Schloss Bruchsal: Barocke Tafelkultur: Historische Kunst des „Serviettenbrechens“

Bruchsal. – Vom 14. November bis zum 3. Februar eröffnet Schloss Bruchsal den Blick auf ein verblüffendes historisches Phänomen der Tafelkultur. Unter dem Titel „Gefaltete Schönheit – Die Kunst des Serviettenbrechens“ zeigt der Faltkünstler Joan Sallas feingliedrige Werke, vom grazilen Tischschmuck bis zur raumgreifenden Skulptur.

Schloss Buchsal Serviettenausstellung. Foto: (c)Christina Ebel/ssg

Seine Arbeiten beruhen auf historischen Vorlagen des 16. und 17. Jahrhunderts – und sie sind aus Serviettenstoff geschaffen. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg haben den international renommierten Spezialisten im Rahmen ihres Themenjahres „Von Tisch und Tafel“ eingeladen. Die Kunstwerke aus weißem Leinen, einst ein Teil der höfischen Tafelkultur, sind in der Beletage von Schloss Bruchsal zu sehen.

Originale Faltpläne, alte Vorbilder

Kunstvoll gefaltete Servietten waren Teil einer aufwendigen Tafelkultur. Der Tischschmuck aus weißem Leinen war ein Teil des prächtigen Dekors, mit dem die Herrscher Macht und Reichtum demonstrierten.

„Aufwändig komponierte Tafeln, mit Tafelaufsätzen und bestückt nach komplizierten Plänen, waren Teil der Repräsentation an den barocken Tafeln“, erklärt Dr. Petra Pechaček, die Konservatorin von Schloss Bruchsal. „Die Serviettenfaltkunst war ein Aspekt dieser höfischen Dekorationen.“

Schloss Buchsal Serviettenausstellung. Foto: (c)Christina Ebel/ssg

Joan Sallas nutzt gestärktes Leinengewebe. Hunderte Meter Stoff faltet er zu Schlangen, Nilpferden, Schlössern, Schiffen oder menschlichen Figuren. Das Wesentliche an seinen Arbeiten: Fast immer liegen ihnen originale Faltplänen aus früheren Jahrhunderten zugrunde. Anfang des 16. Jahrhunderts entstand in Italien die Mode, Servietten und Tücher kunstvoll zu falten. Seinen Höhepunkt erlebte das Serviettenbrechen im Barock: Traktate und Lehrbücher verbreiteten die Techniken und Vorlagen auch an den deutschen Höfen.

Über den Künstler

Joan Sallas, geboren 1962 in Badalona (Katalonien), wuchs in Spanien auf. Er studierte Sonderpädagogik und Musik. Seit 18 Jahren forscht er intensiv auf dem Gebiet der historischen Faltkunst und sammelt sämtliche Literatur zum Thema Faltkunst. Er veröffentlichte Bücher zur Papier- und Serviettenfaltkunst und stellt seine Werke weltweit in bekannten Museen und Schlössern aus. Außerdem gibt er Kurse im Servietten-Falten an Hotelfachschulen, für Pädagogen und Kinder. Joan Sallas lebt heute in Weimar.
(Quelle: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg)

Weitere Informationen:
www.tisch-tafel-2018.de
www.schloss-bruchsal.de

 

Titelbild: Schloss Buchsal Serviettenausstellung. Foto: (c)Christina Ebel/ssg