Staatliche Antikensammlungen mit “Black is beautiful – Griechische Glanztonkeramik”

Bildunterschrift: Collage mit Ausstellungsplakat der Sonderausstellung „Black is Beautiful. Griechische Glanztonkeramik“ © Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München: Foto: © Brigitte Karch

München. – Griechische Keramik steht zumeist für figurenreiche Bemalung mit Bildern aus Mythos und Alltag der Antike. Die Sonderausstellung „Black is Beautiful. Griechische Glanztonkeramik“ lenkt den Blick auf die schlichte Eleganz von rein schwarz bemalten griechischen Tongefäßen. Die 263 gezeigten Exponate stammen zum größten Teil aus den Depots der Staatlichen Antikensammlung München, ergänzt durch private Leihgabe.

Bildunterschrift: Die Sonderausstellung „Black is Beautiful. Griechische Glanztonkeramik“ lenkt den Blick auf die schlichte Eleganz von rein schwarz bemalten griechischen Tongefäßen. Foto: © Brigitte Karch

Dr. Florian S. Knauß, leitender Sammlungsdirektor Antikensammlungen und Glyptothek in München, spezifizierte im Rahmen der Eröffnungspressekonferenz: Griechische Keramik steht in der Regel für figurenreiche Bemalung mit Bildern aus Mythos und Alltag der Antike. Die Sonderausstellung „Black is Beautiful. Griechische Glanztonkeramik“ lenkt den Blick auf die schlichte Eleganz von rein schwarz bemalten griechischen Tongefäßen. Nur wenige farbige Akzente lenken ab von eleganter Kontur und glänzender Oberfläche. Diese Beschränkung eröffnet neue Einsichten zur griechischen Keramik und zu unserem eigenen ästhetischen Formempfinden.

Bildunterschrift: Gebauer: „Die griechische schwarz bemalte Glanztonkeramik hat unser heutiges ästhetisches Empfinden geprägt. Die Oberflächenqualität entspricht der von Glas und Porzellan.“ Foto: © Brigitte Karch

Die Ausstellung erstreckt sich auf vier Räume, die die Chronologie der griechischen schwarz bemalten Glanztonkeramik aufzeigt, wie Dr. Jörg Gebauer, Konservator der Antikensammlungen, erklärte. In Schauvitrinen und freistehenden Exponaten werden Dekor und Ästhetik, historische und technische Aspekte verdeutlicht. Gezeigt werden auch Keramiken aus der britischen Wedgwood-Werkstätte (gegründet 1757) – Belege, wie die antiken Vorbilder die Formbildung im Klassizismus beeinflussten.

Design folgt Funktion

Athen beherrschte damals den überregionalen Markt für Feinkeramik. In familiengeführten Töpferwerkstätten wurde mit verdünntem Tonschlicker das noch ungebrannte Gefäß mit einem Pinsel flächig bemalt oder auch vollständig in eine dünnflüssige Engobe (z.B. Schlickermasse) getaucht und dann in Keramikbrennöfen bei auf 900° C hochkompliziert gebrannt. Die Keramiken wurden in riesigen Stückzahlen im gesamten Mittelmeerraum verkauft.

Die Herstellung von Glanztonkeramik entsprach der der bemalten griechischen Keramik. Die Formgebung der Glanztonkeramik griff das zeitgenössische Ideal von ausgewogener Proportionierung und kraftvoller Anspannung auf. Handwerklich erscheinen uns die schwarzen Gefäße wie eigenständige Meisterwerke. Doch es handelt sich dabei um gehobene Gebrauchsgegenstände, bei denen formschöne Gestaltung mit Funktionalität kombiniert wurde.

