Farbsymphonie und Glaskunst im Dom der Naumburger Meister

Kultursonntag: Der Naumburger Dom lockt mit der Ausstellung „Glanzlichter. Meisterwerke zeitgenössischer Glasmalerei“ die Besucher aus ganz Deutschland. Das kreative Schaffen herausragender Künstler der Gegenwartskunst wie Gerhard Richter, Markus Lüpertz, Xenia Hausner, Hella de Santarossa oder Neo Rauch brachte einzigartige Kunstwerke in der Glasmalerei hervor.

Gerade die traditionellen Aufgaben der Glasgestaltung führten nicht nur in Chartres, Köln, Soest und in Naumburg zu wunderbaren Meisterwerken. Für diese Kunstschätze schafft der Dom mit seinen weltberühmten Stifterfiguren den passenden Rahmen. Hier bilden mehr als 50 Originale den Mittelpunkt der Sonderausstellung „Glanzlichter. Meisterwerke zeitgenössischer Glasmalerei“.

Bildtext (l.): David Schnell, ohne Titel, freies Glasbild, Ausführung Derix Glasstudios/Taunusstein. Foto: ©Uwe Walter

Damit verwandelt sich der Naumburger Dom in eine hervorragend bestückte Galerie für Gegenwartskunst in direkter Nähe zu Meisterwerken der mittelalterlichen Glasmalerei.

Der Naumburger Dom bewahrt einen einzigartigen Schatz an Glasmalereien aus neun Jahrhunderten. Die historische Ausstattung des Naumburger Doms bildet den kontrastreichen Rahmen für die in der Sonderausstellung gezeigten Werke von bedeutenden Vertretern zeitgenössischer Glasmalereikunst.

Sie sind weltweit gefeierte Meister ihres Faches. Namen wie Markus Lüpertz, Gerhard Richter, Ludwig Schaffrath, Mas Uhlig, Thierry Boissel, Wilhelm Buschulte, Xenia Hausner, Sigmar Polke und Kim en Joong sorgen ab dem 1. Juni 2014 im Naumburger Dom für eines der herausragenden Ausstellungsprojekte in der deutschen Kulturlandschaft.
 

 

Bildtext (r.): Marie.Luise Dähne, Fenster über dem Südportal von Sankt Marien in Zerbst-Ankuhn, Ausführung Glasmalerie Peters/Paderborn, ausgestellt im nördlichen Seitenschiff vom Naumburger Dom, ©Vereinigte Domstifter Foto: J. Buchwald

Die Künstler präsentieren ihre Exponate im Langhaus des Naumburger Doms, im Ostchor, in der Krypta, der Stephanus- bzw. Elisabethkapelle sowie im Domschatzgewölbe und der Marienkirche. Ihre Kunst wurde früher mit Gold aufgewogen. Heute schaffen sie auf Einladung der „Vereinigten Domstifter“ und deren Kuratoren großartige Höhepunkte zeitgenössischer Kunst. Im Unterschied zur üblichen Raumsituation werden die Exponate dem Betrachter in ungewohnter Nähe präsentiert. Dieser Umstand ermöglicht dem Besucher eine intensive Auseinandersetzung mit den klassischen und modernen Techniken der Glasmalerei und ihren einzelnen Themenbereichen.

Glaskunst im Rückblick
Früher wurden viele Geheimnisse nur vom Meister auf den Schüler übertragen. Das Wissen aus verschiedensten Stoffen, das auch in der Natur vorkommende Glas künstlich und in größeren Mengen herstellen zu können, ist schon aus dem 16. Jahrhundert vor Christus belegt. Im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris wurde bereits in der Bronzezeit Glas kunstvoll hergestellt. Es bildeten sich Meisterzirkel, wie im Festungs- und Dombau, es bildeten sich Mythen und Legenden. Glasfenster in Häusern, Gebäuden und Kathedralen sind für uns das selbstverständlichste auf der Welt. Aber schon mehr als 200 Jahre vor Chr. beherrschten die Römer nicht nur halb Europa, sie kannten auch die Kunst, Fensterglas herzustellen.

Die feinen Glasplatten wurden in vielen bunten Farbschattierungen gegossen, die aber keine große Menge an Tageslicht durchließen. Die schönsten Villen und wichtigsten Gebäude in Pompeii wurden damit ausgestattet. In Alexandria entdeckte man um das Jahr 100, dass die Beigabe von Manganoxid das Glas entfärbt und durchsichtig werden lässt. Da die Herstellung so teuer war und nur von wenigen Fachleuten ausgeübt wurde, galten Glasfenster bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts als Prestigeobjekt der Könige und Kaiser, der Reichen und Mächtigen.

