Juliane Votteler: Oper als Erkenntnisform


Wer bislang noch keine Gelegenheit hatte, Juliane Votteler kennenzulernen, konnte dies im Rahmen einer öffentlichen Vorlesung an der Universität Augsburg nachholen. Auf Einladung von Prof. Dr. Mathias Mayer (Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft) sprach die gebürtige Stuttgarterin zum Thema „Literatur, Oper und Erkenntnis“. Ein volles Haus war ihr gewiss; denn in der kurzen Zeit ihres Wirkens in der Fuggerstadt gewann sie mit Verve, Temperament und großem Sachverstand eine begeisterte Fangemeinde.

Wie kommt ein Opernspielplan zustande – wie erfolgt die praktische Umsetzung dieses Genres? Eine ihrer Kernaussagen lautet: „Ich mache mir täglich klar, dass Theater kein Museum ist.“ Will heißen: Im Unterschied zum Museum mit seiner kurativen Form, möglichst schöne, vollständige Sammlungungen zu bewahren, „ist es unsere Aufgabe, im Theater eine Auswahl von Stücken mit Interpretation zu treffen, die der Besucher unter musikalischer und szenischer Beleuchtung im Kopf zu bewältigen hat. Es ist die kollektive Rezeption, also ein anderes Erfassen als sich abgeschottet im Museum oder Kino aufzuhalten.“

In ihrem Ausflug in die Theatergeschichte verdeutlicht sie, dass die Theaterdichte heutiger Prägung ihren Ursprung im 17. und 18. Jahrhundert nahm. Nach Gleichschaltung während der unseligen Zeit des 12-jährigen Nationalsozialismus, gelang in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg der Neuanfang.
Oper/Theater wurde als Auftrag verstanden, die kollektive Vermittlung dem Volke zugänglich zu machen, ohne Einmischung von kommunaler Hand. Von den Kommunen finanziell unterstützt, gilt Theater seither „als gesellschaftspolitische Verpflichtung.“ Die daraus resultierende vielfältige Theaterlandschaft in Deutschland, also „diese Dichte, zwingt zur Originalität, dabei ist dieser Konkurrenzdruck gewollt und beabsichtigt“, erläutert Frau Votteler.

Denn Theater/Oper haben einen Bildungsauftrag. Die – so die Intendantin – große Flexibilität beinhaltet. Dies wiederum bedeutet, einen hohen Anspruch an den Bürger zu stellen; denn dieser wird zur „Geschmeidigkeit des Gehirns“, zum Hinterfragen, ja zum Lebendig bleiben im Kopf, angeregt.
Brigitte Karch

Weitere Informationen:
theater1.augsburg.de

Bildunterschrift: Juliane Votteler, Intendantin Theater Augsburg. Foto: Theater Augsburg

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