Tollwood Winterfestival 2018: Radikal positiv


München – „Gut geht besser“ – unter diesem Motto richtet das Tollwood Winterfestival die Scheinwerfer auf Gegenentwürfe zur allgemeinen Düsternis, die beweisen, dass eine bessere Welt und ein besseres Miteinander möglich sind zum Wohle von Mensch, Tier und Umwelt.

VORSPEISE Pikantes Tatar vom Wintergemüse, dazu hausgemachtes Papadam. Foto: © Daniel Schvarcz

Und das ist mit jeder Menge Spaß verknüpft! Die australische Compagnie Circus Oz ist mit der Deutschlandpremiere „Model Citizens“ im Grand Chapiteau (dem großen Zirkuszelt) zu Gast und entführt in die Welt eines „vorbildlichen Bürgers“, garniert mit Artistik, Akrobatik, Livemusik und dem unverwechselbaren, etwas schrägen Down-Under-Humor und artistischen Sensationen auf überdimensionalen Baumwollsträngen und einer menschengroßen Wäscheklammer. Der Zirkus tourt seit 40 Jahren um den Erdball, macht aber nach 1994 erst zum zweiten Mal in München Station. Zur Vorstellung kann ein 4-Gänge-Menü gebucht werden, selbstverständlich in Bioqualität.

SUPPE Karotten-Mandarinen-Cremesuppe mit Ingwer-Croûtons und frischem Koriander. Foto: © Daniel Schvarcz

Denn Bio ist sozusagen das Leib-und-Magenthema von Tollwood. Die internationale Gastronomie des Festivals ist 100 % Bio. Besonderen Wert legen die Gastronomiestände auf dem „Markt der Ideen“ auf fleischlose Gerichte. Von 40 Gastronomieständen bietet die Hälfte vegetarisch-vegane Angebote. Neu dabei sind der „Schmeckerling“ mit Buddha Bowls, ein Angebot mit Spezialitäten aus Syrien und aus Kamerun. Bio-Fleischprodukte stammen mehr und mehr von strengen Bioverbänden wie Demeter und Naturland, die ein besonderes Augenmerk auf das Wohl der Tiere legen. Extra für Tollwood braut Hacker Pschorr sein naturtrübes Bio Helles („Mia mengs bunt“) aus „glücklichem Hopfen und Malz“.

HAUPTGANG Roulade vom Bio-Weide-Jungrind, gefüllt mit Wurzelgemüse, dazu Portweinsoße, Curry-Kartoffelstampf und Pak Choi. Foto: © Daniel Schvarcz

Insgesamt sorgen 56 bio-zertifizierte Gastronomen aus 20 Ländern für das leibliche Wohl der Besucher.

Seit zwölf Jahren greift der „Weltsalon“, Tollwoods multimedial gestaltetes Zelt, aktuelle gesellschaftliche und ökologische Themen auf. In diesem Winter erzählt er als „Heldenschmiede“ von heutigen Alltagshelden und Mutmachern von morgen. Interaktive Installationen ermutigen zum Mitmachen. Abenteuerlich: Ein Münchner S-Bahnfahrplan auf Arabisch lässt nachempfinden, wie sich Menschen, die die lateinische Schrift bzw. die deutsche Sprache nicht kennen, unterwegs im Dschungel des U- und S-Bahnnetzes fühlen.

Die von jungen Flüchtlingen initiierte Wanderausstellung „Land der Kulturen“ ermöglicht Deutschen einen Perspektivwechsel. Interaktiver Parcours, multimediale Mini-Games und analoge Simulationen sollen die emotionale Lage von Menschen mit Fluchterfahrung erlebbar machen.

VEGETARISCHER HAUPTGANG Cremiges Grünkern-Risotto mit Leinsamen und Würfeln von Roter Bete, sowie mit Rosenkohl und gegrillten Kräuterseitlingen. Foto: © Daniel Schvarcz

Weiter u.a. im Weltsalon: „Noch geht was – noch“, ein Vortrag von Astrophysiker Prof. Harald Lesch, und ein Poetry Slam gegen die lähmende Negativität.

Die Künstlerin und gebürtige Münchnerin MINA gestaltet das Hauptkunstwerk im Weltsalon. Mina ist ein internationaler Star der Graffiti-Szene und setzt das Weltsalonmotto „Heldenschmiede“ in Style-Writing um, Überschrift „Mirror, mirror on the wall, who are the heroes among us all?“.

Einen Höhepunkt stellt sicherlich „Land in Sicht“ dar: Immer mehr Landwirte erwägen den Umstieg in die Öko-Landwirtschaft und eine nachhaltige, menschen- und tiergerechte solidarische Agrikultur. Mit dem Publikum diskutieren u.a. Florian Reiter, der den Öko-Chiemgauhof Locking bewirtschaftet und sich mit seinem Zweinutzungshuhnprojekt „Les Bleues“ erfolgreich für ethische Tierhaltung einsetzt, und Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstand des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft.

Speziell für Münchnerinnen und Münchner konzipiert ist „Stadt. Macht. Menschen“. München ist „Top“ in Sachen Mietpreisen, Luftverschmutzung und Staus. Die Rote Laterne hat die vermeintlich so glamouröse Stadt in Sachen Fahrradwegen und Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs. Dass es aber keinen Grund gibt, sich damit abzufinden, diskutieren an Hand von Beispielen und Plänen Sabine Herrmann, Mitinitiatorin und Bewohnerin des Hauses „Ligsalz8“, Allround-Pfarrer Rainer Maria Schießler, Dr. Christa Müller, Vorstand der Münchner Stiftung „anstiftung“ und Stadtplaner Dr. Julian Petrin.

Das abwechslungsreiche Kinderprogramm bittet in die „Heldenschule“. Dort kann jeder/jede zum kleinen Superhelden/zur kleinen Superheldin werden und die Welt retten. Sandra Hanke und National Geographic Fotograf Dieter Schonlau zeigen Bilder von ihrer Reise durch die Regenwälder und das Leben im Dschungel, im Musiktheater „Wolle und Gack“ erzählen ein Schaf und ein Huhn als Mittelpunkt einer Multikulti-Story.

DESSERT Vollmilch-Akazienmousse-Törtchen mit Knuspernougat, Ananasragout und Granatapfelkernen. Foto: © Daniel Schvarcz

Tollwood ist international. In den Bereichen Kunst & Kultur sind u.a. Argentinien, Australien, China, Großbritannien, Deutschland, die Niederlande und Österreich vertreten.

Im Winter 2017 zählte das Festival rund 660.000 Besucherinnen und Besucher. Der Eintritt auf das Festivalgelände ist frei. Über 70 % der Veranstaltungen, vom Kinderprogramm über Performances bis zur Live-Musik, sind gratis.

Tollwood Winterfestival auf der Münchner Theresienwiese, 23. November bis incl. 31. Dezember. Sonntag, 25. 11. (Totensonntag) geschlossen, Markt bis 23. Dezember.
Autorin: Doris Losch

Weitere Informationen:
www.tollwood.de

Titelbild: TOLLWOOD WINTER 2018 The Dream Engine Heliosphere/ –Tollwood Veranstaltungen/Performances. Foto: myraklarman-com