Landesmuseum Koblenz: Sonderausstellung Friedrich Wilhelm Raiffeisen

Koblenz. –  Über 22,6 Millionen Deutsche sind derzeit Mitglied in einer Genossenschaft. Der 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen erinnert und beleuchtet eine Idee, die um 1845 aus der Not geboren, die landwirtschaftliche Erwerbstätigkeit von Grund an revolutionieren und prägen sollte.

Es mag wohl zu keiner Zeit ein Leichtes sein, als Landwirt zu bestehen. Vor rund 200 Jahren jedoch war die Existenz als Bauer mit Entbehrungen und Nöten verbunden, die weit über das Erträgliche hinaus gingen. Gebeutelt von kalten Wintern, Hungersnöten und geringen Erträgen saß dem bäuerlichen Stand die Armut im Nacken. Mangelhafte Ernährung sowie fehlende Medikamente taten ihr übriges, um die Lebenserwartung auf ein geringes Maß herabzusetzen.

Die finanzielle Situation war für die Bauern meist aussichtslos, im schlimmsten Falle desaströs. Gebunden an den Grundherrn, welcher unabhängig von Wetter, Ernte oder Krankheit seine Steuern einforderte, waren die Bauern sowohl gnadenlosen Händlern als auch gierigen Wucherern hilflos ausgeliefert. Da es für den Bauernstand keinerlei Banken oder Ähnliches gab, waren Zinsen von 300 bis 400 Prozent durchaus an der Tagesordnung – was im Schlimmsten Fall zur Enteignung des eigenen Hab und Gutes führte.

In dieser Zeit kam Friedrich Wilhelm Raiffeisen ins Spiel – Bürgermeister von Weyerbusch im Westerwald. Geprägt von christlichem Glauben und gelebter Nächstenliebe nahm er sich der Nöte des kleinen Mannes an. Neben dem Ausbau einer wichtigen Handelsstraße für die Region (der heutigen Raiffeisenstraße) setzte er sich engagiert für den Bau von Schulen ein. Mit dem „Weyerbuscher Brodverein“ rettete er die verarmte Bevölkerung über den Hungerwinter 1847 hinweg und legte so den Grundstein für eine Idee, die im Sinne der Selbsthilfe und Solidarität sowohl die Interessen wohlhabender Bürger als auch der ärmlichen Bevölkerung verband.

Getreu dem Motto: „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“ ermöglichte Raiffeisen durch die Gründung von Vereinen wie dem „Flammersfelder Hülfsverein“ oder dem „Heddesdorfer Wohltätigkeitverein“ die Vergabe von Krediten an den bäuerlichen Stand. Anfangs ausschließlich von den Geldanlagen der Reichen gestützt, weitete sich die Idee durch die Mitaufnahme der Bauern in den Verein aus, welche nun auch selbst in die Haftung und Verantwortlichkeit dazu gingen. Das Geschäftsmodell der landwirtschaftlichen Genossenschaftsbewegung entstand.

Fand Friedrich W. Raiffeisen auch bis zu seinem Tode im Jahr 1888 keinen adäquaten Nachfolger für sein Lebenswerk, so hat sich doch das „geistige Vermächtnis“ jenes großen Mannes in Form zahlreicher Genossenschaften aus den Bereichen Handwerk, Handel, Landwirtschaft oder Dienstleistung bis heute erhalten.

Raiffeisen 2018

Die Sonderausstellung „Tradition Raiffeisen: Wirtschaft Neudenken“ findet vom 13. Juni 2018 bis zum 27. Januar 2019 im Landesmuseum Koblenz, Haus der Kulturgeschichte, statt und ist dem deutschen Sozialreformer und Gründer der Genossenschaftsbewegung Friedrich Wilhelm Raiffeisen gewidmet. Er ist einer der Väter der modernen Genossenschaftsidee, die 2016 von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Rund 1 Milliarde Mitglieder sind heute weltweit in Genossenschaften zusammengeschlossen.
(Quelle: Cab Artis)

Informationen zur Sonderausstellung, Führungen, Service unter:
www.tor-zum-welterbe.de/landesmuseum-koblenz

Titelbild: Friedrich Wilhelm Raiffeisen – Sonderausstellung „Tradition Raiffeisen: Wirtschaft Neudenken