Residenzschloss Altenburg zeigt Sonderausstellung „Georg Spalatin – Steuermann der Reformation“

Lesesonntag: Doch wer ist Georg Spalatin? Neben Philipp Melanchthon ein weiterer Mann im Schatten Martin Luthers? Antworten auf diese Fragen finden Kulturinteressierte in dieser Sonderausstellung, die noch bis 3. November im Residenzschloss Altenburg zu sehen ist

Von sich behauptete Spalatin angeblich, dass „… wenn (er) nicht gewesen wäre, nimmermehr wäre es mit Luthero und seiner Lehr so weit kommen“. Und in der Tat, vieles deutet darauf hin, dass Georg Spalatin in seiner Stellung als Geheimsekretär am Hof des sächsischen Kurfürsten Friedrich III. (genannt der Weise), den Verlauf der Reformation nicht unerheblich mit beeinflusst hat.
 

Bildtext (l.): Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553), Bildnis Georg Spalatin, 1509, bez. o.l. „ANNO ETATIS 26“; o.r. ANNO DOMINI 1509, Von Holz auf Leinwand übertragen, 33×28,5 cm , Museum der bildenden Künste. 

Dennoch ist Georg Spalatin relativ unbekannt. In der älteren Literatur zur Reformationsgeschichte begegnet man ihm meist mit einer etwas geschönten Vita. Durch das Ausstellungsprojekt und einen umfangreichen Begleitband wird ein komplexes und genaues Bild des Mannes neben Martin Luther gezeichnet.

Die Ausstellung im Residenzschloss Altenburg widerspiegelt in acht thematisch gegliederten Räumen das Leben Georg Spalatins. Die räume 1 bis 6 geben in chronologischer Abfolge Einblicke in das politische, religiöse und gesellschaftliche Umfeld von Georg Spalatin. Stets den Vorabend der Reformation in Altenburg um Fokus.
 

Bildtext (r.): Stadt Altenburg/Renaissance-Rathaus/1562-1564 unter Nikolaus Grohmann errichtet, mit achteckigem Turm, Treppenanlage mit Eingangsportal und Altan. Foto: Stadt Altenburg/Altenburger Tourismusinformation

Zu den Ausstellungshöhepunkten zählt der Raum 6. Anhand eines Hausinventars, das unmittelbar nach Spalatins Tod aufgesetzt wurde, ist es gelungen, eine idealtypische Hausrekonstruktion vorzunehmen und als audiovisuelle Projektion zu zeigen. Damit gelingt es, einen umfassenden Einblick in den Reformatorenhaushalt zu bieten, der durch Katharina Spalatin, von einer Schauspielerin gesprochen, in Form einer Hausführung erlebbar wird.
 

Der Raum 7 ist der Freundschaft Georg Spalatins zu Martin Luther vorbehalten. Die Beziehung wird hier exemplarisch am Beispiel der Hilfe Spalatins bei der Bibelübersetzung beschrieben. Der Grafikzyklus „Die Apokalypse des Johannes“ von Albrecht Dürer sowie ein Originalschreiben Albrecht Dürers an Georg Spalatin illustrieren besonders anschaulich das geistige Klima, in dem sich Georg Spalatin bewegt hat.
 

Bildtext (l.): Bibel Georg Spalatins mit persönlichen Randbemerkungen, Formt (geschlossen): 31 cm x 22 cm x 11,5 cm,Stadtarchiv Altenburg, Sign.: A 12
 

Der letzte Ausstellungsraum 8 bietet eine weitere Kostbarkeit von Rang: Die Chronik der Sachsen und Thüringer von Georg Spalatin verfasst und in der Cranach-Werkstatt mit über 1800 z.T. kolorierten Federzeichnungen ausgestattet. Die Chroniken, ein nicht unbedeutender Bestandteil des Spalatinischen Lebenswerkes, werden zum ersten Mal – jeweils in Abständen von ca. sechs Wochen aus konservatorischen Gründen nur immer ein Band – am Ort ihres Entstehens, in Altenburg gezeigt. Eine Würdigung des Lebenswerkes des Reformators schließt die Ausstellung ab.

Von Anfang an hat die Reformation auch politisch gewirkt. Martin Luther und die anderen Reformatoren bestimmten den Charakter und die Aufgaben von politischer Gewalt und Kirche neu und konnten auf diesem Weg ihr Verhältnis grundstürzend erneuern. Ihre Einsichten haben kulturelle Spuren hinterlassen, die bis heute gesellschaftliche Relevanz entfalten: Das Verständnis von Bildung als staatliche Aufgabe, eine Neubewertung der Rechtsstellung der Frau und vieles mehr.
 

Bildtext (r.): Zur Sonderausstellung erschien ein Begleitband 29,90 Euro Begleitband, Herausgeber: Armin Kohnle, Christina Meckelnborg, Uwe Schirmer, 400 Seiten, reich bebildert, 29.90 Euro, ISBN-Nr: 978-3-936300-98-7© mdv Mitteldeutscher Verlag GmbH, Halle (Saale). Zu beziehen ausschließlich über:Residenzschloss Altenburg, Schloss 2-4, 04600 Altenburg, Tel. 03447/51 27 12 info@spalatin-2014.de

 

 

Weitere Informationen:
www.spalatin-2014.de

Titelbild: Residenzschloss Altenburg/Schlosskomplex. Foto: Stadt Altenburg/Altenburger Tourismusinformation