LWL-Ziegeleimuseum Lage zeigt: pickArt: „weit weg – verflixt nah“


Zur Gruppe „pickArt“ gehören Sabine Böhner, Sabine Böttcher, Elisabeth Brügger, Annie Fischer, Heike Flörkemeier, Barbara Jankowska, Anja Kracht, Angelika Leßmeier, Anna-D. Merkord, Monika Möller, Birgit Sanders und Gerlinde Wehmeier.

Sie stellen seit 20 Jahren gemeinsam in der Region aus. Im LWL-Industriemuseum in Lage haben sich die Frauen zusammengefunden, um sich ganz unterschiedlich dem Thema der aktuellen Sonderausstellung zu nähern. Wanderarbeit ist für sie weder zeitlich noch räumlich „weit weg“, sondern in vielen Bereichen sehr nah – „verflixt nah“ eben. Die 13 Künstlerinnen thematisieren, wie sich Wanderarbeit bis in das Privatleben auswirkt und unsere Lebens- und Arbeitswelt bestimmt.

Wanderarbeit war zuerst ein vorwiegend männliches Thema: Scherenschleifer, Schäfer, Gaukler und Kesselflicker waren fast immer Männer, auch wenn sie häufig mit ihren Familien von Stadt zu Stadt zogen. „Die lippischen Ziegler wanderten sogar als reine Männergesellschaft zu den Ziegeleien in Norddeutschland, rund um Berlin und später in das Ruhrgebiet“, erklärt LWL-Museumsleiter Willi Kulke.

Heute ist Wanderarbeit auch ein aktuelles Frauenthema. Auf den deutschen Gemüsefeldern und in den Haushalten als Pflegekräfte arbeiten tausende Frauen aus Osteuropa. Sie leisten hier eine Arbeit, für die in Deutschland keine Arbeiterinnen und Arbeiter gefunden werden.

Die Ausstellung „weit weg – verflixt nah – künstlerische Positionen der Gruppe pickArt zur Wanderarbeit“ nimmt dieses Thema aus der Sicht von Künstlerinnen noch einmal auf.

Heike Flörkemeiers thematisiert in einem großformatigen Bild die Wechselwirkung zwischen Börsenkursen, Profitmaximierung und der Situation der Arbeiterinnen und ihren Angehörigen. Im Freigelände verbindet sie die Baumwollernte mit den blutigen Folgen für die Arbeiterinnen auf den Feldern und in den Nähereien.

Elisabeth Brügger verbindet in einer Installation in der Villa Beermann Arbeitsschürzen mit Zitaten zum Arbeitsleben. Annie Fischer widmet sich in ihrer Installation im Ringofen der Geschichte ihres Urgroßvaters, der Im Sommer als Wanderziegler und im Winter als Ziegler arbeitete.

Gerlinde Wehmeier thematisiert in einer Installation in der Villa Beermann die Wanderarbeit in Zeiten der Globalisierung in China und Neuseeland. Sabine Böhners zeigt unter dem Thema „felllos“ Schafe vor und nach der Schur. Monika Möllers Installation aus Anröchter Dolomit und Beton zum Thema „warten“ besteht aus drei Bänken mit Gepäckstücken. Sie assoziiert Aspekte der Wanderarbeit mit dem Warten auf den Zug, das Flugzeug, den neuen Ort, der neuen Arbeit und der Angst bzw. Hoffnung vor der Zukunft.

Sabine Böttcher nimmt das hochaktuelle Thema der Bekleidungsherstellung in Fernost im Freigelände auf, wo sie zehn Jeans auf einer langen Teerpappe auf eine Nähmaschine zulaufen lässt. Angelika Leßmeier widmet ihre Installation aus Objekten und Gemälden dem Thema „Großraumbüros“. Urlaubsbilder stehen im Kontrast zu der Arbeit im Büro, Büroarbeitsplätze, die längst nicht mehr an feste Standorte gebunden sind, sondern überall hin wandern können.
(Quelle: LWL)

Die Ausstellung „weit weg – verflixt nah“ ist noch bis zum 13. Oktober 2013 im LWL-Industriemuseum I Ziegeleimuseum Lage zu sehen.

Weitere Informationen:
www.lwl.org

Bildtext (o.): Arbeit von Birgit Sanders zum Thema Wanderarbeit.
Bildtext: (u.): Druck von Anna-D. Merkord zum Thema Wanderarbeit. Fotos: pickArt