Bayerisches Nationalmuseum: Das Heilige Land in Zimmergröße – Krippenhintergrund von über 10 m Länge!

Die Wirkung einer Krippe hängt noch mehr als beim Theater von der Szenographie ab. Doch von den historischen „Bühnenbildern“ aus Phantasiearchitekturen, Bergen, Moos und manchmal auf Leinwand gemalten Hintergründen ist wenig erhalten.

Denn während die kostbaren Figuren zu allen Zeiten hoch geschätzt und gut verwahrt wurden, war alles andere fragil und musste alle paar Jahre ersetzt werden – in Sammlungen wie der berühmten des Bayerischen Nationalmuseums landeten meist nur die Figuren. Dort wurden unabhängig von den unbekannten historischen Inszenierungen bei der Einrichtung um 1900 und beim Wiederaufbau in den 1950er Jahren mit Dioramen wie dem mächtigen Sternenhimmel, der bayerischen Schneelandschaft, dem Golf von Neapel oder der Palastkrippe äußerst suggestive Szenerien geschaffen.

Das Nationalmuseum konnte jetzt einen monumentalen Krippenhintergrund aus dem zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erwerben. Er gehörte zu einer in dieser Zeit angelegten Sammlung von Tieren und Figuren von Münchner Krippenschnitzern des 19. Jahrhunderts. Es war offenbar beabsichtigt, das Heilige Land möglichst getreu darzustellen, ebenso wie sich zuvor die Schnitzer um realistische Wiedergabe der Menschen in Palästina bemüht hatten.

Dass die Pinien und Zypressen eher von Italien angeregt zu sein scheinen und die lieblichere und weniger ausgedörrte Landschaft an deutsche Maler wie den im frühen 20. Jahrhundert sehr beliebten Hans Thoma erinnert, oder noch entfernt an Carl Rottmann, der zur Entstehungszeit der zugehörigen Figuren wirkte, stört nicht weiter.

Typisch für die Zeit um 1900 ist die Monumentalität, die an die damals in München blühende Panorama-Malerei erinnert, wenngleich der Krippenprospekt nicht für eine Aufstellung im Rund gedacht war sondern für drei Wände eines Raumes. Die Intention eines Panoramabildes – wie dem einzigen noch existierenden in Altötting – dürfte auch der Krippenprospekt des Nationalmuseums erfüllt haben: den Betrachter ganz in sich aufzunehmen und seine emotionale Anteilnahme an der davor arrangierten Szene zu stärken.
(Quelle: Bayerisches Natonalmuseum)

Öffentliche Führungen zum Kunstwerk des Monats November 2013: Das Heilige Land in Zimmergröße, Donnerstag, 21. November 2013, 18 Uhr Führung mit Dr. Sybe Wartena.

Weitere Informationen:
www.bayerisches-nationalmuseum.de 

Bildtext: Landschaftsprospekt einer Krippe (Detail), München (?), um 1910/20. Ausgestellt in der Krippensammlung. © Bayerisches Nationalmuseum München