ZDF: “Nachtschicht – Wir sind alle keine Engel” – Interview mit Schauspielerin Barbara Auer

In dieser "Nachtschicht" von Autor und Regisseur Lars Becker gerät der Kriminaldauerdienst (KDD), dargestellt von dem Schauspieler-Quartett Barbara Auer, Armin Rohde, Minh-Khai Phan-Thi und Christoph Letkowski in eine rasante Verfolgungsjagd. In weiteren Rollen spielen Özgür Karadeniz, Margarita Broich, Tristan Seith, Edin Hasanovic, Kida Khodr Ramadan, Chiara Schoras, Arnel Taci, Clemens Schick, Nova Meierhenrich und andere.

Zum Inhalt: Die "Ab-in-die-Wüste-Schlussmacherwoche" auf Radio-Mega: "Ruf' an und servier' Deinen ungeliebten Partner ab!", kündigt die Moderatorin Milla (Katrin Bauerfeind) das aktuelle Motto der kultigen Radioshow an.

Bildtext: Katrin Bauerfeind. Foto: Copyright: ZDF / Gordon A. Timpen

Das lässt sich Pizza-Bote Mufti Korkmaz (Arnel Taci) nicht zweimal sagen. Am besten soll Milla gleich live in ihrer Sendung seiner Freundin Sharronda (Alina Levshin) den Laufpass geben. Radio-Chef Simon (Hans Jochen Wagner) ist begeistert – das bringt Quote! Doch niemand hat gerechnet, dass bei Muftis Ex-Perle eine Sicherung durchbrennt.

Eine rasante Verfolgungsjagd durch die heiße Hamburger Nacht beginnt und wird live von Radio Mega begleitet. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Sie bedient sich aus dem reichhaltigen Waffenarsenal ihrer Brüder Dexter und Gordon und nimmt erst einmal ihre Blumenchefin Wilma als Geisel. Was sie genau von Wilma will, ist ihr selbst noch nicht ganz klar. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse.

Bildtext (v.l.): Floristin Wilma Tönnis (Chiara Schoras) und Sharronda Herold (Alina Levshin). Foto: ZDF/GORDON Photographie

"Es gibt immer Überraschungen" – Interview mit Barbara Auer (Lisa Brenner) 

Frau Auer, Sie schieben seit dem vierten Film "Der Ausbruch", also seit 2005, einmal im Jahr eine "Nachtschicht". Mögen Sie Ihre Figur Lisa Brenner immer noch? 

Natürlich hadere ich inzwischen manchmal mit Lisa Brenner, so wie sie selbst auch manchmal müde ist und keine Lust mehr hat, Ordnung und Gerechtigkeit in einer kaputten Welt zu schaffen, um dabei dann doch immer wieder auf Ungerechtigkeit und Unbelehrbare zu treffen. Und nach über zehn Jahren haben wir viele unterschiedliche Geschichten mit wechselndem Opfer- und Täter-Personal erzählt, nur wir Hauptfiguren sind im Grunde die Gleichen geblieben. Zumal es bei den Kommissaren ja nie darum geht, ein Privatleben zu entwickeln. Da fragt man sich natürlich, ob jetzt vielleicht alles auserzählt ist, was es von einer Figur zu erzählen gibt …

Wenn ein neues Drehbuch von Lars Becker bei Ihnen ankommt, welche Gedanken überwiegen dann bei Ihnen?
Ich bin auch nach Jahren immer noch gespannt, wenn ich ein "Nachtschicht"-Drehbuch bekomme, denn selbst, wenn man das Thema vielleicht vorher kennt, gibt es immer Überraschungen. Lars Becker erzählt ja manche Geschichten sehr skurril, schräg und auch mit einer gewissen Leichtigkeit, andere dagegen sind düster, dreckig und ernst. Aber selbst wenn ein Drehbuch beim ersten Lesen schon ziemlich rund und stimmig erscheint, schreibt er es bis zum Drehbeginn noch mehrmals um. Dieser Perfektionismus ist beeindruckend. Und manchmal nimmt die Geschichte so noch eine ganz andere Wendung oder sie wird unglaublich aktuell, weil er aufgreift, was tagespolitisch gerade wichtig ist.

Der Geist jeder "Nachtschicht" ist ein anderer. Was ist das Besondere an dieser Episode?
Diese Episode ist eine Mischung, sie kommt sehr leicht und komisch daher, ganz im Zeitgeist der Radiosendung, mit der sie beginnt. Und dennoch bleibt einem natürlich irgendwann das Lachen im Hals stecken. Auch hier wird man als Zuschauer wieder die Sympathie-Fronten wechseln. Und man ertappt sich dabei, Leute zu mögen, mit denen man eigentlich gar nichts zu tun haben möchte.

Die 12. "Nachtschicht" trägt den Titel "Wir sind alle keine Engel", was fällt Ihnen spontan zu diesem Satz ein? Sind Sie immer ein "Engel"?
Das klingt wie eine Ausrede. Eine Ausrede von Leuten, die ziemlich viel Dreck am Stecken haben. Und ob ich immer ein Engel bin? Natürlich nicht, auch wenn ich schon meistens ein ziemlich braves Mädchen bin, so wie Lisa Brenner.

Die Drehorte sind von Lars Becker und seinem Team sorgfältig ausgewählt und oft sehr speziell. Hat sich durch Ihre regelmäßige Arbeit mit Lars Becker Ihr Blick auf die Stadt Hamburg verändert? Und wenn ja, in welcher Weise?
Ja, ein bisschen. Man lernt durchaus andere Viertel und Gegenden von Hamburg kennen, in die man sonst kaum käme. Und dann weiß man manchmal nicht, was spannender ist: die Szene, die man grade dreht oder die Wirklichkeit drum herum.
Das Interview führte Ellen Wirth

Bildtext (v.l.): Erichsen (Armin Rohde) und Lisa Brenner (Barbara Auer). Im Hintergrund: Apothekerin und Wachman Ronny Vogel (Nova Meierhenrich u. Clemens Schick). Foto: ZDF/GORDON Photographie

Weitere Informationen:
https://fernsehfilm.zdf.de

Titelbild (v.l.): Mimi Hu (Minh-Khai Phan-Thi) und Lisa Brenner (Barbara Auer). Foto: ZDF/GORDON Photographie