Umschlaggestaltung und Satz: Berliner Süden/Umschlagabbildung: Retha Ferguson
Umschlaggestaltung und Satz: Berliner Süden/Umschlagabbildung: Retha Ferguson
Foto: Maryse Condé
Foto: Maryse Condé

Trier. - Maryse Condé, die große Erzählerin aus der Karibik, ausgezeichnet mit dem alternativen Nobelpreis 2018, beschreibt ihre Kindheit im Guadeloupe der zu Ende gehenden Kolonialzeit.

Als jüngstes Kind von 8 Geschwistern fällt Maryse Condé die unfreiwillige Nesthäkchenrolle zu. Zu sehr verwöhnt und zu sehr behütet wächst sie in einer Familie der schwarzen Oberschicht in Pointe-1à-Pitre, größte Stadt Guadeloupes, auf. Ihre Eltern setzen alles daran - jenseits von Klassen- und Rassenressentiments - als „echte Franzosen“ anerkannt zu werden. Für Maryse kommen ihre Eltern als „Entfremdete“ vor, ohne stolzen Bewusstseins ihrer afrikanischen Herkunft.

In 17 Kurzgeschichten erzählt Maryse Condé humorvoll ihren Lebensweg von „der frühreifen, aufsässigen Göre“ bis hin zu ihrem 16. Lebensjahr, dem Eintritt ins Erwachsenendaseins. Mit wacher Beobachtungsgabe erinnert sie sich an glückliche und leidvolle Kinderfreundschaften. Mal beschreibt sie die von den Eltern eingegrenzte Freiheit, die unendliche Schönheit von Guadeloup zu entdecken. Mal sind es erste Erlebnisse jugendlicher Verliebtheit oder die Trauer um den frühen Tod ihres bewunderten „großen Bruders“, der sie ratlos und einsam zurück lässt.

Geschichten schreibt sie über ihre Mutter wie diese die Schwangerschaft der Nachzüglerin in allen Gemütslagen durchlebt oder deren Geburtstag („dessen Ablauf genauso geregelt war wie eine Thronbesteigung“). In der Geschichte „Die Lehrerin und Marguerite“ schildert Maryse Condé zernervendes Mobbing und eine zunächst herzerfrischende Mädchenfreundschaft, die abrupt endet. Lachen und Weinen liegen auch hier dicht beieinander.

Jede Kurzgeschichte dieser Autobiographie ist für sich betrachtet ein literarisches Gustostück, nicht ohne sozialkritische Bespiegelung. Gleichwohl geben sie Einblicke in die Metamorphose eines kleinen Mädchens hin zur eigenständig-freiheitlichen jungen Frau.
bk.

Maryse Condé: „Mein Lachen und Weinen. Wahre Geschichten aus meiner Kindheit“. Aus dem Französischen von Ingeborg Schmutte; Softcover, 149 Seiten, 13 Euro, ISBN 978-3-940435-35-4 Litradukt Verlag, Trier.

Die Autorin
Maryse Condé (geb. 1937 in Pointe-à-Pitre) studierte an der Sorbonne. 1988 verfaßte sie ihren Bestseller Segu. In den siebziger Jahren promovierte sie über Stereotypen von Schwarzen in der karibischen Literatur und lehrte anschließend bis 2002 an der Columbia University in New York. Ihre Werken wurden vielfach ausgezeichnet, darunter 1993 mit dem Puberbaugh-Preis, den sie als erste Frau erhielt. 2018, in dem Jahr, in dem der reguläre Nobelpreis für Literatur nicht vergeben wurde, wurde ihr der alternative Nobelpreis verliehen. Sie lebt heute im südfranzösischen Gordes.

Der Verlag
Litradukt, gegründet 2006, seit 2012 in Trier ansässig, ist ein auf karibische Literatur spezialisierter Kleinverlag.

Weitere Informationen:
www.litradukt.de

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Zuerst auf Facebook veröffentlicht. Zum Originalbeitrag ↗