Feuer und Flamme für den Garten


Der Oktober meint es gut mit uns: Meist erscheint er als Schönwetterperiode und seine nebligen Schleier legen einen geheimnisvollen Zauber über Wiesen und Felder. Milder Sonnenschein gießt Zucker in Früchte und Wein. Kräftige Winde wirbeln Papierdrachen umher und viele Gehölze und Stauden zeigen sich in ihrem schönsten Festkleid aus leuchtendem Herbstlaub. Ganz von selbst entsteht eine friedliche, wohlige Stimmung, ausgelöst von der Prahllust des Oktobers und dem nahenden Winter. Wen zieht es jetzt nicht hinaus in goldene Wälder und Parks? Glücklich diejenigen, die ihren eigenen Indianersommer zu Hause haben; denn bei der Pflanzenauswahl für den Garten achten sie nicht nur auf die Blütenpracht. In den letzten Monaten des Jahres sehnt sich Mensch besonders nach Farbe. Mit dem flachen Sonnenstand entstehen im Oktober faszinierende Lichtspiele durch die unterschiedlichen Verfärbungen der Blätter oder den prächtigen Fruchtschmuck. Herrlich, wenn der Garten klug angelegt ist und an die Verwandlung im Herbst gedacht wurde: Der Oktober entzündet dann ein wahres Feuerwerk!

Kompositionen in Gelb

Rot, Orange und Braun sind die tiefen, warmen Farben des Herbstes. Nicht zu vergessen natürlich Gelb, die nächste Farbe am Licht, ohne das der Goldene Oktober nicht seinen schillernden Beinamen hätte!

Man braucht sich nur einmal den Fächerbaum (Ginkgo) anzuschauen, um zu wissen, warum der Herbst als goldene Jahreszeit gilt. Die außergewöhnlich geformten Blätter des Ginkgo färben sich von einem frischen Grün im Sommer in ein prachtvolles, leuchtendes Goldgelb im Herbst. Auch sonst ist der Baum ungewöhnlich: Er gilt als lebendes Fossil, existierte er doch schon zu Zeiten der Dinosaurier. Ein anderes Gehölz mit schönem Herbstlaub ist die Kornelkirsche (Cornus mas), deren Blätter sich gelb bis rotorange verfärben. Auch manche Magnolien und einige der vielgestaltigen, anspruchslosen Spiersträucher (Spiraea) zeigen sich im Oktober im farbigen Kleid. Ein kleiner Baum mit großer Wirkung ist der Feld-Ahorn (Acer campestre) ‘Elsrijk’. Seine Blätter verfärben sich leuchtend gelb und verbleiben lange an den Zweigen. Es sind aber nicht nur die Blätter in den typischen Herbsttönen, die den Oktober so golden machen. Zusätzlich legen viele Pflanzen “Perlen” an. Allen voran die Zieräpfel (Malus), die besonders üppigen Fruchtschmuck tragen. Die Mini-Äpfel gibt es von strahlendem Gelb über Orangetöne bis hin zu dunklem Rot. Auffällig gelb entzünden sich auch die Früchte der dornlosen Scheinquitte (Chaenomeles) ‘Cido’, die einen sehr hohen Vitamin-C-Gehalt haben und sich gut zu Gelee oder Obstsaft verarbeiten lassen. Lichtblicke setzen im Garten außerdem gelbnadelige Koniferen, und das sogar das ganze Jahr über. Vor allem unter den Eiben (Taxus baccata), Scheinzypressen (Chamaecyparis) und Wacholdern (Juniperus communis) finden sich solche goldenen Schätze.

Gute Vorratshaltung

Angesichts der kunstvollen Anmutung der Natur im Herbst drängt sich die Frage nach dem Künstler auf: Wer also bringt die Farbe aufs Blatt? Für das sommerliche Grün ist der Blattfarbstoff Chlorophyll verantwortlich, eine Substanz, die chemisch sehr eng mit dem Blutfarbstoff Hämoglobin verwandt ist. Mit Hilfe des Chlorophylls sind grüne Pflanzen in der Lage, über das Sonnenlicht die für sie lebenswichtigen Verbindungen aufzubauen. Durch die im Herbst abnehmende Tageslänge und immer schwächere Sonneneinstrahlung wird das Chlorophyll allmählich abgebaut und als Reservestoff in Stamm und Wurzeln eingelagert. Denn es wäre doch Verschwendung, würfen die Bäume mit ihren Blättern im Winter auch solche kostbaren Substanzen weg! Durch das Verschwinden des Chlorophylls kommen die Farben zum Vorschein, die den ganzen Sommer schon vorhanden waren: Karotine und Xanthophylle. Im Oktober bilden die Blätter also keine neuen Farben aus – lediglich das Grün verschwindet. Wie schön!

Quelle: Text und Foto: PdM

Weitere Informationen:
www.der-garten-bewegt-mich.de

(Der Link wurde am 10.10.2006 getestet.)