Bildunterschrift: Der Besucher erfährt: “Schlicht und funktional. Die Kanne und kleine Amphore (im Vordergrund) dienten zum Auftragen und Servieren im Rahmen des Symposion. Sie tragen – typisch für die frühen Beispiele der Glanztonkeramik – schlichten und dezenten Dekor aus wenigen feinen roten Linien. Attisch, 6. Jh.v./Anfang 5. Jh.v.Chr. / ‘Black is beautiful’ /Staatliche Antikensammlungen München”
Bildunterschrift: “Gutti. Das kleine Reliefrund eignet sich auch für kleine mystische Szenen. (Rankenfrau, sitzender Herakles, Mänade, stiertötende Nike). Italisch, 4.Jh.v.Chr. / “Black is beautiful”/Staatliche Antikensammlungen München

Griechische schwarz bemalte Glanztonkeramik – luxuriöse Gebrauchskeramik

Im antiken Griechenland wurde im Alltag undekoriertes, allenfalls schlicht verziertes Geschirr verwendet. Bei besonderen Gelegenheiten wie dem Symposion benutze man hingegen reich dekorierte und figürlich bemalte Gefäße. Im Laufe des 6. Jahrhunderts v. Chr. kamen im Segment der Luxuskeramik auch rein schwarz bemalte Gefäße in Mode. Hausfrauen in gehobenen Haushalten ließen sich für die außergewöhnlich formschöne Edelkeramik mit ausgesprochenen Luxuscharakter von Freunden und Gästen bewundern und beneiden. Eine Blütephase hatte diese schwarze Glanztonkeramik im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr., in der Zeit der griechischen Klassik.

Bildunterschrift: “Plastisches Gefäß in Form eines hockenden Keilers, 4.-3. Jh. v. Chr. Foto: © Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, fotografiert von Renate Kühling
Bildunterschrift: “Syphon/Weinheber, bei dem man physikalische Eigenschaften nutzte. Sonderausstellung „Black is Beautiful. Griechische Glanztonkeramik“ © Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München”. Foto: © Brigitte Karch
Bildunterschrift: Schale aus schwarzem Glanzton mit Stempeldekor, 4. Jh. v. Chr. Foto: © Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, fotografiert von Renate Kühling

Die Palette der Glanztonkreamik umfasste Dinge des täglichen Küchenbedarfs, die multifunktional verwendet wurden. So etwa Teller, Schalen, Tiegel, Amphoren, Trinkgefäße und Behälter für Getreide, Wein, Öl oder Honig sowie Vasen (das Wort ist abgeleitet vom italienischen Vasi und bedeutet eigentlich Gefäß).

Im Laufe der Zeiten verfeinerte sich Formgebung und Funktion. Details wie etwa eine kleine Kante an der Oberseite eines Gefäßes, die perfekt zum Schütten geeignet war: Töpferwissen, das über Generationen weitergegeben und ständig optimiert wurde. Oder etwa der Weinheber, bei dem man physikalische Eigenschaften nutzte.

Bildunterschrift: Zuckerdose in Weidenkorbrelief mit Deckel einer trauernder Witwe. / © Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München: Foto: © Brigitte Karch

Als die heimischen Märkte gesättigt waren, exportierten die griechischen Töpfer in den gesamten Mittelmeerraum. Etwa 350-300 v.Chr. fertigten die Etrusker in Süditalien die schwarze Glanztonkeramik. Im Klassizismus ließen Kunsthandwerker antikes Design und Funktion in ihre Kunstwerke mit einfließen – so wie beispielsweise der britische Keramik-Hersteller Wedgwood (gegründet 1757).

In der Sonderausstellung „Black is beautiful. Griechische Glanztonkeramik“ wird die Entstehung, Verbreitung und Weiterentwicklung dieser zeitlos-eleganten griechischen Keramikgattung nachgezeichnet. Die Schau schöpft weitgehend aus den reichen Beständen der Staatlichen Antikensammlungen. Hochkarätige Leihgaben von privaten Sammlern runden die 263 Exponate der Ausstellung ab. Zu sehen bis 6. Januar 2020.
(Quelle: Staatliche Antikensammlungen München)

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www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de

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