BNM: Top modernste Technikausstattung trifft auf „Barock Rokoko“

 

 

Museumsdauerausstellungen haben vielfach ein Akzeptanzproblem beim Publikum: oftmals fehlt ihnen der Schwung und die Abwechslung im Erscheinungsbild. Sonderausstellungen haben es da einfacher: sie kommen und gehen und sorgen im Zuge dessen immer wieder für facettenreiche Auftritte.

 

Doch es geht auch anders, wie Dr. Renate Eikelmann, Generaldirektorin des Bayerischen Nationalmuseums, anlässlich eines Medien-Informationstages betonte. Voll berechtigter Freude verwies sie auf die Sanierung und Neupräsentation der Dauerausstellung „Barock und Rokoko“, deren Wiedereröffnung Anfang Juli dieses Jahres erfolgte. Modernste Technik und Ausstattung pur.

 

Bildunterschrift (o.): Kabinettschrank der Kurfürstin Maria Anna, Melchior Baumgartner (Möbel), Andreas I Lotter (?), Johann Georg Priester (?) und Franz Kessler (Goldschmiedearbeit), Augsburg, um 1620/30 und um 1655, und München, nach 1664, Elfenbein, Nussbaumholz, Lapislazuli, Silber, vergoldet, Email. © Bayerisches Nationalmuseum München

 

Auf rund 1500 m² werden in 13 Sälen mehr als 600 einzigartige kunst- und kulturhistorische Glanzstücke des 17. und 18. Jahrhunderts präsentiert. Zu sehen sind Elfenbeinkabinette, Goldschmiedearbeiten, Uhren, höfische Möbelstücke, Gemälde, Porzellane, Gläser, Prunkwaffen und Tapisserien, von denen viele auf die Herrscher aus der Dynastie der Wittelsbacher zurückgehen. Die einzigartige Sammlung zur europäischen Skulptur umfasst u. a. Hauptwerke von Johann Baptist Straub, Ignaz Günther und anderen süddeutschen Bildhauern. 

 

Die zum Englischen Garten gelegenen Säle 36 bis 38 waren mehr als 15 Jahre nicht mehr zugänglich. 2007 wurden auch die Säle 31 bis 34 und 39 bis 43 wegen der Sanierungsarbeiten geschlossen, und die wichtigsten Objekte aus Barock und Rokoko wurden bis 2014 in einer Interimsausstellung im Obergeschoss gezeigt.

 

Sanierung

Im Rahmen der Generalsanierung durch das Staatliche Bauamt München 1 erhielt der Westtrakt (Bauabschnitt West 2) des Bayerischen Nationalmuseums zwischen 2007 und 2014 eine zweiteilige Dachkonstruktion aus Stahl, durch die zusätzliche Depot-und Technikflächen geschaffen wurden. Die Innenräume wurden mit neuer Klimatechnik ausgestattet. Um die strengen konservatorischen Anforderungen zu erfüllen, entschied man sich für die energiesparende Heiztechnik der Wandtemperierung. Die Fenster wurden renoviert, zum hochdämmenden Kastenfenster aufgerüstet und mit einem Lichtschutz und einer Verdunklung versehen. Räume, in denen die historischen Bodenbeläge nicht erhalten werden konnten, erhielten ein neues geöltes Eichenparkett.

 

Bildunterschrift (o.): Landshuter Zimmer, Wandvertäfelung des Landshuter Zimmers, Aus dem Landshuter Stadthaus der Familie Stromer, Landshut, um 1730, Vertäfelung, Gemälde, Spiegel, © Bayerisches Nationalmuseum München, Foto: Bastian Krack

 

Ausstattung

Das Gestaltungsbüro Designposition aus München wurde mit der Konzeption der Innenausstattung der Räu-me beauftragt. Die Planung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Referenten und Restauratoren. Hohe konservatorische Anforderungen an die Vitrinen wie Dichtheit und minimale Schadstoffemissionen wurden ebenso berücksichtigt wie die Integration eines Beleuchtungssystems auf LED-Lichtleiterbasis. Gute Zugänglichkeit für Bestückung, Wartung und Pflege wird durch großflächige, konstruktiv aufwendige Glastüröffnungen erreicht.
 

