Lenbachhaus München: Body Check – Martin Kippenberger / Maria Lassnig

(l): Martin Kippenberger, Ohne Titel (aus der Serie Das Floß der Medusa), 1996, Öl auf Leinwand,, 150 cm x 180 cm. © Estate of Martin Kippenberger,
Galerie Gisela Capitain, Cologne
(r.): Illusion von den versäumten Heiraten II (Illusion of the Missed Marriages II), 1998, Öl auf Leinwand 125 cm x 100 cm
Photo: Roland Krauss © Maria Lassnig Stiftung / Foundation

München. – Auf den ersten Blick ist es eine unerwartete Kombination : Martin Kippenberger und Maria Lassnig (in alphabetischer Reihenfolge, wie Direktor Matthias Mühling ausdrücklich betont). Bei Lassnig und Kippenberger „handelt es sich jedoch um „wirkmächtige Protagonisten der Malerei des 20. Jahrhunderts“, informiert das Lenbachhaus und damit passen sie zueinander. Die Ausstellung “Body Check – Martin Kippenberger / Maria Lassnig” wird am 21. Mai 2019 eröffnet und ist bis zum 15. September 2019 im Lenbachhaus München zu sehen.

Wohl wahr. Maria Lassnig (1919 – 2014) und Martin Kippenberger (1953 – 1997) stellen ihren Körper in das Zentrum ihres künstlerischen Schaffens. Mehr als 60, zum Teil sehr selten gezeigte Werke aus internationalen Sammlungen sind im Kunstbau dialogartig aufgebaut. Im Leben sind sich die beiden, soweit bekannt, nie begegnet.

Die Lebensqualität (Quality of Life), 2001, Öl auf Leinwand / oil on canvas, 195 cm x 205 cm. © Maria Lassnig Stiftung / Foundation

Als klassisch gewordene Gegenwartskunst haben ihre Werke Kunstgeschichte geschrieben. Schwerpunkte bilden Selbstporträts und Inszenierungen des weiblichen und männlichen Körpers. Sowohl Maria Lassnig als auch Martin Kippenberger gehen fast rabiat mit sich um und zeigen sich körperlich entstellt, von Krankheit gezeichnet und zuweilen ins Lächerliche gezogen wie etwa in „Die Lebensqualität“, ein Motiv, das Maria Lassnig mit einem Glas Rotwein in der Hand im Meer schwimmend und von einem Wal ins Wadl gebissen zeigt – sie rudert um ihr Leben im Haifischbecken des Kunstbetriebs, sogar wenn der Hai ein Wal ist

Ein leichtes Augenzwinkern ist ebenfalls in ihrem Werk „Illusion vom versäumten Heiraten II“ zu erkennen, während aus „Verstand hat Angst / Der Arzt sagt: die Welt loslassen“ pure Angst spricht.

Bei Martin Kippenberger verbirgt sich in den Spiegeln „Mirror for Hang-Over-Bud“ das Gesicht hinter der Craquelure der beiden dekorativen Spiegel aus Holz, Metall, Gießharz und knittriger Alufolie. Hintergründiger Humor!

Heiterkeit strahlt Lassnigs „Die Braut badet den Bräutigam“. Der Bräutigam planscht in der Wanne, die verschleierte Braut scheint irgendwie unentschlossen, zu was auch immer, beide sind in bunten Farben gekleidet.

In München zu sehen sind u.a. zwei Motive aus Kippenbergers Serie „Fred the Frog“, eines davon hat einst den Unmut von Papst Benedikt hervorgerufen, denn es sind bei genauem Hinsehen zwei gekreuzigte grüne Frösche zu erkennen. Klarer Fall für den Tierschutz!

AUSSTELLUNGSANSICHT / Kippenberger, Jetzt geh ich in den Birkenwald, denn meine Pillen wirken bald, 1991. © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne.
Foto: Lenbachhaus

Charmant wirkt Kippenbergers Installation „Jetzt geh‘ ich in den Birkenwald, denn meine Pillen wirken bald“, bestehend aus künstlerischen Birkenstämmen, Metallstangen und gedrechselten Holzpillen mit Aufschriften wie „Alka Seltzer“ und „Spalt“, die Kippenberger wegen seiner psychischen Erkrankung schlucken musste. Dazwischen stehen zwei Laternenpfähle, eine rot und gebogen (Kippenberger lebte einige Zeit in München, vielleicht hat ihn die berühmte Schwabinger Laterne inspiriert?), die andere schwarz und auf „Halbmast“.

Besucher sollten ihre Aufmerksamkeit unbedingt auch den Zeichnungen der Protagonisten zuwenden, besonders bemerkenswert sind u.a. „Der Mensch ist auch ein armes Tier“ von Maria Lassnig und die Zeichnungen Kippenbergers auf Hotelbriefpapier.

Lenbachhaus / Kunstbau: „Body Check – Martin Kippenberger Maria Lassnig“, ein Ausstellungsprojekt in Kooperation mit dem Museion, Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, Bozen. Kurator ist Veit Loers unter Mitarbeit von Elisabeth Giers und Matthias Mühling. Der Snoeck-Verlag, Köln, hat dazu einen erwerbenswerten multilingualen (deutsch, englisch, französisch, italienisch) Katalog herausgegeben, Euro 30.00.
Autorin: Doris Losch

Weitere Informationen:
www.lenbachhaus.de
www.museion.it