

Im Gespräch mit: Dr. Elisabeth Dühr, Direktorin des Stadtmuseums Simeonstift Trier
Nach mehr als 30 Jahren hat sie für 2023 ihren Ruhestand geplant
Trier. - Seit 1997 ist Dr. Elisabeth Dühr Direktorin des Stadtmuseums Simeonstift Trier. Mit der Neueröffnung des Museums im Jahr 2007, der Profilschärfung der stadtgeschichtlichen Sammlung und der Erweiterung der Vermittlungsangebote hat sie die Museumsstadt Trier maßgeblich geprägt. „Der Untergang des Römischen Reiches“ wird aller Voraussicht nach ihre letzte große Landesausstellung sein. Für 2023 hat sie ihren Ruhestand geplant.
CAB ARTIS:
Rückblickend, was sind die großen Veränderungen, die Sie in Ihrer Museumslaufbahn erlebt haben?
Dr. Elisabeth Dühr:
Definitiv die Öffnung der Museen für ein breit gefächertes Publikum. „Museum für alle“ ist ein Slogan, der sich mehr und mehr durchsetzt. Das finde ich absolut richtig. In einem Museum werden die Kulturschätze der Allgemeinheit aufbewahrt und für diese sollten sie auch zugänglich sein. Dabei spreche ich nicht nur von Inklusion und Barrierereduktion, wie wir sie in unserem Haus schon seit Jahren vorantreiben. Wichtig ist auch, inhaltliche Schwellen zu senken. Themen, die unsere Besucher in ihrem Alltag abholen. Eine verständliche Vermittlung. Das sollte eine Ausstellung heute leisten, damit sie an Attraktivität mithalten kann. Ein Museum sollte ein Ort des Austauschs und der Kommunikation sein.
CAB ARTIS:
Also keine Verlagerung des Museums ins Digitale, wie es während des Lockdowns immer wieder diskutiert wurde?
Dr. Elisabeth Dühr:
Da liegt wie bei vielem die Wahrheit in der Mitte. Bei einer neuen Ausstellung würden wir bei der Vermittlung auch auf die aktuelle Medientechnik setzen. Die Priorität sollte aber immer beim Analogen liegen. Vor allem darf das Original nicht an Wert verlieren. Im Museum haben wir die einzigartige Gelegenheit, Objekte aus vergangenen Zeiten zum Sprechen zu bringen. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Angesichts der digitalen Durchdringung so vieler Lebensbereiche sollte man dies in den Fokus nehmen. Das Digitale ist ein Hilfsmedium. Es sollte das Original nicht ersetzen.
CAB ARTIS:
War das auch Ihr Ansatz bei „Das Erbe Roms. Mythen und Visionen in der Kunst“, Ihrem Beitrag zur Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“?
Dr. Elisabeth Dühr:
Das würde ich unterstreichen. In unserer Ausstellung geht es um die Wirkungsgeschichte des Mythos Roms nach dem Untergang des Römischen Reichs, also von der Zeit des Mittelalters bis in die Gegenwart. Das könnte man natürlich auch in einem spannenden Buch abhandeln.
Aber wir haben dieses Thema genutzt, um großartige Kunstwerke von renommierten Museen aus der ganzen Welt nach Trier zu bringen. Die teils riesigen Originale lassen die Rezeptionsgeschichte des Themas erst deutlich werden. Auch als erzählerisches Medium einer vergangenen Zeit. Aus der Art Gallery of South Australia in Adelaide haben wir ein Gemälde geliehen, das Kaiser Honorius beim Füttern seiner Hühner und Tauben zeigt. Das Gemälde ist so groß, dass wir es mit einem Kran einbringen müssen.
Was veranlasste Waterhouse im 19. Jahrhundert zu dieser Darstellung? Welche Intention steckte dahinter? Wie wirkte das gigantische Bildwerk auf die Zeitgenossen? Das Auge für solche Fragen zu schulen, ist in Zeiten heutigen Bildkonsums eine wichtige Aufgabe. Vermittlungsarbeit spielt in unserer Ausstellung daher eine große Rolle. Hands-on- und Medienstationen fordern unsere Besucher an mehreren Stellen zur Interaktion und Selbstbefragung auf.
CAB ARTIS:
Gibt es eine Person, mit der Sie sich in der Ausstellung besonders identifizieren?
Dr. Elisabeth Dühr:
Boudicca fällt mir da sofort ein, eine britische Nationalheldin und hier kaum bekannt. Sie kommt in unserem Ausstellungskapitel „Helden gegen Rom“ vor, eine mutige Frau, die im 1. Jahrhundert n. Chr. gegen die römischen Besatzer aufbegehrte.
CAB ARTIS:
Was sind Ihre unvergessenen Momente nach mehr als 30 Jahren im Stadtmuseum?
Dr. Elisabeth Dühr:
Da gäbe es viele schöne Anekdoten zu berichten. Wir haben ein sehr angenehmes Betriebsklima in unserem kleinen Team. Der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen, das wissenschaftliche Arbeiten und die Ausstellungskonzeption, das alles wird mir daher sehr fehlen, wenn ich in Rente gehe. Die Verwaltungsangelegenheiten nicht.
Sie lacht.
Dr. Elisabeth Dühr (* 1957) studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie in Heidelberg und Bonn. Ihre Promotion zum Thema „Kunst am Bau und im öffentlichen Raum“ schrieb sie in Bochum bei Prof. Dr. Buschmann. Seit 1989 ist sie am Stadtmuseum Simeonstift Trier tätig, seit 1997 als Direktorin. Mit der Neueröffnung des Museums im Jahr 2007, der Profilschärfung der stadtgeschichtlichen Sammlung und der Erweiterung der Vermittlungsangebote hat sie die Museumsstadt Trier maßgeblich geprägt. Seit 2011 ist sie zudem Vorstand des Museumsverbands Rheinland-Pfalz. Ihr Interessensschwerpunkt liegt bei der Rezeptionsgeschichte kulturhistorischer Themen über die Jahrhunderte, wie bei der aktuellen Ausstellung „Das Erbe Roms. Visionen und Mythen in der Kunst“. Für 2023 plant sie ihren Ruhestand.
Quelle: CAB ARTIS
Weitere Informationen:
https://museum-trier.de
www.cab-artis.de
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Zuerst auf Facebook veröffentlicht. Zum Originalbeitrag ↗


