Technoseum mit Sonderausstellung „Die Sammlung 2: der elektrische Haushalt“

Ob Kühlschrank, Waschmaschine oder auch der Eierkocher, über dessen praktischen Nutzen man durchaus streiten kann: Zahlreiche strombetriebene Helfer erleichtern uns heutzutage in den eigenen vier Wänden die Arbeit. Über 1.600 Objekte aus der Anfangszeit der Elektrifizierung um 1900 bis zur Gegenwart stehen im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Die Sammlung 2: Der elektrische Haushalt“. Sie alle geben Einblicke in den Zeitgeist und in den stetig wachsenden Wohlstand sowie die Ansprüche daheim, aber auch in die Sammlungstätigkeit eines Museums.

Bildtext (r.): Werbeplakat für Staubsauger der Firma Progress, 1920er Jahre

 

Zu Beginn der Ausstellung stehen nichtelektrische Haushaltsgeräte ihren elektrischen Nachfolgern gegenüber: Ein Zinkzuber und eine Badewanne mit Warmwasserboiler, Kohleofen und Elektroherd, Waschbrett und Waschmaschine. „Hier wird bereits deutlich, wie sehr elektrische Haushaltsgeräte unseren heutigen Alltag prägen und ihn auch maßgeblich erleichtert haben“, erläutert Sammlungsleiter Dr. Thomas Kosche.

 

Bildtext (l.): Herausklappbare Badewanne im Schrank für den Einsatz in beengten Wohnverhältnissen, inkl. Badeofen der Firma Siemens, Jaspa, Jauch und Spalding o.H.G, 1960-1965. Foto: Technoseum

 

„Das Reinigen und Pflegen der Wäsche war ohne strombetriebene Helfer eine der anstrengendsten Hausarbeiten, und eine Küche ohne Kühl- und Gefrierschrank ist heute für die meisten Deutschen nicht mehr vorstellbar.“ Außerdem sind 120 Staubsauger zu sehen – als eine repräsentative Auswahl aus der Sammlung, die das Museum von der Stuttgarter Firma Progress übernommen hat und die rund 700 Objekte zählt.

 

Bildtext (l.): Rauchverzehrer in Form eines Porzellan-Pekinesen, 1960. In den Museumsdepots findet sich auch Kurioses aus vergangenen Zeiten, zu denen auch die so genannten Rauchverzehrer zählen. Die Geräte in vielfältigen Formen waren in den 1950er und 1960er Jahren beliebt. Mit Hilfe einer Lampe wurde darin Duftöl erwärmt, um nikotinbelastete Wohnzimmer von Qualm und Geruch zu befreien. Foto: Technoseum

 

Neben dem Wohnzimmermobiliar aus den 1950er Jahren inkl. Fernseher und Heimorgel, das einst in einer Wohnung in Mannheim-Neckarau stand, zeigt das TECHNOSEUM auch Kuriositäten wie Bierwärmer und so genannte Rauchverzehrer, die angeblich nikotinbelastete Wohnzimmer von Qualm und Geruch befreiten. Viele Exponate von so bekannten Marken wie Krups, Miele, Singer, Mulinex, Philips, Siemens oder Bosch dürften die Besucherinnen und Besucher noch aus eigenem Erleben kennen.

Andere wiederum rufen nostalgische Erinnerungen wach, wie etwa die in knalligen Orangetönen gehaltenen Kaffeemaschinen, Eierkocher und Mixer, die in den 1970er Jahren in keiner stilbewusst eingerichteten Küche fehlen durften. Viele Geräte, die mitunter schon vor der Jahrhundertwende erfunden und in geringen Auflagen produziert wurden, setzten sich erst in den 1950er und 60er Jahren durch, als billige Massenproduktion und Wirtschaftswunder Hand in Hand gingen.

Bildtext (r.): Elektrischer Kinderherd „Brutzelette“, VEB Gaselan Berlin, 1948 bis 1952 Mädchen auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereiten – dieser Gedanke steckt hinter den vielgestaltigen Miniaturausfertigungen von elektrischen Haushaltsgeräten, die ab den 1920er Jahren aufkamen, wie zum Beispiel Kinderherde, -bügeleisen oder -nähmaschinen. Die Geräte waren oftmals voll funktionstüchtig, aber nicht abgesichert und daher sicherheitstechnisch nicht ganz unbedenklich.

Obwohl immer mehr Frauen in dieser Zeit berufstätig waren, blieb die Haushaltsarbeit weiterhin eine weibliche Domäne: Strombetriebene Helfer sollten sie in ihrem Alltag unterstützen und die Hausarbeit erleichtern, so dass sie neben dem Beruf auch noch Mann und Kinder mit Essen versorgen und die Wohnung reinlich halten konnten. Dies zeigen nicht zuletzt eindrücklich mehrere Werbefilme verschiedener Firmen aus den 1950er bis 70er Jahren, die ebenfalls in der Ausstellung gezeigt werden. Auskunft über den Zeitgeist gibt auch das elektrische Kinderspielzeug, das direkt nebenan zu sehen ist: Die Miniatur-Herde und -Nähmaschinen waren größtenteils voll funktionstüchtig, dabei nicht abgesichert und in Kinderhand sicherheitstechnisch nicht ganz unbedenklich.

Bildtext (r.): Ausstellungsplakat 

Über das TECHNOSEUM
Das TECHNOSEUM in Mannheim gehört neben dem Deutschen Museum in München und dem Deutschen Technikmuseum in Berlin zu den größten Technikmuseen in Deutschland. Die Entwicklungen in Naturwissenschaften und Technik vom 18. Jahrhundert bis heute sowie der soziale und wirtschaftliche Wandel, den die Industrialisierung in Deutschland ausgelöst hat, sind die Themen der Dauerausstellung. Maschinen werden nicht einfach gezeigt, sondern in Ensembles inszeniert, Vorführtechniker erklären Arbeitsabläufe und beantworten Fragen der Besucher. Selbst aktiv werden darf man in der Experimentier-Ausstellung „Elementa“, die an mehreren Orten auf dem Rundgang durch das Museum zum Tüfteln einlädt: Technische Erfindungen lassen sich hier durch eigenes Ausprobieren nacherleben.

Weitere Informationen:
www.technoseum.de

Titelbild: Collage mit Objekten, die in der Ausstellung „Die Sammlung 2“ zu sehen sind. Foto: Technoseum