Helle, pastellige Farben, schlichte Sockel und Vitrinen dienen als Grundlage für ein zurückhaltendes Ambi-ente. Sämtliche Elemente weisen eine in sich logische, dem jeweiligen Zweck angepasste Gliederung auf. Proportionen und Volumina korrespondieren mit den Exponaten.

 

Faszinierend ist die hochmoderne technische Lichtarchitektur, mit deren Hilfe die Exponate in völlig neuem Licht erscheinen. Perspektiven eröffnen sich, die der Betrachter der Kunstobjekte zuvor entweder gar nicht oder allenfalls nur erahnen konnte. Die Vitrinen wurden von Designposition und dem Unternehmen Vitrinen- und Glasbau Reier GmbH in Zusammenarbeit mit der Lichtmanufaktur Luxam – Lighting for Museums entwickelt. Die Beleuchtung mit aufwendiger Glasfaser- und LED-Technik setzt die individuelle Form, Farbigkeit und Textur jedes einzelnen Objekts äußerst differenziert und dabei konservatorisch unbedenklich in Szene.

 

Finanzierung

Dass die Kosten für die Generalsanierung des Westflügels nicht zum Nulltarif zu haben waren, dürfte jedem Museumsbesucher klar sein. Diese wurden im Wesentlichen durch den Freistaat Bayern getragen, das Gesamtbudget betrug rund 27 Mio. Euro. Die anspruchsvolle Innenausstattung finanzierte ebenfalls der Freistaat Bayern, die Einrichtung von Saal 34 zu Max Emanuel übernahm der Rotary Club München.

 

Bildunterschrift (o.)Teller mit Blumenranken in Unterglasurblau und Augsburger Golddekor, Porzellan: China, um 1700, Golddekor: Augsburg, Werkstatt des Abraham Seuter zugeschrieben, um 1730/1735 Porzellan mit Unterglasurblau und Gold, © Bayerisches Nationalmuseum München, Foto: Bastian Krack

 

Medienstationen und Multimediaguide

Interaktive Medienstationen zeigen verborgene Details ausgewählter Objekte und ermöglichen den Besuchern Blicke hinter verschlossene Schranktüren, auf interessante Rückseiten oder tickende Uhrwerke.

Der Multimediaguide bietet Informationen zu mehr als 60 ausgewählten Exponaten der Barock- und Rokoko-Sammlung und kann an der Museumskasse ausgeliehen werden. Er ist im regulären Eintrittspreis (Erwachsene € 7,- / ermäßigt € 6,-) inbegriffen. Die Hörführungen wurden von der Firma Linon in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Nationalmuseum München realisiert.

 

Publikation

Zur Eröffnung erschien ein von der Ernst von Siemens Kunststiftung geförderter Auswahlkatalog mit 80 Werken: „Barock und Rokoko. Meisterwerke des 17. und 18. Jahrhunderts“ (Kataloge des Bayerischen Nationalmuseums. Neue Folge: Band 5), hg. von Renate Eikelmann, München: Sieveking Verlag, 2015, 248 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen, ISBN 978-3-944874-36-4, € 24,80.

 

Bildunterschrift (o.): Allegorie der Musik, Rosalba Carriera (italienische Pastellmalerin), Venedig, 1712, Pastell auf Leinwand, © Bayerisches Nationalmuseum München, Foto: Walter Haberland

 

Weitere Informationen:
www.bayerisches-nationalmuseum.de

 

Titelbild: Allegorie der Musik, Rosalba Carriera (italienische Pastellmalerin), Venedig, 1712, Pastell auf Leinwand, © Bayerisches Nationalmuseum München, Foto: Walter Haberland