Maximilianmuseum Augsburg: “Zarensilber” mit prachtvollen Exponaten


Wenn vom 25. Februar bis 1. Juni 2008 an die Ausstellung "Zarensilber" – Augsburger Silber aus dem Kreml" für die Öffentlichkeit zu sehen ist, dann dürfte dies ein ausgesprochen kultureller und historischer Glücksfall sein; denn über 70 Exponate, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert entstanden, verlassen nun erstmals nach mehr als drei Jahrhunderten die Rüstkammer des Kreml in Moskau und kehren zurück an ihren Entstehungsort nach Augsburg zurück.

Jeder Besucher erhält einen Audio-Guide (erhältlich in Deutsch, Englisch, Italienisch und Russisch) und wird somit durch die Ausstellung – vom Erlebniswald eines typisch russischen Birkenwaldes im Erdgeschoss (mit begleitender Geräuschkulisse von Vogelgezwitscher und Pferdehufenklappern) über Landschaftsgemälde und Zarenschatz bis hin zur Frühzeit der Romanows mit exquisiten Werken begnadeter Goldschmiedemeister aus Augsburg.

Unter den wunderbaren Kunstwerken befinden sich etwa aufwändig gestaltetes Trinkgerät wie Pokale, Humpen oder auch Trinkschiffe, die ein Spiegel barocker Tafelkultur darstellen. Silbertische oder silberne Kaminschirme sind Zeugnisse höfischer Repräsentation und Magnifizenz. Viele dieser Kunstwerke sind nicht nur Ausdruck exzellenter handwerklicher Künste des 16. bis 18. Jahrhunderts, vielmehr stehen hinter zahlreichen Objekten, die die Zaren geschenkt bekamen, auch eigene Geschichten und weitreichende politische Hintergründe.

Im Rahmen einer Pressekonferenz wiesen unter anderen Eva Leipprand, Kulturreferentin und Bürgermeisterin der Stadt Augsburg, sowie die Leihgeberin Dr. Elena Gagarina, Direktorin Staatliches Kulturhistorisches Museum "Moskauer Kreml", auf die Bedeutung der Kunstschätze hin. Es ist vor allem die Auswahl an edelster Augsburger Gold- und Silberschmiedekunst, die den Betrachter faszinieren.

Ein umfangreiches Begleitprogramm rundet die Ausstellung ab. Russische Nächte mit Musik, kulinarische Spezialitäten, Expertenführungen, Fachvorträge zur Goldschmiedekunst und ein Kreativprogramm für Kinder sind Bestandteil des vielfältigen Veranstaltungsprogramms rund um "Zarensilber".

Übrigens, in der Ausstellung befindet sich auch ein Gemälde von Katharina II., der Großen, die von 1762 bis 1796 regierte. Die russische Regentin, geborene Sophie-Friedrike Auguste, Tochter von Christian-August von Anhalt-Zerbst, kam 1744 nach Russland. Vor ihrer Heirat mit Zar Peter III. trat sie zum orthodoxen Glauben über. Nach dem Putsch gegen ihren Gatten, lies sie sich 1762 zur Zarin krönen.

Besonders reizvoll ist der Bogen, denn die Ausstellung zu zeitgenössischen Gold- und Silberschmieden in Augsburg schlägt. Hier finden sich außergewöhnliche Arbeiten, die zwar einem völlig anderen Zeitgeist entsprechend kreiert sind, dennoch aber ein eindrucksvolles Bild der handwerklichen Ausarbeitung und Anmutung heutige Gold- und Silberschmiede zeigen.

"Zarensilber – Augsburger Silber aus dem Kreml" ist Teil einer engen Kooperation zwischen den Kunstsammlungen und Museen Augsburg und den Staatlichen Museen des Moskauer Kreml in Moskau. Nach der Ausstellung "Zarensilber" im Maximilianmuseum Augsburg werden 2009 hochkarätige Kunstwerke der Kunstsammlungen und Museen Augsburg im Moskauer Kreml ausgestellt. Im Zentrum stehen die einzigartigen Sammlungen des Maximilianmuseums: Augsburger Goldschmiedekunst, Kunsthandwerk und Skulpturen und ganz besonders die Bronzeplastiken des berühmten Adriaen de Vries. Doch auch die Barockgalerie und die Graphische Sammlung werden mit Spitzenwerken Augsburg in Moskau vertreten!

Eine hochkarätige Ausstellung wie "Zarensilber – Augsburger Silber aus dem Kreml" ist heute nicht ohne Unterstützung zahlreicher Sponsoren denkbar. Die Rückkehr Augsburger Glanzstücke der europäischen Diplomatie wurde durch die substantielle Unterstützung der Hauptsponsoren Sparda-Bank Augsburg eG, Bayerngas GmbH und Stadtwerke Augsburg möglich. Gefördert wird die Ausstellung zudem durch die Bayerische Landesstiftung, die LEW Lechwerke AG, die Zeitschrift Weltkunst und die Silbermanufaktur Gebrüder Reiner. Als Medienpartner begleiten die Augsburger Allgemeine und Radio RT.1 das Ereignis.

Zur Ausstellung "Zarensilber – Augsburger Silber aus dem Moskauer Kreml" erschien ein deutschsprachiger, mit ca. 180 Farbabbildungen reich illustrierter und sehr akribisch erarbeiteter Katalog im Hirmer Verlag.

Weitere Informationen:
www.zarensilber.de
www.kremlin.museum.ru

(Die Links wurden am 23.02.2008 getestet.)

Bild (v.l.): Leihgeberin Dr. Elena Gagarina, Direktorin Staatliches Kulturhistorisches Museum "Moskauer Kreml" und Eva Leipprand, Kulturreferentin und Bürgermeisterin der Stadt Augsburg, vor dem Gemälde Katharina II., die Große. Foto: ©Brigitte Karch