sich, immer im Blick auf den Aufstieg zur Königswürde, an den bedeutendsten Schlössern der Zeit. Man blickte auf die Schlösser des französischen Kaisers, des britischen Königs und der russischen Zaren – und orientierte sich im Niveau an der europäischen Spitze.
Auch das ist eine Erkenntnis der aktuellen Arbeit der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg: „Wir erkennen immer mehr, wie imperial die württembergischen Schlossausstattungen um 1800 waren, in Ludwigsburg, aber vor allem auch im Neuen Schloss in Stuttgart“, erklärt Oberkonservatorin Dr. Patricia Peschel. Für 2023 ist die Wiedereröffnung der Königswohnungen in Schloss Ludwigsburg geplant – dann wieder in exakt dem Zustand, wie sie vom ersten württembergischen Königspaar am Beginn des 19. Jahrhunderts eingerichtet worden waren.
(Quelle: Schlösser und Gärten Baden-Württemberg)
Weitere Informationen:
www.schloss-Ludwigsburg.de
www.schloesser-und-gaerten.de
* Residenzschloss Ludwigsburg. Philippe Thomire Prunkuhr. Foto: © ssg-pressefoto
* Weihnachtsansprache Queen Elizabeth II. 2019 Windsor Castle Foto: © ssg-pressefoto
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