

Regensburg. - Ein See mit Geschichte! Genauer gesagt: rund 380 Quadratkilometer Wasser, umgeben vom Alpenkamm im Norden und von der Po-Ebene im mediterranen Süden, schreiben seit Jahrtausenden Historie.
Welche Rolle der Gardasee im Laufe der Jahrhunderte in politischer, wirtschaftlicher, aber auch in touristischer Hinsicht bis heute spielt, zeigt Karin Schneider-Ferber facettenreich auf. Mildes Klima, fruchtbares Land boten und bieten Lebenslust und Genuss. Gleichwohl galten der Gardasee und dessen Umgebung Jahrhunderte lang als Zankapfel machtpolitischer Gelüste.
Nach einem poetischen Entree des Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers, Paul Heyse, führt uns die Autorin durch die Chronologie des größten italienischen Sees.
In 12 Kapiteln schildert sie die wechselhafte Geschichte des viel umschwärmten Gardasees. Beginnend mit „Ötzi“ durchwandert sie mit uns die geschichtsträchtigen Zeiten wie etwa die der kämpferischen Franken und Staufer, den der schönen Künste zugewandten Scaligeri sowie die Epoche der nachfolgenden Serenissima, die den Handel mit Wein, Papier und Oliven erfolgreich betrieben.
Renaissance und Barock markieren mit Luxusvillen und Gartenanlagen den gehobenen Lebensstandard der Herrschenden. In Kontrast dazu folgen Napoleon, Diktatoren wie Mussolini und die Nationalsozialisten. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Italien demokratische Republik und der Gardasee in drei italienische Provinzen aufgeteilt.
Das letzte Kapitel „‘Man erzählt die Stunden nicht‘: Tourismus am See“ spricht schon für sich; einerseits flammt die Liebe zu einem der wohl schönsten Seen der Welt ungebremst auf, andererseits signalisiert in diesem Zusammenhang das Wort „Tourismus“ nur bedingt Erfreuliches.
Immerhin haben Schlagworte wie Massenmotorisierung, Umweltzerstörung und Klimawandel den „Lago di Monaco“ längst eingeholt. Doch sei‘s drum, bis heute hat sich der Sehnsuchtsort in den Herzen enthusiastischer Gardasee-Liebhaber fest verankert.
Die Autorin räumt mit dem Vorurteil „Geschichte sei langweilig“ überzeugend auf. Vielmehr erweist sich das Büchlein als unterhaltsamer Reiseführer in die Vergangenheit des Gardasees.
Nicht zuletzt auch deshalb, weil die profunde Geschichtskennerin in eingestreuten Porträts zwei bedeutende Frauen im ansonsten männerdominierten Themenfeld porträtiert.
Es ist Adelheid von Burgund (931/32-999), eine kluge Persönlichkeit, die wegen ihrer Verdienste 1097 sogar heiliggesprochen wurde.
Und die Markgräfin Isabella d‘Este Gonzaga (1474-1539) war im Zuge der Renaissance eine bedeutende Mäzenin und machte Mantua zu einer außerordentlichen Stadt der Künste.
bk.
Die Autorin
Karin Schneider-Ferber, M.A. (geb. 1965) lebt in Berlin. Sie schreibt u.a. für die Zeitschrift G/Geschichte sowie für zahlreiche Publikationen zu historischen Themen. Bei Pustet erschienen ihre Bücher „Isabeau de Bavière“ und „Philippine Welser“.
Karin Schneider Ferber: „Kleine Geschichte des Gardasees“, kartoniertes Buch, 176 S., 16,95 €
(inkl. MwSt.), ISBN/EAN: 9783791732152, erschienen am 22.03.2021, Verlag Pustet, Regensburg
Weitere Informationen:
www.pustet.de
1 Cover „Kleine Geschichte des Gardasees“
2 Karin Schneider Ferber. Bild: privat
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Zuerst auf Facebook veröffentlicht. Zum Originalbeitrag ↗


