Elena Berton: Mode, kunstvoll und auf Dauer

Sie werden wirklich „hergestellt“, sind in Italien handgemacht und nicht „am Fließband produziert“. Es wird genäht und geflochten, gegerbt und gefärbt, gewebt und gewirkt.

Seit 30 Jahren macht Elena Berton Mode. „Die Leidenschaft liegt mir in den Genen. Meine Großmutter schneiderte für die Haute Couture, meine Mutter führte einige Modeläden. „ Mit Mitte 20 wusste die Literatur- und Sprachenstudenten, dass sie die Mode nicht mehr loslässt und hat sich selbständig gemacht. Mit Kaschmir hat in einer Werkstatt bei Venedig alles begonnen. Weiter ging‘s in Milano mit Styling und Präsentationen für Fashionshows der Branchengrößen. Heute hat sie einen ständig wachsenden Kundinnenkreis, die bewusst das Edle, das Besondere suchen, ohne dafür ein Vermögen hinzublättern.

 

Bildtext:  Flechtkunst in rot-weiß: Tasche Modell „Habana“. Foto: Elena Berton

 

 

Schätze zum Schätzen
Was Elena Bertons Werkstätten verlässt, kommt Unikaten gleich. Das meiste ist limitiert. Ihre Zielgruppe sind „arbeitende Frauen, die sich Mode gerne etwas kosten lassen, aber nicht zu viel ausgeben wollen, die vernünftig mit Geld umgehen. Meine Sachen muss man schätzen!“

Eines ihrer Star-Schätzchen sind die handgeflochtenen Taschen. Sie entstehen mit Hilfe einer Holzform, über die Handwerkerinnen die Kalbslederbänder (das Leder stammt natürlich aus Italien) zu kleineren und größeren Taschen flechten. In ca. 18 Arbeitsstunden entsteht eine schicke, unverwüstliche Tasche. Allein für die ersten 10 cm werden ca. vier Stunden benötigt.

Das Leder wird mit Holzrinde gegerbt, z.B. aus Mimosenholz. Richtig gegerbtes Leder bleibt 100 Jahre lang trocken!! Der Gerbevorgang dauert zwei Monate, so verlangt es die natürliche Gerbung. (Gerbung mit Chemie und schädlichem Chrom dauert nur zwei Tage.) Nach dem Gerben wird das Leder in Streifen geschnitten, geflochten und schließlich in Farbbäder aus natürlichen Pigmenten getaucht. Dort verbleibt es einen Tag und trocknet drei Tage. Dann wird die zweite Farbschicht mit einem Schwamm von Hand aufgetragen.

 

Bildtext: Mädchen mit Ledertasche in Beutelform.

 

Die Kunst des Gerbens und Flechtens ist in Florenz beheimatet. Sie bildete sich in der Renaissance heraus, die Medicis haben die entsprechenden strengen Regeln aufgestellt, die von den Werkstätten heute noch befolgt werden.

Alle Taschen Elena Bertons werden, wie sie betont, mit dem Tragen immer schöner und sind Stücke zum Weitergeben und Vererben.

Neben dem Leder aus Lamm, Kalb, Rind und Hirsch gilt die Liebe der Designerin vor allem den Materialien Kaschmirwolle und Seide. Aus Kaschmir finden sich in ihren Verkaufsräumen in München und dem italienischen Pietrasanta u.a. zartweiche Decken („die tollste Decke der Welt“) und schicke Pullover. Das „Geheimnis“ der besonderen Beschaffenheit der Decke sind zwei alte Webstühle in einer Weberei in der Nähe von Florenz. Täglich werden nur zwei Decken gewebt; in einer Weberei mit modernen Webstühlen laufen täglich 50 Stück „vom Band“. Kaschmir aber benötige eine gewisse Feuchtigkeit, so Elena Berton, „wenn zu schnell gewebt wird, trocknen die Garne und verlieren an Elastizität.“ Ihr Kaschmir sei absolut Alltags tauglich, denn er bilde keine kleinen Knötchen, sei „non pilling“.

                                                         

 

Bildtext:  Schwarz.-Weiß – ein ewig junges Thema,              auch 2014 hochaktuell. Foto: Elena Berton

 

 

 

Ein bisschen Glitzer muss natürlich auch dabei sein – in Form von Modeschmuck aus Kristallperlen aus Murano, die exklusiv für Elena Berton angefertigt werden. Auch diese Ketten und Armbänder gestaltet die Künstlerin gemeinsam mit den Handwerkerinnen. „Ich arbeite immer mit den Personen zusammen, die die Waren herstellen.“ Das fördere Kreativität und Ideenreichtum.

Verrät sie uns noch etwas über die Trends der kommenden Saison? „Retro und Schneiderkunst der 50-er und 60-erJahre, Blumenmuster und geometrische Dessins, puristische Schnitte, viel Schwarz-Weiß, Blumenmuster in Pastelltönen, italienische Seide vom Comer See mit geometrischen Mustern. Sehr wichtig wird Leder.“

Im Übrigen sind Bertons Waren an keine Saison gebunden, sie sind zeitlos schön.
Text: Doris Losch

 

 

Taschengriffe aus Bambus, eine Reminiszenz aus den 50- ern und 60-ern, feiern ein Comeback. Foto: Elena Berton

 

 

Weitere Informationen:
www.elenaberton.com

 

Titelbild: Hier ist die Designerin Elena Berton selbst, sie posiert vor einem bewegten historischem Gemälde. Foto: Elena Berton