Jüdisches Museum München: Jukebox. „Jewkbox!“

Thomas Alva Edison erfand 1877 den ersten Phonographen. Als Diktiergerät fürs Büro war er gedacht. 1887 ließ sich der deutsch-jüdische Emigrant Emil Berliner in den USA seinen „scheibenförmigen Tonträger“ patentieren. Von da an gab’s kein Halten mehr, der Erfolg der Schallplatte nahm ihren Lauf.

Bildtext (o.): Barbra Streisand, Streisand Superman. Columbia, USA 1977 (Jüdisches Museum Hohenems). Foto: Robert Fessler.

Auch wenn sie kratzte und rauschte und knisterte – die Schallplatte ob aus Schellack oder Vinyl, der Plattenspieler und die Jukebox – die den Namen Jewkbox durchaus verdient – waren und sind von unvergleichlichem Reiz und damit die wichtigsten Massenmedien der Populärkultur im 20. Jahrhundert.

Wie die neue Ausstellung „Jukebox. Jewkbox!“ im Jüdischen Museum in München vor Augen führt, sind jüdische Musiker, Künstler wie Sänger und Theaterleute, Songwriter, Plattenproduzenten, Erfinder mit diesen Medien untrennbar verbunden.

Bildtext (o.): Amy Winehouse: Back to Black (Part 1). Not on Label (Amy Winehouse), Pict. 107, Picture Disc, Unofficial Release, France 2011 (Jüdisches Museum Hohenems). Foto: Robert Fessler

Im Museumsfoyer begrüßt die Besucher eine auf Hochglanz polierte Jukebox. Für 50 Cents oder einen Euro spielt sie auf wie einst im Mai. 

Im Obergeschoss sind verschiedene historische Grammophone zu bestaunen. In der Lounge werden Musikvideos abgespielt, Sophie Tucker singt „in strahlender Imposanz“, so eine Pressemitteilung.

Im „Plattenladen“ lädt ein langer beleuchteter Tisch ein, die unzähligen Plattencover aus Vergangenheit – einige wunderbare Raritäten sind darunter – und Gegenwart zu bewundern. Natürlich gibt es auch etwas zu hören: Menschen berichten von ganz persönlichen „Schellack-Erlebnissen“, historische Aufnahmen führen in die Vergangenheit zurück.

Die Ausstellung erzählt von der Verwandlung synagogaler Musik in bürgerlichen Kunstgenuss, von der Neuerfindung jüdischer Folkmusik, jiddischen Theaterliedern und ihrer Shtetlromantik (Fiddler on the Roof), bis zu Klezmer, rebellischem Punk. In die Kategorie Popmusik gehören z.B. Esther und Abi Ofarim.

 

Bildtext (o.): Eine der berühmtesten jüdischen Sängerinnen war Sophie Tucker. Sie sang 1947: Life begins at Fourty. Columbia, UK ca. 1947 (Jüdisches Museum Hohenems). Foto: Robert Fessler.

Ein weitgehend unbekanntes Kapitel der Musikgeschichte wird ebenfalls aufgeschlagen: jüdische Musiker aus der arabischen Welt und aus dem Iran. Die als Kind aus dem Iran nach Israel eingewanderte Rita Yahan Farouz z.B. singt 2013 vor der UN-Vollversammlung auf Farsi, Hebräisch, Englisch.

Erstaunen und Befremden löst ein jahrzehntealtes Plattencover zur „Geschichte Israels“ aus. Erzähler ist ein gewisser Jean-Marie Le Pen.

„Jukebox. Jewkbox! – Ein jüdisches Jahrhundert auf Schellack und Vinyl“, 25. März bis 22. November 2015, Jüdisches Museum München, Jakobsplatz. Der Katalog (312 Seiten) ist im Bucher Verlag, Hohenems, erschienen und kostet Euro 29.90.
Doris Losch

Weitere Informationen:
www.juedisches-museum-muenchen.de

Titelbild: "Trade Mark Grammophon", ca 1900 (Sammlung Rolf Geigle, Bad Urach). His Master's Voice ist seit 1899 eines der erfolgreichsten Logos der Welt. Der Hund hieß übrigens Nipper. Foto: Franz Kimmel