Münchner Stadtmuseum: Gretchen mag’s mondän – Damenmode der 1930er Jahre

So dunkel dieses Jahrzehnt politisch war, so vielfältig, bunt und luxuriös war die Mode. Paris gab den Ton an, auch wenn die NS-Diktatoren offiziell die „Mädels“ lieber bieder-spießig und stramm gesehen hätten.

 


 

 

 

Bildtext (r.): Pure Eleganz: 1939 erschien in der "Vogue" dieses Modell von Maggy Rouff. © Münchner Stadtmuseum

Die Mode legte eine schlanke, biegsame Silhouette mit schmaler Taille nahe, umflossen von echter oder artifizieller Seide, von Crêpe de Chine, mit übergeworfener Fuchspelzstola, elegant behütet und behandschuht.

 

 

 

 

 

 Bildtext (r.): In diesem flotten Dress aus Doupionseide zeigte sich die modebewusste Dame Anfang der Dreißiger Jahre am Strand. © Münchner Stadtmuseum
 

Beim Gang durch die Ausstellung erhalten die Besucher einen umfassenden Eindruck der Modeszene zwischen 1930 und 1940 und ihrer Vielfalt. Bunte Sommerkleider und Trachtenmode, Sportliches – Skifahren war damals bereits sehr populär – und Selbstgeschneidertes, Kostüme, alles original und wunderbar präsentiert. Einer der Glanzpunkte der Schau ist ein original „Kleines Schwarzes“ von Coco Chanel.

 

 

 

Bildtext (r.): Elegant in schimmerndem Kreppsatin: Abendkleid von 1935, abgebildet in der Zeitschrift "Wiener Mode". © Münchner Stadtmuseum
 

Im 21. Jahrhundert kann frau ja von morgens bis abends in Jeans rumlaufen. Anders damals: Es gab Morgenmäntel und „verruchte“ Negligés, Tages- und Nachmittagskleider, Laufkleider, Tagesendkleider, superweite Damenhosen, Jackenkleider, Rock und Bluse, Cocktailkleider, Abendroben, aber natürlich auch Kleider für die immer größere Zahl von berufstätigen Frauen und das Waschkleid für die Sommerfrische. Kurios muten die „Robes d’Intimité“ an, eine Art festlicher Pyjama für alle möglichen Gelegenheiten.

Theorie und Praxis klafften auseinander. Die „Partei“ forderte Rückkehr zum Brauchtum, andererseits wurde Konsum gefördert und Weltoffenheit vorgetäuscht. Diesen Bruch thematisiert die Ausstellung u.a. am Beispiel der 1931 gegründeten Deutschen Meisterschule für Mode München.

 

 

 

Bildtext (r.): Ziemlich "Gretchen-haft", Flechthaar mit Hutkrempe von 1935. © Münchner Stadtmuseum

Schülerinnen und Schüler heutiger Jahrgänge der Meisterschule für Mode steuern zur Ausstellung ihre modischen Interpretationen zum Thema Surrealismus und René Magritte bei.

Bedrückend wirken im 21. Jahrhundert die damals tatsächlich ernst gemeinten modischen Empfehlungen für Luftschutzübungen für Frauen.

Dass in den damaligen Zeiten der Tierschutz keinerlei Stellenwert hatte, zeigen die Accessoires: Handtaschen aus Krokodilleder und mit Krokodilkopf und Vorderbeinen, Taschen aus Schlangenleder, Fuchspelze, ein Muff aus Affenpelz …

 

Bildtext (o.): Damenschuhe aus den Dreißigern: Glattleder, Veloursleder, Reptilleder. ©Münchner Stadtmuseum

 

Da macht das Betrachten der ausgestellten Hüte schon mehr Freude, so u.a. Modelle der berühmten Münchner Hutkünstlerin Berta Häusler. Lustige Sportkappen, Halstücher, Schals und schicke Schuhe runden die Accessoires ab. Einige Hüte dürfen von Besucherinnen anprobiert werden!

Unterwäsche der Dreißiger war verspielt-erotisch. Von den damaligen Bustiers hat sich übrigens Jean Paul Gaultier inspirieren lassen und die junge Madonna mit gefährlich spitz zulaufenden Miedern ausgestattet.

Gretchen mag’s mondän – Damenmode der 1930er Jahre, 25. September 2015 – 29. Mai 2016. Kuratorin ist Dr. Isabella Belting, Sammlung Mode/Textilien. Der im Hirmer-Verlag erschienene Katalog kostet 39.90 Euro.
Doris Losch

Weitere Informationen: 
www.muenchner-stadtmuseum.de

 

Titelbild (v.l.): Hosenmode, aus der Zeitschrift „Das Magazin“,1931 © Münchner Stadtmuseum; Elegante Tagesmode, aus der Zeitschrift „Deutsche Moden-Zeitung“, 1934 © Münchner Stadtmuseum