Karin Sagner: „Die Malerin Hélène de Beauvoir – ‘Das Talent liegt in der Familie’“

Der im Hirmer Verlag erschienene Bildband, herausgegeben von Karin Sagner, fällt vor allem deshalb aus dem Monographien-Raster heraus, weil das Werk mit besonders ausdrucksstarken, aufschlussreichen Essays begleitet wird. Das Gesamtwerk von Hélène de Beauvoir spricht zweifellos auf klare, deutliche, ja liebevolle Weise für sich.

Bildtext (r.): Hélène de Beauvoir in ihrem Mailänder Atelier, 1957, © All rights reserved 

Doch die profunden Interpretationen beispielsweise von Margarete Murtfeld („Hélène de Beauvoir: Humanistin und Europäerin“), Karin Sagner („Das Talent liegt in der Familie“) oder etwa die lesenswerte Biographie von Ludwig Hammer und Karin Sagner, entführen den nicht-informierten, aber hochinteressierten Leser/in an eine ungewöhnliche Künstlerin heran. Ihre Leidenschaft fürs Malen brachte Hélène de Beauvoir mit „Ein Tag ohne Malen, ist ein verlorener Tag“ zum Ausdruck.

Wie sehr Hélène de Beauvoir, die mit Lionel de Roulet verheiratet war, insbesondere sozialkritische Ansichten vertrat und damit sich ähnlich wie ihre Schwester Simone als überzeugte Feministin zeigte, wird in ihrem (im Buch veröffentlichten) Vortrag sichtbar, den sie am 12. März 1992 in der Deutsch-Französischen Gesellschaft Regenburg anlässlich einer Ausstellung der Galerie Hammer, hielt. In ihrem Streifzug durch die Geschichte der Frau in der angewandten Kunst, weist sie immer wieder auf die jahrhundertelange Unterdrückung von Frauen als Künstlerinnen hin. Erst in der modernen Zeit beginnt sich hier eine Wende abzuzeichnen.

Bildtext: Hélène de Beauvoir, Sardische Spinnerin, 1955, Privatsammlung, © Sandro Agénor

Brikada-Bewertung: Hélène de Beauvoir – eine Persönlichkeit, die sich in ihrem malerischen Ouevre sichtbar werden lässt. Ihr Heranwachsen als junge Frau, als reife Frau bis hin zur über 90-Jährigen – ihre künstlerische Aussagekraft mit Beistift, Pinsel und Kupfergriffel, verrät einen wunderbaren Menschen, der sich eben da in ihrem künstlerischen Schaffen zeigt – bewusst oder unbewusst, weil Kunst halt auch Öffnung der Seele bedeutet. Sensibel, feinfühlig, heiter, licht und voller Liebe zur Malerei und Empathie zum Menschen. Man muss schon genau hinsehen, ihrer künstlerischen Entwicklung genau folgen, um sagen zu können „dieses oder jenes Werk ist typisch Hélène de Beauvoir“. Und doch lässt sie sich nicht einfach „schubladieren“. Vielmehr macht sie es dem Betrachter schwer, ihren wahren Stellenwert einzuordnen.

Alles in allem: Eine faszinierende Künstlerpersönlichkeit. Ein Lebensabschnittsbuch über ihre künstlerische Entwicklung in drei Etappen. Veranschaulicht mit berückend großformatigen Abbildungen! Ein Lesegenuss, ein Meisterklasse-Bilderbuch – da geht einem das Herz auf!
Brigitte Karch

Weitere Informationen:
www.hirmerverlag.de
www.hammergalerie.de
www.beauvoir.eu

Titelbild: Abbildung auf dem Umschlag (vorne): Hélène de Beauvoir, Fischerboote, Venedig