



Mainz. - Als Papst Johannes XIII. am 14. April 972 in Rom Kaiser Otto II. mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu vermählte, stand sie neben dem neuen Kaiserpaar im Mittelpunkt und verband in einer einzigartigen Konstellation das abendländische mit dem byzantinischen Kaiserreich. Noch heute gilt sie als die schönste Urkunde des Mittelalters: die Heiratskurkunde Theophanus.
Gold und Purpur waren im Mittelalter Symbole und Ausdruck der kaiserlichen Macht und Basis für prunkvolle Dokumente. Die Kunst diese kostbaren Materialien auf einer Prachturkunde zu vereinen, beherrschten im Mittelalter nur wenige Klosterschreibstuben. Konzipiert war das Gesamtkunstwerk als Rotulus, der sich aus 3 Pergamenten kunstreich zusammensetzt. Mit einer Größe von 144,5 cm x 39,5 cm hatte er enorme Ausmaße und besaß ein bis zu diesem Zeitpunkt kaum bekanntes Spiel von Farbe und Symbolik.
Die Urheber dieser Urkunde verstanden es, das Pergament wie Seide glänzen zu lassen. Es war nicht der Saft tausender Purpurschnecken, der den weltberühmten Purpurrotton ergab, es war die geniale, jahrtausendealte Mischung einer Grundschicht hellroter Mennige mit dem Saft der Färberröte, die der Urkunde ihr einzigartiges Aussehen verlieh.
Die perfekt aufgetragene Goldtinte setzte sich aus einer Mischung von Silber, Blattgold und Honig zusammen. Die kräftigen Blautöne entstanden durch den Einsatz von Indigo, das zusammen mit dem Alizarin der Färberröte zu den ältesten Pflanzenfarbstoffen der Menschheitsgeschichte gehört.
Erst im Jahr 1966 konnte nach einer genauen Materialanalyse die Zusammensetzung dieser Farbkomposition ermittelt werden. Aus den Wurzeln der Färberröte konnte man das verlackte Pigment Krapplac herstellen, mit dem das Pergament der Hochzeitsurkunde überzogen war. Es bot mehr als 1000 Jahre einen idealen Feuchtigkeitsschutz und trug zusammen mit dem über 800 jährigen Verbleib der Urkunde im Archiv des Reichsstifts Gandersheim maßgeblich zum hervorragenden Erhaltungszustand bei.
Kein Geringerer als Gottfried Wilhelm Leibniz entdeckte die wohl farbigste Urkunde des Mittelalters 1707 bei Arbeiten im Gandersheimer Archiv. Heute liegt sie perfekt geschützt im Niedersächsischen Landesarchiv zu Wolfenbüttel.
Sie beleuchtet durch ihre beeindruckenden Motive wie keine andere Urkunde des Mittelalters die Harmonie und Gegensätzlichkeit von Mann und Frau, Orient und Okzident, der irdischen und der geistigen Welt. Was als strategische Vermählung der mächtigen Kaiserreiche Europas begann, wurde im Laufe der Jahre zu einer Verbindung von Vertrauen und Liebe.
Theophanu schenkte der ottonischen Dynastie 6 Kinder. Sie sorgte zudem für einen enormen Innovationstransfer in der Kunst, Architektur, Medizin und Wissenschaft. Der viel zu frühe Tod ihres Mannes machte sie für 8 Jahre zur mächtigsten Kaiserin des Abendlandes.
Die Heiratskurkunde der Theophanu ist eines der wertvollsten Dokumente der Zeitgeschichte. AB FEBRUAR 2021 IN DER LANDESAUSSTELLUNG IN MAINZ ZU SEHEN. (Stand: 23.11.2020)
(Quelle: Cab Artis)
Weitere Informationen:
www.kaiser2020.de
www.cab-artis.de
Die Größe der Heiratskurkunde der Kaiserin Theophanu beträgt 144,5 cm x 39,5 cm. Sie befindet sich im Niedersächsischen Landesarchiv zu Wolfenbüttel.
* Detailbilder 1-3 der Heiratskurkunde der Kaiserin Theophanu. Das Dokument befindet sich im Niedersächsischen Landesarchiv zu Wolfenbüttel.
* Landesmuseum Mainz. Bild: Ursula Rudischer
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