Bildtext: Thomas Kuzio, Krypta, Naumburger Dom; Foto: Falko Matte

Die großartigen Kathedralen und Dome des Mittelalters, der Romanik und Gotik hatten eine Farbpracht und Lichtgewalt, die wir uns kaum vorstellen können. Es war Glaube und Emotion, die Mischung aus Demut vor der Schöpfung und die pure Lebensfreude und Phantasie, die aus bunten Glasstücken einzigartige Lichtkompositionen in diesen Meisterwerken der Baukunst schufen.
(Quelle: CAB Artis)

 

 

ZAHLEN | DATEN | FAKTEN
AUSSTELLUNGSFLÄCHE
Naumburger Dom gesamt ca. 2.240 m²
Dom inkl. Kreuzgang 1.700 m² Marienkirche am Dom 270 m² Domschatzgewölbe 310 m² Ägidienkapelle 60 m² Johanneskapelle (Domfriedhof) 40 m²
Korrespondenzorte gesamt ca. 1.880 m²
Merseburger Dom Bischofskapelle 90 m² Krypta 70 m² Wort-Gottes-Kapelle 18 m² Klosterkirche Schulpforte 1.600 m² Kloster und Kaiserpfalz Memleben 50 m² St. Marien Freyburg (N-Querhaus) 60 m²

Bildtext (r.): Neo Rauch 3 Fenster mit Darstellungen aus dem Leben der Hl.Elisabeth, Ausführung Domglas Naumburg ©Vereinigte Domstifter. Foto: behnelux gestaltung

 

TECHNIKEN
Sandstrahltechnik, Ätztechnik, Grisailletechnik, Airbrush, Digital-, Sieb- und Offsetdruck, Senkverfahren (thermische Verformung des Glases), Laminierung, Sandwichtechnik, Bleiverglasung, Klebung, Glasmalerei, Applikationen

VERWENDETE GLÄSER
Echtantikglas, Floatglas, Überfangglas, industrielles Struktur- und Ornamentglas, Schmelzglas, Flach- und Hohlglas, Plexiglas, Crash-Glas


 

 
Bildtext (l.): Herstellungsprozess in der Glashütte Lamberts. Bildarchiv der Glashütte Lamberts

WEITERE VERWENDETE MATERIALIEN
Edelstahl, Silikon (Bernhard Huber) Fundstücke, Naturmaterialien (Hella de Santarossa)

Zur Ausstellung erscheint ein repräsentativ ausgestattetes Begleitbuch: „Glanzlichter. Gegenwartskunst Glasmalerei“. Holger Brülls. Kleine Schriften der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz, Band 14 ca. 21 x 24 cm, 232 Seiten, ca. 200 Abbildungen, Hardcover ISBN 978-3-7319-0085-6. Ausstellungspreis: 10 Euro (im Naumburger Dom-Shop) Buchhandelspreis: 19,95 Euro.


In über 200 großformatigen Aufnahmen zeigt das Begleitbuch zur Ausstellung „Glanzlichter“ im Naumburger Dom in repräsentativem Überblick Werke von Meistern der zeitgenössischen Glasmalerei, experimentelle Arbeiten der jüngeren Künstlergeneration und bemerkenswerte Schöpfungen international bedeutender Gegenwartskünstler, darunter zahlreiche eigens für die Ausstellung geschaffene und hier zum ersten Mal publizierte Fenster in verschiedensten glasmalerischen Techniken.
 

Erstmalig treten dabei die Arbeiten der prominenten „Novizen“ der Glasmalerei in visuelle Konkurrenz zu den Routiniers der Gattung, die die deutsche Glasmaler-Generation nach Georg Meistermann in glanzvoller Weise repräsentieren. Viele Arbeiten, die in Ausstellung und Katalog gezeigt werden, wurden im Vorfeld der Ausstellung für mittelalterliche Kirchenbauten in Sachsen-Anhalt geschaffen.

Weitere Informationen:
www.naumburger-dom.de
www.vereinigtedomstifter.de

Titelbild: Hella De Santarossa (*1949): Wertlauer Engel, 2014, eins von vier geplanten Fenstern für den Chorraum der romanischen Kirche in Wertlau b. Zerbst,eigenhändige Ausführung der Künstlerin mit Derix Glasstudios/Taunusstein. Foto: J. Buchwald