Senioren spielen die Zauberharfe. Cab Artis: Foto: © Tim Hufnagl
Senioren spielen die Zauberharfe. Cab Artis: Foto: © Tim Hufnagl
Eine fertige Zauberharfe. Cab Artis: Foto: © Tim Hufnagl
Eine fertige Zauberharfe. Cab Artis: Foto: © Tim Hufnagl
Zauberharfe mit Notenblatt. Cab Artis: Tim Hufnagel
Zauberharfe mit Notenblatt. Cab Artis: Tim Hufnagel
Das Spielen auf der Zauberharfe lässt sich kinderleicht erlernen. Cab Artis: Tim Hufnagel
Das Spielen auf der Zauberharfe lässt sich kinderleicht erlernen. Cab Artis: Tim Hufnagel
Blick in die Zauberharfen Werkstatt. Cab Artis: Tim Hufnagel
Blick in die Zauberharfen Werkstatt. Cab Artis: Tim Hufnagel
In der Gruppe auf der Zauberharfe zu spielen ist beglückend. Foto: © Tim Hufnagl
In der Gruppe auf der Zauberharfe zu spielen ist beglückend. Foto: © Tim Hufnagl

Mistendorf. - Sarah (Name von der Redaktion geändert) hatte Covid-19 eigentlich nach drei Wochen überstanden. Die Mutter eines kleinen Mädchens hatte einen mittelschweren Verlauf und wähnte sich geheilt.

Doch alles, was dann kam, war viel schlimmer als die Krankheit selbst. Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Konzentrations- und Motorik-Probleme. Und mit jedem Tag, an dem das nicht verging kamen die Zukunftsängste, „geistige Bewegungsstarre“, und schließlich der Beginn einer Depression.

„Vor Corona habe ich als Schwimmtrainerin und in einem Fitness-Studio gearbeitet. Ob es nach Corona dieses Studio überhaupt noch geben wird, ist ungewiss, und die Schwimmbäder sind sicher auch noch sehr lange geschlossen. Dazu bin ich von ‚fit‘ meilenweit entfernt, schon eine Treppe ist eine große Herausforderung. Die Ungewissheit für meine berufliche Zukunft und für meine Gesundheit zermürben mich“, sagt die 35-Jährige.

„Ich war in einer Phase, in der ich mich körperlich richtig elend gefühlt habe, nicht wusste, ob die Symptome wieder weggehen würden und bekam richtige Angst vor der Zukunft.

Zum Glück hatten wir keinen ganz harten Lockdown, und so konnte mich meine Freundin besuchen. Sie arbeitet als ‚mobile Musiktherapeutin‘, hat jetzt aber mehr Zeit, weil sie nicht in ihr bevorzugtes Altenheim gehen darf. So kam sie an jenem schicksalhaften Mittwoch zu mir - der Tag, den ich getrost als den Beginn meines neuen Lebens bezeichnen darf. Mein entscheidender Impulsgeber war ein besonderes Musikinstrument, die Zauberharfe.

Diese Zauberharfe hat mir auf so vielschichtige Weise geholfen: Primär ist sie ein wirklich außergewöhnliches Musikinstrument, weil man durch ein besonderes Notensystem sofort spielen kann, auch wenn man nie vorher mit Musik zu tun hatte. Allein das war schon wunderschön.

Meine Freundin hat mit mir auch ein paar ganz einfache Übungen zum bewussten tiefen Atmen gemacht und mir gezeigt, wie ich - ganz einfach - durch das Spielen einzelner Töne, darauf hören und mit-atmen auf eine sehr angenehme Art und Weise das richtige und tiefe Atmen trainieren kann. Sie hat mir schließlich das Instrument ausgeliehen, und als ich mal ganz alleine war, habe ich angefangen, auch einige von den Liedern mitzusingen."

Was für Sarah erst einmal etwas atemlos und - wie sie selbst sagt - leicht schief tönend begann, hat maßgeblich zu ihrer Heilung beigetragen. Der psychologische Wert der Musik bedarf wohl keine Erklärung mehr, hier ging es jedoch weit darüber hinaus: Das gezielte Training tiefer Atemzüge und das Training des Zwerchfells durch das Singen haben für die Lungenfunktion einen bestmöglichen Therapie-Erfolg erzielt.

„Wieder frei Atmen zu können, spazieren zu gehen ohne Atemnot, das hat meine Lebensqualität wiederhergestellt", sagt Sarah, die nun auch wieder optimistisch in die Zukunft blickt.

„Diese kleine Zauberharfe hat ihren Namen wirklich zu Recht, sie hat mir einen völlig neuen Lebensweg gezaubert."

Sarahs Augen strahlen, wenn sie davon berichtet, was seit jenem Mittwoch alles passiert ist.

"Nicht nur, dass ich für mich selbst das Singen und die Musik entdeckt habe, ich wollte das, was mir so gut getan hat, auch an andere weitergeben."

Für Sarah war es klar, dass sie nicht so bald wieder in ihren alten Beruf zurückkehren kann, und so hat sie sich entschlossen, im schwäbischen Münsingen an der renommierten Akademie für Musikpädagogische Ausbildung einen Kurs in Musikgeragogik zu absolvieren. Inzwischen betreut sie ein halbes Dutzend rüstige Rentner und Rentnerinnen in ihrer Nachbarschaft, die sie mit ihren Zauberharfen besucht. Dann wird musiziert und dabei das bewusste tiefe Atmen trainiert.

"Sobald es wieder möglich ist, möchte ich noch eine weitere Ausbildung machen, um in Zukunft auch in einem Reha-Zentrum als Therapeutin arbeiten zu können. Ich möchte den Menschen, denen es mit den Post-Covid-Symptomen so wie mir ergangen ist, unbedingt helfen.

Meine Zauberharfen sind hier die allerbesten Assistenten.“
(Autor: Thomas Spindler/Cab Artis)

Weitere Informationen:
www.zauberharfe.de/long-covid/
www.zauberharfe.de
https://musikakademiebw.de

Zuerst auf Facebook veröffentlicht. Zum Originalbeitrag ↗