Augusteum mit Sonderausstellung „Verehrt. Geliebt. Vergessen. Maria zwischen den Konfessionen“

Maria Glyphilousa, Kat 88, (c) Bay Nationalmuseum München.
Foto Nr. D109859

Wittenberg. – Eine Marienausstellung in Martin Luthers Wittenberg? Das mag überraschen, doch war die Gottesmutter Maria nicht nur eine Gestalt der katholischen Frömmigkeit, sondern auch der Reformation.

Die Sonderausstellung „Verehrt. Geliebt. Vergessen. Maria zwischen den Konfessionen“ findet vom 13. April bis zum 18. August im Augusteum Wittenberg statt. Sie präsentiert auf zwei Stockwerken insgesamt 110 kunst- und kulturhistorische Exponate aus 50 nationalen und internationalen Sammlungen. Die Sonderschau wirft erstmals einen Blick auf die frühen konfessionellen Perspektiven Marias, aber auch auf die wechselvolle Geschichte der Mariengestalt im Reformationsjahrhundert.

Pilgerzeichen Wallfahrt Kat.35a (c)Bay. Nationalmuseum München. Foto Bastian Krack

Denn das spätmittelalterliche Wittenberg, die spätere „Lutherstadt“, war noch zu Luthers Zeiten eine „Marienstadt“: Die Stadtkirche war Maria geweiht, an den vielen Marienaltären wurden feierlich die Marienfeste begangen und in der Schlosskirche Friedrichs des Weisen wurden zahlreiche Marienreliquien verwahrt, regelmäßig zogen Prozessionen zu Ehren Mariens durch die Stadt und sogar in der privaten Andacht wurden Marienlieder und Rosenkranzgebete an die Mutter Gottes gerichtet.

Luther selbst war Maria zeitlebens zugeneigt, er polemisierte allerdings gegen die Deutung ihrer Person als Himmelskönigin, gar als „Mit-Erlöserin“ und Konkurrentin zu Christus. Für seine Zeitgenossen war sie die „Mutter aller“ und die Fürsprecherin der Menschheit. Dies ging dem Reformator zu weit: Nicht Maria erlöse die Menschen und mache sie selig, sondern allein Christus.

Johannes auf Patmos, Kat13, (c)Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg. Foto: Georg Janßen

Dementsprechend richtete sich seine Kritik gegen die überbordende Marienfrömmigkeit, so zum Beispiel in den Marienwallfahrtsorten Grimmenthal oder Regensburg mit ihren jährlich zehntausenden Pilgern. Nicht wundertätige Fürsprecherin bei Gott sei Maria, sondern vielmehr demütige Magd, an der Gott seine Gnade gezeigt habe. Maria sei ein Vorbild im Glauben, da sie diese Gnade demütig angenommen habe, dies betont Luther in der Auslegung des Magnificats, des Loblieds Mariens im Lukasevangelium. So konnte Luther ein Bild der Gottesmutter mit dem schlafenden Christuskind in sein Zimmer hängen, während er gleichzeitig Darstellungen Mariens als Schutzmantelmadonna ablehnte.

Verehrung Maria Kat10 (c) Museum Ulm.
Foto: Oleg Kuchar

Die Ausstellung „Verehrt. Geliebt. Vergessen. Maria zwischen den Konfessionen“ veranschaulicht mit zahlreichen Exponaten, darunter eindrucksvollen Schnitzplastiken, Tafelgemälden, Drucken und Handschriften, diese vielschichtige Marien-Welt des 15. und 16. Jahrhunderts. Sie beleuchtet aber auch die allmähliche Loslösung der Protestanten von Maria: Es gab gezielte Zerstörungen von Marienbildnissen und Altären, es gab aber auch „die bewahrende Kraft des Luthertums“. Denn Marienbilder und Skulpturen blieben in den Kirchen stehen, zum Teil mit veränderten Motiven, oder sie wurden in verschlossenen Räumen weggesperrt, in den sogenannten „Götzenkammern“. Hier wurden sie im 19. Jahrhundert von den Heimat- und Altertumsvereinen entdeckt und in die neugegründeten Mittelaltersammlungen der Museen überführt.

Schutzmantelmadonna. (c)Sammlung Emil Bührle Zürich, Inv. P14_S12

In der Wittenberger Sonderausstellung kann man sich nun selbst auf die Suche machen und Maria wiederentdecken – oder ihr auch ganz neu begegnen.

Darüber hinaus ergänzt die Sammlung Emil Bührle, Zürich, mit mittelalterlicher Schnitzplastik. Von insgesamt 24 gotischen Skulpturen, die zum Bestand der Sammlung gehören, sind elf Madonnenfiguren in der Ausstellung „Verehrt. Geliebt. Vergessen. Maria zwischen den Konfessionen“ zu sehen. Die Skulpturen sind in dieser Fülle und Geschlossenheit noch niemals außerhalb Zürichs gezeigt worden und gehören in ihrer Gesamtheit zu den Höhepunkten der Wittenberger Marien-Ausstellung.

Zahlen – Daten – Fakten
Verehrt. Geliebt. Vergessen. Maria zwischen den Konfessionen
Schirmherrschaft: Landesbischöfin Ilse Junkermann und Bischof Dr. Gerhard Feige
Erste Ausstellung zu Luther und Maria im Augusteum Wittenberg.
Noch bis 18. August 2019 täglich von 09:00 – 18:00 Uhr | donnerstags 09:00 – 20:00 Uhr Augusteum (Collegienstr. 54, 06886 Lutherstadt Wittenberg)
Kuratorin: Dr. Katja Schneider
Ausstellungsfläche gesamt: 650 qm
Anzahl der Exponate: 110
Anzahl der Leihgeber: 50 (Deutschland, Schweiz, Österreich, Italien, Ungarn)

Ausstellungskatalog

Verehrt. Geliebt. Vergessen. Maria zwischen den Konfessionen
Herausgegeben von Katja Schneider im Auftrag der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-An-halt, 22 x 28 cm, 288 Seiten, 175 farbige Abbildungen, Hardcover, Michael Imhof Verlag, Petersberg | ISBN 978-3-7319-0823-4, Ausstellungspreis: 25,00 € (gilt ausschließlich im Museumsshop), Buchhandelspreis: 29,95 €

(Quelle: Augusteum Wittenberg)

Weitere Informationen:
www.martinluther.de