Anne Frank: Liebe Kitty – Ihr Romanentwurf in Briefen

Berlin. – „Wer außer mir selbst wird später all diese Briefe lesen?“ schreibt Anne Frank am 7. November 1942, und am 5. November 1943: „Ich streife von einem Zimmer ins andere, treppab und treppauf, und fühle mich wie ein Singvogel, dem roh die Flügel ausgerissen wurden und der in völliger Dunkelheit an die Gitterstäbe seines engen Käfigs prallt. Nach draußen, Luft und Lachen! Schreit es in mir.“

Am 11. Mai 1944 schreibt sie „Nach dem Krieg möchte ich unbedingt ein Buch mit dem Titel ‚Das Hinterhaus‘ herausbringen“. Ihren letzten Brief an die erfundene Freundin Kitty schreibt am 29. März 1944. Am 4. August desselben Jahres werden die Familie Frank und die anderen Bewohner des Hinterhauses in der Amsterdamer Prinsengracht, in dem sie sich seit dem Sommer 1942 versteckt hielten, „abtransportiert“. Nach Auschwitz.

Zwei Monate vor der Befreiung sterben Anne und ihre Schwester Margot, „verlaust und hungrig an Fleckfieber“, wie die emeritierte Germanistik-Professorin Laureen Nussbaum, eine Freundin der Familie Frank, in ihrem Nachwort schreibt.

Obwohl das entsetzliche Ende bekannt ist, ertappt man sich beim Lesen dabei, unwillkürlich auf eine glückliche Wendung zu hoffen oder eine solche zu erträumen.

Während der letzten Monate im Hinterhaus hat sich Anne zu einer ernstzunehmenden Schriftstellerin entwickelt – das vorliegende Romanfragment zeugt davon. Laureen Nussbaum: „Ich bin froh und dankbar, dass es nun endlich so weit ist.“

Anne Frank: „Liebe Kitty – Ihr Romanentwurf in Briefen“, gebunden mit Lesebändchen, 208 Seiten, 18.00 Euro, aus dem Niederländischen übersetzt von Waltraud Hüsmert. Mit einem Essay von Prof. Dr. Laureen Nussbaum und einem Vorwort von Ronald Leopold, Direktor des Anne Frank Hauses, Amsterdam.

Für den 12. Juni 2019 hat das Anne Frank Zentrum, Berlin, einen „Anne Frank-Tag“ organisiert. Deutschlandweit wird aus „Liebe Kitty“ an Schulen, in Buchhandlungen und anderen Einrichtungen aus „Liebe Kitty“ gelesen.
Autorin: Doris Losch

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